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Erdbeben in Kolumbien: Hoffnung trotz Trümmern

Kaum noch Hoffnung unter den Trümmern – doch Kolumbien plant schon den Neuanfang. Was jetzt über das Land entscheidet.

14.08.2026, 17:20 Uhr

Zwischen Schutt, verdrehten Stahlträgern und Staub suchen Rettungskräfte in Kolumbien auch vier Tage nach dem schweren Erdbeben weiter nach möglichen Überlebenden. In der Millionenstadt Cali arbeiten sie sich Abschnitt für Abschnitt durch die eingestürzten Gebäude. Doch mit jeder vergehenden Stunde schwinden die Chancen, noch Menschen lebend zu finden.

Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde UNGRD ist die Zahl der Todesopfer inzwischen auf 285 gestiegen. Mehr als 3.900 Menschen wurden verletzt, 379 werden weiterhin vermisst. Insgesamt sind den Behörden zufolge über 100.000 Menschen von der Katastrophe betroffen.

Die besonders kritische Frist von 72 Stunden, in der Verschüttete erfahrungsgemäß am ehesten gerettet werden können, ist bereits überschritten. Dennoch setzen die Helfer ihre Arbeit an den Trümmern fort.

Große Solidarität nach der Katastrophe

Neben den Such- und Bergungsarbeiten richtet sich der Blick zunehmend auf Hilfe für die Betroffenen und den Wiederaufbau. Nach jüngsten Angaben sind rund 120 Gebäude eingestürzt. Aus dem In- und Ausland treffen Hilfsgüter und humanitäre Unterstützung ein.

Präsident Abelardo de la Espriella kam mit Vertretern der Bauwirtschaft zusammen, um Pläne für den Wiederaufbau vorzustellen. Ziel sei es, gemeinsam die zerstörten Regionen wieder aufzubauen, sagte er. Zehntausende Wohnungen wurden schwer beschädigt.

In Cali zeigt sich zugleich eine große Hilfsbereitschaft. Freiwillige versorgen Einsatzkräfte in den betroffenen Vierteln mit Wasser, Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen. Ein Helfer sagte, die Menschen stünden ohnehin eng zusammen – nach einer Katastrophe aber noch mehr.

Erdbeben in Kolumbien
Zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Quelle: Ivan Valencia/AP/dpa

Auch Wiliam Fernandez von der Stadtverwaltung berichtete von langen Schlangen an Freiwilligen, die sich meldeten, um Unterstützung zu leisten. Während Rettungsteams nach Vermissten suchen, übernehmen Bürger viele Aufgaben im Hintergrund, um Betroffene und Einsatzkräfte zu entlasten.

Auch Unternehmen schwer getroffen

Die wirtschaftlichen Folgen werden in Cali immer sichtbarer. So wurde etwa die Familienbäckerei "Quinta Pan" vollständig zerstört. Inhaber Oscar Aristizabal führt den Betrieb bereits in zweiter Generation; seit mehr als 30 Jahren gehört die Bäckerei der Familie.

Der ideelle Verlust sei kaum zu beziffern, sagte Aristizabal. Besonders belastend sei für ihn jedoch die Lage seiner Mitarbeiter und Zulieferer. Nach seinen Angaben hängen mehr als 130 Menschen und Unternehmen direkt oder indirekt von dem Betrieb ab. Dass seine Beschäftigten nun ohne Arbeit dastehen, schmerze ihn am meisten. Den materiellen Schaden hält er dagegen langfristig für überwindbar: Man werde sich wieder erholen.

UNGRD-Chef David Tamayo wies zudem darauf hin, dass die Einsatzkräfte des Landes gleichzeitig an weiteren Krisenherden gebraucht werden. Dazu zählen die Beobachtung des Vulkans Puracé, der am Tag des Bebens aktiv wurde, sowie die Bekämpfung von Waldbränden in den ebenfalls betroffenen Departamentos Tolima und Quindío.

Hilfe aus Europa und dem Fußball

Die Europäische Union sagte Unterstützung in Höhe von zwei Millionen Euro zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, damit sollten vor allem die am stärksten betroffenen Gemeinden unterstützt werden. Nach der Aktivierung des EU-Zivilschutzmechanismus durch Kolumbien werde die Hilfe nun an den Bedarf vor Ort angepasst.

Auch aus dem Sport kommt Unterstützung: Der südamerikanische Fußballverband Conmebol und der kolumbianische Verband FCF wollen gemeinsam eine Million US-Dollar, umgerechnet rund 860.000 Euro, für den Wiederaufbau bereitstellen. Die Conmebol erklärte, in einer Zeit von Leid und Not stehe die südamerikanische Fußballgemeinschaft solidarisch an der Seite Kolumbiens.

Kolumbien war am Montag von einem der schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten erschüttert worden. Das Beben erreichte eine Stärke von 7,4. Das Epizentrum lag nach Angaben des Kolumbianischen Geologischen Dienstes nahe San José del Palmar im Departamento Chocó. In den Tagen danach folgten zahlreiche weitere, schwächere Nachbeben. Die Regierung rief nach der Naturkatastrophe den landesweiten Notstand aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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