Havertz geht mit neuer Rolle in das Turnier
Für Kai Havertz sind Geburtstage in Jahren mit großen Turnieren nichts Ungewöhnliches: Gefeiert wird dann meist im Kreis der Nationalmannschaft statt mit der Familie. Doch an diesem 11. Juni in Winston-Salem ist für den in Aachen geborenen Offensivspieler einiges anders. Innerhalb des DFB-Teams hat sich seine Stellung deutlich verändert.
Der Profi des FC Arsenal gilt längst nicht mehr als vielversprechendes Talent, sondern als gestandener Spieler im besten Fußballeralter. Nach dem Gewinn der englischen Meisterschaft reist der nun 27-Jährige mit großem Selbstbewusstsein an. Für Sportdirektor Rudi Völler ist er inzwischen klar ein Führungsspieler.
Viel Lob von Völler, Nagelsmann und Kimmich
Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann findet nur positive Worte und beschreibt Havertz als großartigen Menschen und herausragenden Fußballer. Kapitän Joshua Kimmich betont ebenfalls, wie wichtig Havertz für die Mannschaft ist, und meint, dass dessen Leistungen in Deutschland lange zu wenig gewürdigt worden seien.
Dieses Etikett des Unterschätzten soll der Vergangenheit angehören. Bei seinem vierten großen Turnier soll Havertz zu einer Schlüsselfigur im deutschen Angriff werden — beginnend mit dem Auftaktspiel am Sonntag in Houston gegen Curaçao.
Seine Aufgabe im Team umschreibt Havertz selbst eher nüchtern. Große Ansprachen seien nicht sein Stil, sagt er, stattdessen wolle er auf dem Platz vorangehen. Ob als zentrale Spitze, etwas dahinter oder von außen kommend, sei für ihn zweitrangig. Entscheidend sei, was die Mannschaft gerade brauche.

Im Sturmzentrum wieder die erste Wahl
Vor der Endrunde wurde zwar kurz darüber diskutiert, wer im Angriff die Nummer eins ist — Havertz, Deniz Undav oder Nick Woltemade. Diese Debatte verlor aber schnell an Fahrt. Zwar hatte Havertz wegen mehrerer Verletzungen lange gefehlt, doch nach seinem Comeback im März zeigte er sofort wieder seine Klasse. Beim 2:1 gegen Ghana traf er ebenso wie beim 2:1 gegen die USA in Chicago.
Mit 58 Länderspielen und 22 Treffern bringt er eine starke Bilanz mit. Zudem hat er sich den Ruf erarbeitet, in großen Momenten zu liefern. Im Champions-League-Finale 2021 schoss er Chelsea gegen Manchester City zum Titel. Auch im verlorenen Endspiel mit Arsenal gegen Paris Saint-Germain erzielte er zunächst die Führung für die Londoner.
Wie bedeutend Havertz für die Nationalmannschaft ist, machte Völler in Winston-Salem deutlich. Er gab zu, dass man sich über dessen Treffer im Finale gefreut habe, zugleich aber auch erleichtert gewesen sei, als er ausgewechselt wurde — aus Sorge, er könne sich in der Verlängerung erneut verletzen.
Konkurrenzkampf ohne Unruhe
Wenn Deutschland bei der WM weit kommen will, gehört Havertz zu den Spielern, auf die kaum verzichtet werden kann. Dennoch dürfte Nagelsmann ihn angesichts der Hitze und der körperlichen Belastung in den USA nicht in jeder Partie über die volle Distanz schicken. Mit Undav als Joker und Woltemade als treffsicherem Mann aus der Qualifikation gibt es zusätzliche Optionen für den Angriff.
Havertz selbst sieht den Konkurrenzkampf gelassen. Er rechnet nicht mit Unruhe oder Problemen, weil jeder im Kader für den anderen da sei.
Nagelsmann hatte schon bei der Nominierung ausführlich beschrieben, was Havertz auszeichnet: Tempo, Kreativität, Offensivdrang, aber auch defensive Zuverlässigkeit und großen Einsatz in beide Richtungen. Aus Sicht des Bundestrainers bringt er alles mit, was ein Top-Stürmer für dieses Team braucht.
Hohe Wertschätzung und erste Wahl vom Punkt
Bei der EM 2021 sowie bei den Weltmeisterschaften 2022 und 2024 erzielte Havertz jeweils zwei Tore. Der ganz große Treffer, der dauerhaft in Erinnerung bleibt, fehlt im DFB-Trikot zwar noch. Dennoch ist die Anerkennung innerhalb der Mannschaft enorm.
Kimmich bezeichnet ihn als enorm wichtig, weil er ein außergewöhnlich komplettes Profil mitbringe. Auch David Raum hebt hervor, wie talentiert Havertz sei und wie verlässlich er in wichtigen Spielen treffe. Seine Form sei derzeit hervorragend.
Hinzu kommt: Havertz ist aktuell Deutschlands erster Elfmeterschütze — noch vor Kimmich. Vier seiner fünf Strafstöße verwandelte er, nur sein erster Versuch 2023 gegen Peru landete am Pfosten. Deshalb sagte Völler mit einem Augenzwinkern, dass man Havertz in einer möglichen nächsten Verlängerung auf jeden Fall noch auf dem Feld brauchen könne.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion