Fußball

Schlotterbeck raus: Jetzt muss ausgerechnet Rüdiger liefern

Erst nur Ersatzmann – jetzt plötzlich unverzichtbar: Warum Antonio Rüdiger bei der WM auf einmal wieder im Mittelpunkt steht.

23.06.2026, 09:58 Uhr

Antonio Rüdiger zeigte schon abseits des Platzes, dass er Verantwortung übernimmt. Nach dem Rückflug aus Toronto half der Innenverteidiger seinem verletzten Teamkollegen Nico Schlotterbeck bei der Ankunft in Winston-Salem und trug dessen zweijährigen Sohn die Flugzeugtreppe hinunter.

Auf dem blauen DFB-Trikot des Kindes stand über der Nummer 15 groß „PAPA“. In eben diesen blauen Trikots wird die deutsche Mannschaft am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador erstmals bei dieser WM antreten. Nach dem verletzungsbedingten Aus von Schlotterbeck dürfte dann Rüdiger in der Startelf stehen und im Stadion von East Rutherford dessen Platz übernehmen.

Plötzlich wieder im Mittelpunkt

Vor dem Turnier war Rüdiger in der Hierarchie der Innenverteidiger zunächst nur die dritte Option hinter Jonathan Tah und Schlotterbeck. Durch den Ausfall des Dortmunder Abwehrspielers rückt der Profi von Real Madrid nun aber abrupt in den Fokus.

Der erfahrene Nationalspieler hatte nach dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste bereits angedeutet, dass sich seine Rolle schnell ändern könnte. In Toronto sagte er, er müsse auf jede mögliche Situation vorbereitet sein. Schon in dieser Partie war er in der zweiten Halbzeit für Schlotterbeck gekommen. Die Zeit als Reservist dürfte damit vorerst beendet sein.

Rückendeckung vom Bundestrainer

Natürlich wiegt der Verlust von Schlotterbeck schwer, doch Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich nach Rüdigers 45-Minuten-Einsatz gegen die Ivorer ausdrücklich positiv. Er lobte dessen Konzentration und hob hervor, dass es nicht einfach sei, ohne regelmäßigen Spielrhythmus so sauber in ein Match zu finden.

WM 2026 - Deutschland - Elfenbeinküste
Plötzlich wieder mittendrin und im Fokus: Antonio Rüdiger (Nr. 2) während einer Trinkpause gegen die Elfenbeinküste. Quelle: Christian Charisius/dpa

Nun geht es für Rüdiger darum, möglichst schnell wieder voll in den Turniermodus zu kommen. Beim Training der Reservespieler absolvierte er intensive Laufeinheiten. Dass die Rolle auf der Bank für einen langjährigen Stammspieler schwierig ist, hatte der Vize-Kapitän selbst eingeräumt. Seine Degradierung nahm er jedoch ohne Klagen hin und gönnte Tah und Schlotterbeck ihre Einsätze.

Über Tah sprach Rüdiger sogar mit großer Anerkennung und bezeichnete ihn als den neuen Chef der Defensive. Tah zeigte sich davon beeindruckt und betonte, ein Lob von Rüdiger habe besonderes Gewicht, wenn man dessen Karriere und Erfolge betrachte.

Wichtige Achse für die Defensive

Wenn Deutschland bei dieser WM weit kommen will, wird es besonders auf das Zusammenspiel von Tah und Rüdiger ankommen. Beide sollen nun das neue Abwehrzentrum bilden. Für Rüdiger selbst ist das Turnier von besonderer Bedeutung, denn vieles spricht dafür, dass es seine letzte Weltmeisterschaft sein wird. Bei der Endrunde 2030 wäre er bereits 37 Jahre alt.

Der 84-malige Nationalspieler gehörte 2017 zum jungen deutschen Team, das in Russland den Confederations Cup gewann. Die großen Turniere danach verliefen für ihn allerdings enttäuschend: Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022, das Aus im EM-Achtelfinale 2021 sowie das Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024. Umso wichtiger ist für ihn der gelungene Auftakt bei dieser WM. Rüdiger betonte, der Start ins Turnier sei sehr gut gewesen, gerade mit Blick auf die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit.

Ein Spieler, der polarisiert

In den kommenden Spielen wird besonders genau auf Rüdiger geschaut werden. Der Abwehrspieler weiß, dass er ähnlich wie sein Freund Leroy Sané polarisiert. Nach mehreren umstrittenen Szenen haftet ihm in der öffentlichen Wahrnehmung ein negatives Image an. Er selbst kann nach eigenen Worten nicht wirklich nachvollziehen, warum das so ist.

Vor allem in den sozialen Medien sei er oft die Zielscheibe, sagte Rüdiger. Inzwischen nehme er das gelassen hin. Wichtiger sei ihm die reale Welt. Mit seriöser Kritik könne er gut umgehen, diese sei jederzeit willkommen.

Vielleicht erklärt das auch seine enge Verbindung zu Sané, der ebenfalls häufig hart kritisiert wird. In den USA wirken beide jedenfalls sehr gelöst und gut gelaunt. Das zeigt sich etwa, wenn Sané am Steuer eines Golfcarts sitzt und Rüdiger daneben auf dem Weg zum Trainingsplatz mitfährt.

Kimmichs Unterstützung

Innerhalb der Mannschaft genießt Rüdiger großes Ansehen. Joshua Kimmich hatte bereits im März daran erinnert, wie konstant stark der Verteidiger in den vergangenen Jahren gespielt habe. Vor allem seine Rolle und seine Leistungen bei Real Madrid würden in Deutschland aus Kimmichs Sicht manchmal unterschätzt.

Rüdiger gewann 2021 mit dem FC Chelsea und 2024 mit Real Madrid die Champions League. Solche Erfolge bringen im deutschen Kader nur wenige Spieler mit. Nun soll er den verletzten Schlotterbeck ersetzen, der Mannschaft Stabilität geben und mithelfen, Deutschlands Traum vom WM-Titel am Leben zu halten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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