Von einem Randthema zum Publikumsmagneten in kurzer Zeit: Der Aufstieg der deutschen Basketballerinnen ist bemerkenswert. Trotz der klaren 64:86-Niederlage gegen Frankreich im Halbfinale, in dem Leonie Fiebich und ihre Mitspielerinnen viele Fehler machten, lebt der Traum von einer historischen Medaille bei der Heim-WM in Berlin weiter.
Eine WM-Bronzemedaille, noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar, ist nur noch ein Spiel entfernt. Im Duell um Platz drei trifft Deutschland heute um 16.30 Uhr auf Spanien. Zu sehen ist die Partie bei Magentasport und ProSiebenMAXX.
Wie groß die Begeisterung inzwischen ist, zeigte sich besonders am Halbfinaltag: 12.650 Fans sorgten für eine volle Arena. Unter den Zuschauern waren auch Dirk Nowitzki sowie Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder, der die deutschen Männer zuletzt zu WM- und EM-Titeln geführt hatte.
Der Weg in diese ausverkaufte Berliner Halle war jedoch lang und alles andere als geradlinig. Ein Blick auf wichtige Stationen des Aufschwungs:
Wolfenbüttel
Zwischen 2011 und 2023 verpasste die deutsche Auswahl jedes große Turnier. Im internationalen Frauen-Basketball spielte Deutschland lange kaum eine Rolle. Viele Spiele fanden nahezu ohne große öffentliche Aufmerksamkeit statt. Daran erinnerte zuletzt auch Magentasport-Expertin Ireti Amojo.
Sie sprach von Partien in einfachen Hallen mit nur wenigen hundert Zuschauern. Gemeint war unter anderem das 44:69 gegen Belgien im Jahr 2023. Zwar waren damals etwas mehr als 900 Fans dabei, doch dass sich daraus so schnell Spiele vor über 10.000 Menschen in Berlin entwickeln würden, war damals kaum abzusehen.

Ljubljana
Im Juni 2023 kehrte das Team bei der Europameisterschaft in Slowenien auf die große Bühne zurück. Die deutsche Mannschaft um Svenja Brunckhorst, die später mit dem 3×3-Team Olympia-Gold in Paris gewann, erreichte überraschend erstmals seit 1997 wieder das EM-Viertelfinale.
Erfolge gegen Slowenien und Großbritannien kamen unerwartet. Im Viertelfinale folgte zwar mit dem 42:67 gegen Spanien eine klare Niederlage, doch das Turnier markierte den Beginn einer neuen Entwicklung. Nur wenige Monate nach dem Spiel in Wolfenbüttel waren die deutschen Basketballerinnen plötzlich auch in der Hauptausgabe der Tagesschau Thema.
Belem
Der nächste große Schritt gelang im Februar 2024 im brasilianischen Belem. Dort sicherte sich die deutsche Mannschaft um Satou Sabally das Olympia-Ticket. Verbandspräsident Ingo Weiss sprach damals von einem voll aufgegangenen Plan.
Sabally, die bei der aktuellen WM fehlt, wurde dabei zur Schlüsselfigur. Trotz Schulterproblemen kämpfte sie sich im entscheidenden Spiel durch die Partie und führte ihr Team mit 20 Punkten zum Erfolg.
Berlin
Was bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris noch nicht gelang, wurde nun bei der Heim-WM in Berlin erreicht: der Einzug ins Halbfinale und damit die Chance auf die erste Medaille der deutschen Basketballerinnen bei einer Weltmeisterschaft.
Die deutliche Niederlage gegen starke Französinnen soll nun schnell abgehakt werden, denn gegen Spanien bietet sich die Gelegenheit zur Revanche. Das 53:83 aus dem WM-Auftakt gegen denselben Gegner spielt für Bundestrainer Olaf Lange inzwischen keine große Rolle mehr. Sein Fokus ist klar: Deutschland will Bronze holen.
Schon vor dem letzten von insgesamt zehn Turniertagen ist die Heim-WM ein Erfolg. Mehr als 200.000 verkaufte Tickets und der überraschende Vorstoß unter die besten vier Teams zeigen, wie stark der Frauen-Basketball in Deutschland inzwischen gewachsen ist.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber