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Wahlkrimi! Umstrittener Eliasch verliert Fis-Macht

Sturz an der Fis-Spitze: Johan Eliasch muss gehen – und die Wahl in Belgrad endet in einem echten Thriller.

11.06.2026, 12:00 Uhr

Eliasch verliert Fis-Präsidentschaft hauchdünn an Ospelt – DSV hofft auf Neuanfang

Johan Eliasch ist nicht länger Präsident des internationalen Ski- und Snowboard-Verbands Fis. Beim Kongress in Belgrad unterlag der umstrittene Funktionär in einer denkbar knappen Abstimmung dem Liechtensteiner Alexander Ospelt. Eliasch kam auf 64 Stimmen, Ospelt erhielt 65 und übernimmt das Amt für die kommenden vier Jahre.

Beim Deutschen Skiverband wurde das Ergebnis mit großer Erleichterung aufgenommen. DSV-Kommunikationsvorstand Stefan Schwarzbach sprach vom Ende eines „jahrelangen Alptraums“. Der Vorsprung von nur einer Stimme zeige, wie viel auf dem Spiel gestanden habe und wie intensiv in den vergangenen Wochen und Monaten für einen Wechsel gearbeitet worden sei.

Aus Sicht des DSV eröffnet der Machtwechsel die Chance, dass die Fis wieder stärker den Sport und die Interessen ihrer Mitgliedsverbände in den Mittelpunkt rückt. Schwarzbach sprach von der Möglichkeit eines echten Neuanfangs. Die vergangenen Jahre seien von Stillstand geprägt gewesen, in einzelnen Bereichen sogar von Rückschritten. Die Folgen dieser Entwicklung werde der Verband wohl noch länger spüren. Zugleich betonte er, der Tag sei „kein Tag des Triumphs über andere“, sondern vor allem ein Tag der Erleichterung und der Zuversicht.

Der schwedisch-britische Multimilliardär Eliasch zählt seit Jahren zu den umstrittensten Figuren im Skisport. Vor der Wahl war er wegen seines Führungsstils, strittiger Vermarktungsideen und der angespannten finanziellen Lage des Verbands massiv kritisiert worden. Um erneut kandidieren zu können, hatte er sich kurzfristig sogar die georgische Staatsbürgerschaft besorgt.

Nach seiner Niederlage gab sich Eliasch demonstrativ gelassen. Er sprach von einer „Win-win-Situation“: Entweder hätte er die Wahl gewonnen oder mehr Zeit für sein Privatleben zurückbekommen. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen das Internationale Olympische Komitee. Nach seinen Angaben habe es zahlreiche Hinweise gegeben, dass das IOC versucht habe, Einfluss auf den Ausgang der Wahl zu nehmen. Dagegen müsse sich die Fis als unabhängige Organisation wehren, sagte er.

Wahlverfahren kurzfristig geändert

Die Abstimmung über das Spitzenamt wurde während des Kongresses überraschend vorgezogen, nachdem ein Mitglied einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Außerdem entschieden die Delegierten kurzfristig, nicht elektronisch, sondern mit Stimmzetteln zu wählen.

Eliasch war 2021 Nachfolger von Gian Franco Kasper geworden, der den Weltverband mehr als zwei Jahrzehnte geführt hatte. Der gebürtige Schwede und Chef des Sportartikelherstellers Head war mit Reformversprechen angetreten und hatte zusätzliche Einnahmen für die Fis und ihre nationalen Verbände in Aussicht gestellt. 2022 war er noch ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt worden. Damals scheiterten wichtige Ski-Nationen wie Deutschland, Österreich und die Schweiz noch mit dem Versuch, ihn abzuwählen.

Hoffnung auf Klarheit bei Oberstdorf

Für zusätzlichen Unmut sorgte beim Kongress eine weitere Personalie beziehungsweise Entscheidung aus dem Fis-Umfeld: Anders als erwartet fiel zunächst noch kein Beschluss darüber, ob Oberstdorf 2031 die Weltmeisterschaften im Skispringen, Langlauf und in der Nordischen Kombination ausrichten darf. Als überraschend mitgeteilt wurde, dass die Entscheidung vertagt werde, gab es Buhrufe und Pfiffe.

Beim DSV stieß das auf Unverständnis. Nach dem Führungswechsel verbindet der Verband nun auch mit dieser Frage die Hoffnung auf Bewegung. Schwarzbach sagte, man wünsche sich nun möglichst rasch Klarheit. Die Art und Weise, wie am Vortag offenbar versucht worden sei, Einfluss auf den Entscheidungsprozess zu nehmen, habe viele irritiert und könnte den Wunsch nach einem Wechsel an der Fis-Spitze zusätzlich verstärkt haben.

Kritik von Funktionären und Athleten

In den vergangenen Jahren wuchs der Widerstand gegen Eliasch deutlich. Kritiker beschrieben seinen Führungsstil als autokratisch. Mehrere Verbandsvertreter warnten zudem, die Fis sei unter seiner Leitung wirtschaftlich in Schieflage geraten.

Auch unter den Athletinnen und Athleten nahm die Unzufriedenheit zu. Prominente Namen wie Mikaela Shiffrin, Marco Odermatt und Lucas Pinheiro Braathen beklagten mangelnde Transparenz und warfen Eliasch vor, zu eigennützig zu handeln. Sie machten sich offen für einen Wechsel an der Spitze des Weltverbands stark.

Selbst in Schweden und Großbritannien, also in den beiden Ländern, deren Staatsbürgerschaft Eliasch ursprünglich besaß, verlor er zuletzt den Rückhalt. Keiner der beiden nationalen Verbände nominierte ihn für eine weitere Amtszeit. Um dennoch antreten zu können, nahm er kurzfristig die georgische Staatsbürgerschaft an. Auf seine Verbindung zu dem Land angesprochen, sagte Eliasch vor der Wahl, er sei bereits dort gewesen und möge Georgien sehr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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