Südafrika schafft erstmals den Sprung in die K.-o.-Runde
Südafrika hat bei seiner vierten Weltmeisterschaftsteilnahme zum ersten Mal die Vorrunde überstanden und damit ein neues Kapitel in der nationalen Fußballgeschichte geschrieben. Die Mannschaft von Trainer Hugo Broos setzte sich im entscheidenden letzten Gruppenspiel mit 1:0 (0:0) gegen Südkorea durch und beendete die Gruppe A auf dem zweiten Platz.
Nach dem Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen: Broos sank überwältigt auf die Knie, seine Spieler zogen tanzend über den Rasen. Vor 51.243 Zuschauern in Monterrey erzielte Thapelo Maseko in der 63. Minute das entscheidende Tor und löste damit große Begeisterung bei Bafana Bafana aus.
Im Sechzehntelfinale wartet nun am Sonntag in Inglewood bei Los Angeles Co-Gastgeber Kanada. Südkorea liegt nach der Gruppenphase mit drei Punkten auf Rang drei und muss auf den weiteren Verlauf hoffen.
„Es ist unglaublich. Ich komme mir vor, als würde ich träumen. Diese Geschichte werde ich später meinen Kindern erzählen“, sagte Siegtorschütze Maseko nach der Partie.
Größter Erfolg für Bafana Bafana
Für Hugo Broos ist das Weiterkommen auch persönlich ein besonderer Moment. Der 74 Jahre alte Belgier hatte vor dem Turnier bereits klargemacht, dass dies wohl seine letzte Weltmeisterschaft sein wird. Bei der nächsten Endrunde wäre er 78 Jahre alt – aus seiner Sicht kein Alter mehr für die Trainerbank.
Umso größer war die Erleichterung nach dem historischen Erfolg. „Das ist ein sehr emotionaler Moment. Ich habe immer an diese Mannschaft geglaubt. Selbst in den vergangenen Wochen, als die Kritik sehr, sehr hart war“, sagte Broos.
Seit seinem Amtsantritt 2021 hat der erfahrene Coach ein Team aufgebaut, das im entscheidenden Gruppenspiel über sich hinauswuchs. Rückblickend erinnerte Broos daran, dass die gemeinsame Entwicklung schon vor Jahren begonnen habe und sein Weg in Afrika anfangs nicht überall verstanden worden sei. Den Kritikern rief er nach dem Abpfiff entgegen, die Mannschaft habe auf dem Platz die richtige Antwort gegeben.
Südkorea startet aktiver
Vor dem Anpfiff war die Lage eindeutig: Den Südkoreanern hätte ein Unentschieden sicher zum Weiterkommen gereicht. Südafrika dagegen war zum Siegen gezwungen.
Entsprechend überraschend erwischte zunächst Südkorea den besseren Beginn. Nach einer Ecke kam Minjae Kim frei zum Kopfball, doch Aubrey Modiba klärte auf der Linie und bewahrte Torhüter Ronwen Williams vor dem Rückstand. Kurz darauf fehlte auch Kang-in Lee bei einem flachen Abschluss nicht viel.
Danach verlor die Partie allerdings an Tempo. Beide Teams leisteten sich längere schwächere Phasen. In der 30. Minute bot sich Südafrika dann die große Chance zur Führung: Einen Abschluss von Thalente Mbatha konnte Seung-gyu Kim nur nach vorne abwehren, doch Evidence Makgopa schoss aus kurzer Distanz direkt auf den Keeper.
Maseko sorgt für die Entscheidung
Nach der Pause kam auch Heung-min Son ins Spiel. Für den südkoreanischen Angreifer, der früher für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen in der Bundesliga spielte, war es der erste WM-Einsatz Nummer 13, den er nicht von Beginn an bestritt. Doch auch seine Einwechslung brachte der Offensive seines Teams kaum neue Impulse.
Stattdessen blieb Südafrika die aktivere Mannschaft, spielte mutiger und mit mehr Überzeugung. Broos lobte später den großen Einsatz seines Teams, das um jeden Ball gefightet habe.
Der kurz zuvor eingewechselte Tshepang Moremi spielte von links eine flache Hereingabe in den Strafraum, wo Maseko entschlossen abzog. Sein satter Flachschuss ging durch die Beine des Mönchengladbachers Jens Castrop und war für Torhüter Seung-gyu Kim nicht zu halten.
Danach begann eine nervenaufreibende Schlussphase. Rund 30 Minuten lang verteidigte der Außenseiter den knappen Vorsprung mit viel Einsatz, ehe mit dem Abpfiff die große Party startete.
Trainer lobt die Spieler – und will mehr
Broos sparte nach dem Schlusspfiff nicht mit Lob für seine Mannschaft. Das Verhältnis zu seinen Spielern sei außergewöhnlich, schilderte der Trainer, der sich nicht nur als Coach, sondern auch als enger Vertrauter des Teams versteht. Was seine Auswahl bislang erreicht habe, bezeichnete er als „kleines Wunder“.
Trotz des historischen Einzugs in die K.-o.-Runde soll damit noch nicht Schluss sein. Vor dem Duell mit Kanada kündigte Broos an, dass seine Mannschaft mehr wolle. Die Fans dürften sich erneut auf ein Team freuen, das an sich glaube und bis zur letzten Minute kämpfe – wenn nötig auch länger.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber