Bayerische Genossenschaften steigern ihren Umsatz deutlich
Die 1.013 Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern haben sich trotz anhaltend schwieriger Wirtschaftslage robust gezeigt. Nach Angaben des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) legten die Gesamterlöse im vergangenen Jahr um 11 Prozent zu – von 17,1 Milliarden auf 19 Milliarden Euro.
Der GVB vertritt neben den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken auch zahlreiche weitere Genossenschaften. In der Kategorie Waren und Dienstleistungen bündelt der Verband alle Mitgliedsunternehmen außerhalb des Finanzsektors. Dazu zählen unter anderem Molkereien, Agrarhändler, Anbieter aus dem Arzneimittelbereich, Verkehrsunternehmen sowie Energiegenossenschaften.
Zuwächse in fast allen Sparten
Besonders stark fiel das Plus bei den 265 Handels- und Dienstleistungsgenossenschaften aus. Sie steigerten ihre Umsätze insgesamt um 13 Prozent auf fast 11 Milliarden Euro. Zu diesem Bereich gehören etwa der Pharmagroßhandel sowie Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Ein prominentes Beispiel ist der Nürnberger IT-Dienstleister Datev, der vor allem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer betreut.
Auch die 384 ländlichen Genossenschaften verzeichneten 2025 ein gutes Jahr. Vor allem hohe Preise für Milch und andere Molkereiprodukte wirkten sich positiv aus. Im Agrarbereich wuchs der Umsatz um 7,2 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro.
Energiegenossenschaften mit rückläufigen Erlösen
Weniger günstig entwickelte sich die Lage bei den 364 Energiegenossenschaften. Zwar gab es Fortschritte bei Solarprojekten und in der Wärmeerzeugung, doch andere Energieanbieter sowie Betreiber von Wind- und Wasserkraftanlagen mussten Einbußen hinnehmen. Unter dem Strich sank der Umsatz der Sparte um 1,8 Prozent auf knapp 434 Millionen Euro.
Gleichzeitig bleibt der Bereich bei den Neugründungen dynamisch. Im vergangenen Jahr traten 18 neue Energiegenossenschaften dem GVB bei. Meist handelt es sich um Zusammenschlüsse von Bürgerinnen und Bürgern, die vor Ort gemeinsam Projekte wie Windräder oder andere Energievorhaben umsetzen.
Lange Tradition in Bayern
Die Wurzeln des Genossenschaftswesens in Bayern reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals entstanden die ersten Zusammenschlüsse als Form der Selbsthilfe für Handwerker, kleinere Gewerbebetriebe und Landwirte. Weil Banken zu jener Zeit überwiegend in Städten vertreten waren, hatten Menschen auf dem Land kaum Zugang zu Krediten.
Die Mitglieder bündelten daher ihr Kapital, um günstige Darlehen vergeben zu können. Dieses Prinzip erwies sich insbesondere in ländlichen Regionen als erfolgreich. Dort sind bis heute viele Raiffeisenbanken und weitere Genossenschaften aktiv – vom Agrarhandel bis zu Winzergenossenschaften.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion