Frankreich trotzt Unwetter-Chaos und zieht vorzeitig ins Achtelfinale ein
Erst Regenchaos, dann eine lange Zwangspause und am Ende doch der erwartete Sieger: Frankreich hat bei der Fußball-WM auch sein zweites Gruppenspiel gewonnen und mit dem 3:0 (1:0) gegen den Irak vorzeitig die K.o.-Runde erreicht. Matchwinner war erneut Kylian Mbappé, der mit zwei Treffern den französischen Traum vom dritten WM-Titel weiter befeuert.
Der Angreifer von Real Madrid traf in der 14. und 54. Minute und kommt nach seinem 100. Länderspiel nun auf 16 WM-Tore. Damit zog er mit Miroslav Klose gleich. Den Bestwert hält derzeit Lionel Messi, der wenige Stunden zuvor auf 18 Treffer erhöht hatte. Wie schon beim Auftaktsieg gegen Senegal gelang Mbappé damit ein Doppelpack.
Vor 68.324 Zuschauern sorgte Weltfußballer Ousmane Dembélé in der 66. Minute für den Endstand. Bayern-Profi Michael Olise bereitete zwei Tore vor und gehörte zu den auffälligsten Franzosen.
"Man hat gesehen, dass wir Qualität haben. Das dritte Tor könnte entscheidend sein für die Tabelle", sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps. Die zweite Halbzeit nach der langen Unterbrechung bezeichnete er als Neustart: "Wir haben uns lange unterstellen müssen."
Gewitter legt das Spiel lahm
Überschattet wurde die Partie von heftigen Unwettern rund um das Stadion. Direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden die Fans per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, die Tribünen zu verlassen. "Ein heftiges Gewitter naht. Suchen Sie bitte Schutz", hieß es von den Veranstaltern.
Insgesamt war die Partie inklusive der Halbzeitpause mehr als zwei Stunden unterbrochen. Helfer mussten zwischenzeitlich den vom Regen stark in Mitleidenschaft gezogenen Rasen von den Wassermassen befreien. Auffällig: Eine Trinkpause in der zweiten Hälfte gab es diesmal nicht mehr – das war bei diesem Turnier bislang einmalig.
In den USA richten sich Veranstalter bei solchen Wetterlagen nach den Empfehlungen der nationalen Wetter- und Ozeanografiebehörde. Diese rät dazu, Außenveranstaltungen für mindestens 30 Minuten zu stoppen, sobald in einem Umkreis von etwa 13 Kilometern ein Blitz registriert wird. Jeder weitere Blitz setzt diese Frist erneut zurück.
Arnold wusste, was auf sein Team zukommt
Für den Irak war allerdings nicht nur das Wetter das Problem, sondern vor allem Mbappé. Trainer Graham Arnold wusste genau, was seine Mannschaft erwartet. Schon bei der WM 2022 hatte er als Australiens Nationalcoach eine Niederlage gegen Frankreich erlebt – beim 1:4 in Katar traf Mbappé ebenfalls.
Vor dem Spiel hatte Arnold mit Blick auf die französische Offensivreihe noch gescherzt: "Ich habe gefragt, ob wir mit drei Torhütern spielen können, aber sie haben nein gesagt."
Dabei hätte womöglich schon ein stärkerer Auftritt von Ahmed Basil genügt, um den frühen Rückstand zu verhindern. Der für den zuletzt schwachen Jalal Hassan ins Tor gerückte Keeper sah beim ersten Treffer nicht gut aus und hätte den halbhohen Schlenzer von Mbappé wohl abwehren können. Es blieb zunächst die einzige klare Chance der Franzosen vor der Pause. Insgesamt wirkte der Favorit in der ersten Halbzeit ideenarm. Der Irak kam selbst zu keiner echten Möglichkeit, spielte aber mutig mit.
Mbappé nutzt irakisches Geschenk
Nach der langen Unterbrechung trat Frankreich deutlich entschlossener auf. Die Mannschaft kam aggressiv aus der Kabine und suchte konsequenter den Weg nach vorne. Beim 2:0 profitierte Mbappé von einem schweren Fehler des Gegners: Zaid Tahseen brachte bei einem Abstoß nicht einmal den Pass zum eigenen Torhüter an. Dembélé reagierte sofort, legte quer – und Mbappé musste nur noch einschieben.
Später belohnte sich Dembélé selbst und traf nach erneuter Vorarbeit von Olise zum Endstand. Für den Irak sind die Chancen auf das Weiterkommen bei der ersten WM-Teilnahme seit 40 Jahren damit nur noch minimal. Im letzten Gruppenspiel kann der Asienmeister von 2007 aber immerhin noch den ersten WM-Punkt seiner Geschichte holen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber