Fußball

Neuer kontert Schuldfrage nach Ecuadors Siegtreffer

Neuer ist zurück im DFB-Tor – doch bei der WM wackelt er. Ausgerechnet eine Szene gegen Ecuador sorgt jetzt für heftigen Streit.

26.06.2026, 05:43 Uhr

Manuel Neuer hat jede Mitschuld am entscheidenden Gegentor bei der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador entschieden zurückgewiesen. Auf die Frage, ob er beim Treffer von Gonzalo Plata in der 77. Minute einen Fehler gemacht habe, reagierte der Rekordnationaltorhüter ungewohnt scharf und knapp: „Auf keinen Fall.“

Im WM-Endspielstadion von East Rutherford stellte sich Neuer nach der Partie kritischen Nachfragen und erklärte die Szene ausführlich. Plata hatte den Ball über beziehungsweise vor die bereits hochgenommenen Arme des Keepers hinweg zum Siegtreffer ins Tor gespitzelt. Der 40-Jährige betonte, dass seine Positionierung aus Torhütersicht zwingend gewesen sei.

„Jeder Torwart, der schon einmal gespielt hat, weiß, dass ich mich so zu dem Ball hinstellen muss“, sagte Neuer. Entscheidungen müssten in solchen Momenten in „Millisekunden“ fallen. Er verglich die Aktion mit einem Zweikampf, in dem ein Spieler den Ball nur um eine Fußspitze früher erreicht als der andere. Sein Blick habe auf der Fortsetzung der Szene und auf dem Geschehen vor ihm gelegen.

Reizbare Reaktion nach Reporterfragen

Auffällig war dabei weniger nur der Inhalt als auch der Tonfall. Neuer wirkte bei den Nachfragen zu einem möglichen Torwartfehler genervt und wenig souverän, ließ sich auf einen längeren Monolog über Details des Torwartspiels ein und blaffte bei einer Nachfrage sogar zurück.

Nur kurze Zeit später zeigte sich ein ganz anderes Bild: Nach der Landung in Winston-Salem trug Neuer seinen schlafenden Sohn Luca behutsam die Gangway hinunter. Schon in East Rutherford hatte er den Kleinen gut gelaunt im Stadionumfeld auf dem Arm getragen. Die Familienbilder standen in deutlichem Kontrast zu seinem angespannten Auftritt im Interviewbereich.

Diskussionen nach dem vierten Gegentor

Für Neuer war es im dritten Spiel dieser XXL-WM bereits das vierte Gegentor. Zwar war es die erste Szene im Turnier, in der er sichtbar unglücklich wirkte, dennoch wurden nach der Niederlage im abschließenden Gruppenspiel sofort grundsätzliche Fragen lauter.

Der Torwart war zwei Jahre nach seinem Rücktritt aus dem DFB-Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann zurück in die Nationalmannschaft geholt worden. Oliver Baumann, zuvor die Nummer eins, sitzt seitdem nur noch auf der Bank. Entsprechend wird nun wieder diskutiert, ob die Rückholaktion wirklich nötig war und ob Baumann nicht ein ähnliches Niveau hätte bringen können.

Auch die körperliche Verfassung des Keepers war vor dem Turnier ein Thema. Wegen einer muskulären Verhärtung in der Wade seit Mitte Mai hatte er die letzten beiden WM-Testspiele verpasst. Zum Auftakt gegen Curaçao meldete er sich zwar einsatzbereit, blieb beim 7:1 aber ebenso wenig ohne Gegentor wie beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste und nun gegen Ecuador.

Hinzu kommt, dass Neuer ohne längere Einspielphase ins DFB-Tor zurückkehrte. Auch in München war in der vergangenen Saison wegen wiederkehrender muskulärer Probleme immer wieder über seinen Zustand diskutiert worden. Mit 40 Jahren, so der Tenor der Debatte, stehen zwangsläufig auch Fragen nach Tempo, Beweglichkeit und Timing im Raum.

Wo bleibt der typische Neuer-Moment?

Die aktuelle Diskussion speist sich auch aus der Erwartung, dass Neuer dem Team mit seiner Erfahrung und Ausstrahlung besondere Momente geben soll. Genau dieser prägende Auftritt ist bei dieser WM bislang ausgeblieben. Nagelsmann sprach davon, dass es für seinen Torwart „extrem ärgerlich“ sei, ausgerechnet bei der spielentscheidenden Szene nicht mehr eingreifen zu können. Die Abschlüsse auf sein Tor seien insgesamt unangenehm gewesen.

Nicht einmal die Abstimmung mit Abwehrchef Jonathan Tah wirkte bei der entscheidenden Szene perfekt. Tah verwies jedoch darauf, dass mehrere deutsche Spieler im Strafraum gewesen seien und man als Mannschaft womöglich einen Schritt schneller hätte reagieren können. Das Gegentor dürfe deshalb nicht überbewertet werden.

Rückendeckung von Trainer und Mitspielern

Trotz seines durchwachsenen 127. Länderspiels und 22. WM-Einsatzes erhielt Neuer Rückendeckung vom Bundestrainer und aus der Mannschaft. Nagelsmann nannte die Situation für seinen Keeper „extrem undankbar“ und betonte, dass Deutschland diese Aktion insgesamt besser verteidigen müsse.

Auch Jonathan Tah nahm den Torwart in Schutz. Der Abwehrchef sagte, am Ende seien alle in der Box gewesen und hätten die Szene womöglich schneller lösen können.

Joshua Kimmich zeigte sich ebenfalls irritiert über die Debatte. Der DFB-Kapitän reagierte auf entsprechende Fragen zunächst fast erstaunt und ließ erkennen, dass Zweifel an Neuer in der Mannschaft derzeit kein Thema sein sollen.

Neuer blickt auf die K.-o.-Runde

Vor der ersten K.-o.-Runde will sich Neuer von der Diskussion nicht verrückt machen lassen. Er formulierte sogar eine eigene These für den weiteren Turnierverlauf: Je stärker und je vertrauter die kommenden Gegner seien, desto eher könne ihm das helfen.

Nach seiner Einschätzung ist es für ihn als Torwart leichter, wenn er Mannschaften und Spieler aus dem internationalen Spitzenfußball gut kennt und dadurch besser einschätzen kann, was auf ihn zukommt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen