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Gold-Traum zerplatzt in der Hitze: Bronze für Hemmer

Werth verpasst das Aachen-Märchen knapp – doch eine Deutsche sorgt plötzlich für die größere Sensation.

14.08.2026, 16:58 Uhr

Bei rund 35 Grad im Schatten platzte der Traum von weiterem deutschem Gold bei den Reit-Weltmeisterschaften in Aachen. Für Edelmetall sorgte dennoch Katharina Hemmer, die im ersten Einzelwettbewerb Bronze holte. Als sie ihr Ergebnis erfuhr, rief die 32-Jährige nur: „Unglaublich“.

Kurz darauf sagte Hemmer im WDR: „Richtig angekommen ist es noch nicht.“ Zugleich zeigte sie sich stolz auf ihren Wallach Denoix: „Ich bin einfach gerade unheimlich stolz, dass er das heute in der Atmosphäre so gemacht hat. Das ist eine große Freude!“

Isabell Werth verpasste nach dem gefeierten Team-Titel diesmal knapp das Podium und belegte mit Wendy Rang vier. Direkt nach dem Ritt sagte die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt nur: „Schade.“ Später erklärte sie: „Ein kleines Tickchen hat gefehlt.“ und ergänzte: „Knapp vorbei ist auch daneben.“ Für Hemmer fand Werth ebenfalls lobende Worte: „Kata war spitze! Also große Gratulation!“

Den Sieg sicherte sich trotz der schwierigen Bedingungen die britische Titelverteidigerin Charlotte Fry auf Glamourdale mit 82,295 Prozentpunkten. Dahinter kam die dänische Favoritin Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle auf 80,927 Punkte. Hemmer folgte mit 80,866, Werth erhielt 79,149.

Große Hitze vor Tausenden Zuschauern

Im Grand Prix Special mussten die besten Paare des Turniers bei den höchsten Temperaturen des Tages antreten – vor fast 40.000 Zuschauern. Bundestrainerin Monica Theodorescu sah darin kein grundsätzliches Problem. „Die Pferde vertragen die Hitze sehr gut“, sagte sie. Auch die Reiterinnen seien „alle trainierte Athleten“. Zudem erinnerte sie daran, bei den Olympischen Spielen in Barcelona bei 44,5 Grad geritten zu sein. Damals gewann sie zusammen mit Werth Gold.

Für Isabell Werth blieb damit die Wiederholung ihres Aachener Sommermärchens aus. Vor 20 Jahren hatte die inzwischen 57-Jährige nach Team-Gold auch den Special gewonnen – damals mit Satchmo. Diesmal reichte es mit Wendy knapp nicht zu einer Einzelmedaille.

Hemmer überzeugt bei WM-Premiere

Als letzte deutsche Starterin ging Katharina Hemmer mit Denoix ins Viereck. Die 32-Jährige hielt dem Druck bei ihrer ersten Weltmeisterschaft stand und bestätigte ihren starken Eindruck aus dem Mannschaftswettbewerb auch im Special. Equipechef Klaus Roeser zeigte sich begeistert: „Wahnsinn. Was für ein Ritt, die hat einfach Nerven.“

Auf eine weitere Medaillenchance verzichtet Hemmer allerdings. Die Bronze-Gewinnerin wird mit Denoix am Samstag nicht in der Kür antreten. Als Grund nannte sie eine kurze Verletzungspause in dieser Saison. Deshalb sei das Paar weder bei der deutschen Meisterschaft in Balve noch beim Nationenpreis in Hagen in der Kür gestartet. Entsprechend sei das Programm nicht so vorbereitet, wie sie es sich für eine Weltmeisterschaft wünschen würde.

Erfahrung mit Hitze hilft

Auch Frederic Wandres, der mit Bluetooth auf Platz 14 landete, bewertete die Bedingungen nüchtern. „Ich würde jetzt lügen, wenn ich sage, es gibt nichts Tolleres, als bei 35 Grad hier zu schwitzen“, sagte er. Dennoch seien Pferd und Reiter Athleten. Zudem habe er mit Bluetooth mehrfach in Florida Wettkämpfe bestritten – bei ähnlichen Temperaturen und noch höherer Luftfeuchtigkeit.

Ähnlich äußerte sich Raphael Netz, der bei seinem WM-Debüt mit Camelot auf Platz zehn ritt. Aus seiner Sicht werde die Debatte um die Hitze etwas übertrieben geführt: „weil es ein ganz normaler Sommertag ist“. Zugleich lobte er die Organisation: „Vom Veranstalter aus sind hier wirklich die besten Bedingungen vorzufinden, die man sich nur vorstellen kann.“ Zudem sei es „wirklich unheimlich schön“ gewesen, in Aachen zu reiten.

Mit seinem eigenen Auftritt zeigte sich der 27-Jährige hochzufrieden: „Emotionen pur, perfekter Ritt von uns und die persönliche Bestleistung getoppt.“ Als Netz einritt, lagen die Temperaturen bei etwa 31 Grad, später kletterte das Thermometer weiter.

Veterinäre verweisen auf mehrere Faktoren

Nach Einschätzung von Wilfried Hanbücken, dem Vorsitzenden der Veterinärkommission, ist nicht allein die Temperatur entscheidend. „Die Temperatur ist nicht allein ausschlaggebend“, sagte er. Wichtig seien auch Luftfeuchtigkeit, Wind und die Art der Sonneneinstrahlung. Aus diesen Faktoren lasse sich ein Index berechnen, der die Belastung besser abbilde.

Eine Verlegung der Prüfung in die Abendstunden sei allerdings kaum realisierbar gewesen. „Das hätte ja alles auf den Kopf gestellt, das ist jetzt bei einer Weltmeisterschaft auch nicht so einfach“, erklärte Hanbücken. So konnte die Dressurentscheidung wie geplant am Freitagnachmittag live im WDR übertragen werden.

Der Tierarzt betonte außerdem, dass Pferde grundsätzlich gut mit Wärme umgehen könnten – vorausgesetzt, Trainingszustand und Gewöhnung stimmten. Pferde könnten durch Schwitzen viel Körperwärme abgeben. Hunde hätten damit deutlich größere Probleme und litten unter Hitze wesentlich stärker.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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