Fußball

Mexiko vor dem WM-Start: Droht jetzt das große Chaos?

XXL-WM startet im Aztekenstadion: Kann Mexiko gegen Südafrika den Traumstart liefern – trotz Protesten und Unwetteralarm?

10.06.2026, 09:59 Uhr

Angespannte Lage vor WM-Eröffnung in Mexiko-Stadt

Der Startschuss zur bislang größten Fußball-Weltmeisterschaft soll eigentlich ein rauschendes Fest werden: mit La Ola, Mariachi-Klängen, mexikanischer Feierlaune und großen Worten des Trainers des Mitgastgebers. Doch vor dem Auftaktspiel Mexikos gegen Südafrika am Donnerstag im legendären Aztekenstadion wirkt die Hauptstadt vor allem wie ein Krisengebiet.

Sicherheitsalarm und Staus

Rund um die Arena im Süden von Mexiko-Stadt sind zahlreiche schwer bewaffnete Einsatzkräfte von Polizei und Nationalgarde im Einsatz. Zuvor sichergestellte Sprengsätze im Umfeld protestierender Lehrer, Absperrungen in der Altstadt und massive Verkehrsprobleme sorgen für zusätzliche Unruhe. Dazu kommt die Sorge vor schlechtem Wetter zum Turnierbeginn. Die Zeitung Esto stellte deshalb bereits die Frage, ob die Eröffnung der WM 2026 gefährdet sein könnte.

Von echter Vorfreude ist bislang nur wenig zu spüren. Die Bilder aus der Metropole vermitteln eher Anspannung als Fußballbegeisterung. Für Mexiko ist es bereits das dritte Mal, dass eine WM dort eröffnet wird. 1970 und 1986 war das Land noch alleiniger Gastgeber, diesmal richtet es das Turnier gemeinsam mit den USA und Kanada aus.

Mexikos Nationaltrainer Javier Aguirre betonte dennoch, das Land wolle die beste Weltmeisterschaft seiner Geschichte präsentieren. Die ausgelassene Euphorie, die 1986 auch den weltweiten Siegeszug der "La Ola" mitprägte, lässt bisher aber noch auf sich warten.

Präsidentin stärkt dem Team den Rücken

Präsidentin Claudia Sheinbaum wandte sich vor dem Turnier persönlich an die Nationalmannschaft. Die teils heftigen Proteste von Lehrern bezeichnete sie als Provokation und versicherte, dass das Spiel auf jeden Fall ausgetragen werde. Nur zwei Tage vor dem Anpfiff verschärfte sich die Lage jedoch erneut, als Demonstranten Zufahrten blockierten. Daraufhin wurde eine wichtige Straße in Richtung Aztekenstadion schon mehrere Kilometer vorher gesperrt.

Fußball-WM 2026 - Mexiko
Die Präsidentin schwört «El Tri», wie Mexikos Nationalmannschaft genannt wird, noch mal ein. Quelle: -/Mexico's Presidency via XinHua/dpa

Wie sehr diese aufgeheizte Situation den Ablauf am Donnerstag beeinflussen könnte, bleibt offen. Bereits 90 Minuten vor Spielbeginn soll die Eröffnungsfeier starten, bei der unter anderem Shakira auftreten wird. Auch für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist das Turnier ein Prestigeprojekt: 48 Teams, 104 Spiele, drei Gastgeberländer – und mit dem Auftakt in Mexiko-Stadt wird bereits das 20. WM-Spiel im Aztekenstadion angepfiffen.

Mexiko unter besonderem Druck

Das Aztekenstadion gilt als einer der großen Fußballtempel der Welt. Hinzu kommt die Höhenlage von mehr als 2200 Metern, die besondere Anforderungen an die Spieler stellt. Südafrika bereitete sich deshalb im noch höher gelegenen Pachuca gezielt auf die dünne Luft vor. Trainer Hugo Broos sieht den größeren Erwartungsdruck klar bei den Gastgebern.

Für den 74-Jährigen ist die Partie dennoch etwas Besonderes. Vor 40 Jahren stand er als Spieler Belgiens selbst in Mexiko auf dem Platz. Auch Aguirre verbindet viel mit diesem Schauplatz: Der heutige Nationaltrainer spielte 1986 bei der Heim-WM für Mexiko.

Beide Teams eint vor allem ein Ziel: mit einem Sieg ideal ins Turnier zu starten. Neben Mexiko und Südafrika gehören auch Tschechien und Südkorea zur Gruppe A. Broos machte deutlich, wie wichtig drei Punkte zum Auftakt wären, weil sie angesichts des neuen Modus fast schon den Weg in die K.-o.-Runde ebnen könnten. Durch die Erweiterung von 32 auf 48 Mannschaften schaffen nun deutlich mehr Teams den Sprung in die nächste Phase.

Fragezeichen um Ochoa

Mexiko erreichte bei den Heim-Weltmeisterschaften 1970 und 1986 jeweils das Viertelfinale. Darüber hinaus überstand das Team in fast fünf Jahrzehnten bei jeder WM-Teilnahme die Gruppenphase – mit Ausnahme des jüngsten Turniers in Katar. Ein überzeugendes 5:1 im Testspiel gegen Serbien hat die Hoffnungen im Land zuletzt zusätzlich befeuert.

Unklar ist jedoch noch, ob Torwart-Ikone Guillermo Ochoa im Eröffnungsspiel zwischen den Pfosten stehen wird. Der Keeper wird bald 41 Jahre alt und könnte seine sechste Weltmeisterschaft bestreiten. Aguirre hält sich in dieser Personalfrage weiter bedeckt. Insgesamt setzt er in seinem Aufgebot auf eine Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Spielern.

Südafrika will ein neues Kapitel schreiben

Südafrika ist nach 16 Jahren zurück auf der WM-Bühne. Nach dem Heimturnier 2010 hatte sich die Bafana Bafana nicht mehr für eine Endrunde qualifizieren können. In der Zeitung The Citizen war deshalb schon davon die Rede, dass das Turnier die Chance biete, Geschichte neu zu schreiben.

Die mit einem Tag Verspätung erfolgte Anreise wegen teils noch fehlender Visa und der Ärger des Sportministers darüber sollen nun keine Rolle mehr spielen. Stattdessen richtet sich der Fokus ganz auf die sportliche Aufgabe.

Wer nach dem ersten Spiel dieser WM sofort unter Druck geraten wird, muss sich erst zeigen. Abseits des Rasens ist die Stimmung in Mexiko-Stadt aber schon seit Tagen äußerst angespannt. Lehrer demonstrieren gegen Rentenreformen, auch Transportarbeiter und Bauern drohen mit Blockaden. Zudem wollen Angehörige von Vermissten die weltweite Aufmerksamkeit des Turniers nutzen, um auf die rund 130.000 verschwundenen Menschen in Mexiko aufmerksam zu machen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen