Triebwerksteile durchschlugen bei Ryanair-Flug den Rumpf
Nach dem schweren Zwischenfall auf einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen haben sich Teile eines defekten Triebwerks durch den Rumpf einer Boeing 737 gebohrt und einen Druckverlust in der Kabine verursacht. Das geht aus einem vorläufigen Bericht der US-Unfallermittlungsbehörde NTSB hervor. Demnach kam es kurz nach dem Start während des Steigflugs zu einem sogenannten Ausfall eines Fan-Blatts. Warum es dazu kam, ist noch nicht geklärt.
Bei dem Ereignis Anfang Juli wurde einer der 149 Menschen an Bord schwer verletzt. Laut Bericht erhielt die Besatzung in rund fünf Kilometern Höhe eine Warnmeldung wegen starker Vibrationen am rechten Triebwerk. Kurz darauf nahmen die Piloten einen lauten Knall wahr. Während sie die Lage überprüften, wurde zusätzlich ein Alarm wegen sinkenden Kabinendrucks ausgelöst. Die Crew setzte Sauerstoffmasken auf, meldete einen Notfall und leitete umgehend den Sinkflug ein.
Verletzter Passagier hing teilweise aus beschädigtem Fenster
Auch in der Kabine fielen Sauerstoffmasken herab. Ein Flugbegleiter entdeckte dabei, dass ein Passagier auf Platz 11F teilweise in einem beschädigten Fensterrahmen festhing; das eigentliche Fenster war nicht mehr vorhanden. Andere Fluggäste zogen den Mann zurück ins Flugzeug. Ein Arzt, der sich an Bord befand, übernahm anschließend die Erstversorgung. Das zerstörte Fenster wurde provisorisch mit einer Metallbox abgedeckt, bevor die Maschine nach Thessaloniki umkehrte.
An dem betroffenen Triebwerk fanden Ermittler später Vogelteile. Ob tatsächlich ein Vogelschlag Auslöser des Vorfalls war, ist jedoch offen. In den zwölf Monaten davor waren bereits vier Vogelschläge an demselben Triebwerk gemeldet worden, ohne dass dabei Schäden festgestellt worden seien. Zudem wurden Hinweise entdeckt, die auch auf Materialermüdung hindeuten könnten.
Die NTSB untersucht den Fall, nachdem die griechischen Behörden die Ermittlungen an die US-Stelle übergeben hatten. Neben dem herausgerissenen Fenster wurde auch die Außenhaut des Flugzeugs beschädigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber