Fußball

WM-Alarm: Rote Karten warnen vor Sucht

WM, Live-Wetten, Gewinnversprechen: Experten warnen vor wachsender Suchtgefahr – und verteilen jetzt sogar Rote Karten in Kneipen.

11.06.2026, 05:00 Uhr

Die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) beziffert die jährlichen Verluste bei Sportwetten in Deutschland auf rund zwei Milliarden Euro. Mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft warnt die Organisation erneut davor, Sportwetten zu verharmlosen: Sie seien kein harmloser Spaß, sondern Glücksspiel mit hohem Suchtpotenzial.

90.000 Rote Karten als Warnsignal

Zur WM will die LSG in Kneipen und Gaststätten in ganz Bayern rund 90.000 Rote Karten auslegen. Gleichzeitig fordert sie, Werbung für Sportwetten deutlich stärker einzuschränken – ähnlich wie bei anderen Glücksspielangeboten. Aus Sicht der Organisation sollte Sport für Fairness, Gemeinschaft und Freude stehen und nicht als Einfallstor für Glücksspielrisiken dienen.

Suchtexperte Konrad Landgraf erklärt, Sportwetten würden von der Glücksspielindustrie gezielt und geschickt als emotionaler Teil des Sporterlebnisses inszeniert. Dadurch gerate bei vielen Menschen aus dem Blick, dass sie echtes Geld einsetzen und reale finanzielle Risiken eingehen.

Werbung für Sportwetten fast überall präsent

Vor allem im Fußball seien Wettanbieter nach Einschätzung des Experten massiv sichtbar. Ob im Fernsehen, im Internet, über Sponsorings im Profisport oder in sozialen Netzwerken: Werbung für Sportwetten sei nahezu allgegenwärtig. Das vermittle vielen Menschen den Eindruck, Wetten auf Spielergebnisse seien normal und weitgehend risikofrei. Laut Landgraf wecke diese Werbung bei vielen überhaupt erst das Interesse am Glücksspiel.

Mehr als 600 Millionen Euro für Werbung

Nach Angaben Landgrafs hat die Glücksspielindustrie im Jahr 2025 mehr als 600 Millionen Euro in Werbung investiert. Zugleich kritisiert er, dass für Präventionskampagnen im Vergleich dazu nur sehr geringe Budgets zur Verfügung stünden.

Als besonders gefährlich gelten laut dem Experten Live-Wetten, schnelle Spielzyklen und die ständige Verfügbarkeit per Smartphone. Diese Kombination fördere impulsives Verhalten und erschwere es, die Kontrolle zu behalten. Mögliche Folgen einer Abhängigkeit seien psychische Belastungen, erhebliche finanzielle Probleme bis hin zur Existenzgefährdung sowie Konflikte in der Familie.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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