Die Frauen-Bundesliga wird ab dem Sommer 2027 organisatorisch nicht mehr vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geführt. DFB und der Ligaverband FBL haben sich auf einen Grundlagenvertrag zur Ausgliederung verständigt. Nach einer Übergangsphase in der Saison 2026/27 soll die Zuständigkeit zum 1. Juli 2027 offiziell auf den FBL übergehen. Das Konstrukt lehnt sich an das Modell der DFL im Männerfußball an.
Mit der Vereinbarung rückt der von den 14 Erstligaclubs gewünschte Schritt zur Eigenständigkeit der Liga in greifbare Nähe. Der Vertrag legt für zunächst sieben Jahre fest, wie DFB und FBL rechtlich, organisatorisch und finanziell zusammenarbeiten. Nach Angaben des FBL sollen in diesem Zeitraum mehr als 20 Millionen Euro vom DFB an den Verband fließen. Außerdem ist vorgesehen, dass die FBL-Präsidentin einen Platz im DFB-Präsidium erhält.
FBL-Präsidentin Kiel spricht von einem "historischen Schritt"
FBL-Präsidentin Katharina Kiel bezeichnete die Einigung als wichtigen Meilenstein für den professionellen Frauenfußball in Deutschland. Künftig solle die Liga ihre Entwicklung eigenverantwortlich steuern – mit eindeutigen Zuständigkeiten der Vereine, professionelleren Strukturen und dem Ziel, im internationalen Vergleich konkurrenzfähiger zu werden.
Geplant sind unter anderem Pachtzahlungen des FBL. Ab dem vierten Vertragsjahr sollen zudem finanzielle Beiträge, etwa aus Ticket-Erlösen, an die Landesverbände gehen. Der DFB kündigte an, weiterhin Zahlungen für die Freistellung von Nationalspielerinnen zu leisten und zusätzlich in die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens sowie in zertifizierte Nachwuchsleistungszentren zu investieren.

Neuendorf: "Tragfähiger Kompromiss"
DFB-Präsident Bernd Neuendorf sprach von einem "tragfähigen Kompromiss". Der Verband sehe sich weiterhin in der Pflicht, den Frauenfußball in Deutschland voranzubringen, und wolle die Bundesliga besonders in den Bereichen Schiedsrichter und Nachwuchsförderung unterstützen.
DFB-Generalsekretär Holger Blask betonte, dass klare Verantwortlichkeiten vor allem für die Vermarktung der Liga wichtig seien. Schon im Herbst steht die Verhandlung über einen neuen Medienrechte-Vertrag an, die nach dem neuen Modell bereits vom FBL geführt werden soll. Der DFB möchte sich künftig stärker auf die Frauen-Nationalteams, den DFB-Pokal der Frauen sowie den Frauen- und Mädchenfußball in den übrigen Spielklassen konzentrieren.
Die endgültige Entscheidung über die neue Struktur soll auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag fallen, der von Präsidium und Aufsichtsrat einberufen wird. Die Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich. Bereits im Juni will auch die FBL die Pläne auf ihrer Mitgliederversammlung formell bestätigen lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion