Wissen

Unglaublich: Nasa will verlorene Satelliten retten

20 Jahre im All, jetzt droht der Absturz: Kann eine riskante Nasa-Rettungsmission den wichtigen Satelliten noch retten?

26.06.2026, 09:15 Uhr

Nasa plant Rettungsmission für Forschungssatelliten „Swift“ nun für Dienstag

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will den Forschungssatelliten „Swift“ mit einer kurzfristig angesetzten und nach eigenen Angaben beispiellosen Rettungsmission vor dem Absturz bewahren. Dafür soll am Dienstag, 30. Juni, von einem Atoll der Marshallinseln im Südpazifik aus ein spezielles Schlepp-Raumschiff starten. Zum Einsatz kommen dabei ein „Stargazer“-Trägerflugzeug und eine „Pegasus“-Rakete. Die Nasa betonte allerdings, dass sich der Start erneut kurzfristig verschieben könnte.

Der Satellit „Swift“ war bereits 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ins All gebracht worden. Das Observatorium ist mit drei Teleskopen ausgerüstet und untersucht seitdem vor allem Gammablitze – also extrem energiereiche Ausbrüche im Universum. Zu Ehren des 2017 gestorbenen Chefwissenschaftlers der Mission trägt es auch den Namen „Neil Gehrels Swift Observatory“.

„Swift“ spielt zentrale Rolle in der Nasa-Strategie

Nach Angaben der Nasa war die Mission so erfolgreich, dass das Observatorium inzwischen eine zentrale Rolle in der Nasa-Strategie zur Erforschung flüchtiger und unvorhersehbarer Veränderungen am Himmel einnimmt. Deshalb wurde die ursprünglich nur auf rund zwei Jahre angelegte Mission immer wieder verlängert. An dem Projekt sind neben den USA auch Italien und Großbritannien beteiligt. Technisch befindet sich „Swift“ den Angaben zufolge weiterhin grundsätzlich in einem guten Zustand.

Trotzdem ist der Satellit zuletzt in Gefahr geraten. Unter anderem wegen starker geomagnetischer Stürme, die durch Sonnenausbrüche ausgelöst wurden, hat sich seine Umlaufbahn so verändert, dass Fachleute einen Absturz wahrscheinlich gegen Ende des Sommers erwarten, falls nicht eingegriffen wird.

Nasa-Manager Shawn Domagal-Goldman machte deutlich, warum die Behörde handeln will: Für ein gewöhnliches Raumfahrzeug wäre ein kontrolliertes Ende der Umlaufbahn hinnehmbar. Bei „Swift“ sei das jedoch anders, weil das Observatorium über einzigartige Fähigkeiten für die Astrophysik verfüge. Gerade deshalb habe sich die Nasa entschieden, den Satelliten diesmal zu retten.

Rettungs-Raumschiff in nur neun Monaten startklar gemacht

Bereits im September erhielt das US-Unternehmen Katalyst Space den Auftrag für die Rettungsmission. Das Budget liegt bei rund 30 Millionen Dollar (etwa 26 Millionen Euro). Die Firma entwickelte, baute und lieferte das etwa 400 Kilogramm schwere Raumschiff „Link“ innerhalb von nur rund neun Monaten.

„Link“ ist mit drei Roboterarmen, drei Haupttriebwerken und zahlreichen weiteren Systemen ausgestattet. Nach dem Start soll das Fahrzeug zunächst mehrere Tests im All absolvieren, sich anschließend dem „Swift“-Observatorium annähern und dessen Umlaufbahn über mehrere Monate hinweg wieder auf die ursprüngliche Höhe anheben.

Wenn alles wie geplant verläuft, könnte der derzeit im Energiesparmodus arbeitende Satellit ab Herbst wieder wissenschaftliche Daten liefern – nach Einschätzung von Forschern womöglich noch fünf Jahre oder länger. Das Rettungsraumschiff „Link“ selbst soll nach Abschluss seiner Aufgabe in die Erdatmosphäre eintreten und dort verglühen.

Erfolg der Mission ist nicht sicher

Ob die Rettungsaktion gelingt, ist allerdings offen. Kieran Wilson von Katalyst Space bezeichnete den Einsatz als herausfordernd und riskant. Selbst Raumfahrzeuge, die deutlich länger entwickelt und mit wesentlich mehr Geld finanziert worden seien, seien mitunter schon an banalen Problemen gescheitert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen