Beiersdorf-Chef mahnt vor Nachteilen für Europas Kosmetikbranche
Beiersdorf-Vorstandschef Vincent Warnery sieht die europäische Kosmetikindustrie durch wachsende Regulierung unter Druck. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur warnte der Nivea-Chef davor, dass die Branche im globalen Wettbewerb an Boden verlieren könnte. Europa solle nicht riskieren, dass es der Kosmetikindustrie ähnlich ergehe wie anderen stark belasteten Industriezweigen. Zugleich verwies er darauf, dass die Branche Arbeitsplätze sichere und zum Wohlstand beitrage.
Sorge um sinkende Wettbewerbsfähigkeit
Nach Einschätzung Warnerys stehen europäische Unternehmen im Nachteil, wenn Wettbewerber aus Ländern außerhalb der EU deutlich weniger Auflagen erfüllen müssen. Besonders mit Blick auf die USA, China und Südkorea forderte er mehr Augenmaß bei neuen Vorschriften.
Zugleich betonte der Manager, dass Hautpflegeprodukte aus Europa bereits heute besonders strengen Qualitäts- und Sicherheitsstandards unterliegen. Dennoch müssten Hersteller immer wieder Inhaltsstoffe aus ihren Rezepturen streichen, obwohl diese bei üblicher Anwendung kein Risiko darstellten. Für die Branche sei das eine erhebliche Belastung.
Kritik an neuer EU-Abwasserrichtlinie
Auch die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie stößt bei Warnery auf Widerstand. Diese sieht vor, dass Produzenten von Kosmetika und Arzneimitteln finanziell stärker herangezogen werden. Aus Sicht des Beiersdorf-Chefs ist das problematisch, weil Unternehmen wie sein Konzern hohe Summen zahlen sollten, obwohl ihr Anteil an der Gesamtverschmutzung vergleichsweise gering sei.

Warnery seit 2021 an der Spitze von Beiersdorf
Der Franzose führt den Hamburger Konsumgüterkonzern seit Mai 2021. Vor seinem Wechsel zu Beiersdorf arbeitete der Betriebswirt unter anderem für L’Oréal. Zu den weiteren wichtigen europäischen Anbietern im Kosmetikgeschäft zählen Unilever, LVMH und Henkel.
Unter Warnery legte Beiersdorf zunächst deutlich zu. Im ersten Halbjahr musste das Unternehmen zuletzt jedoch einen Umsatzrückgang hinnehmen, was vor allem auf eine schwächere Entwicklung der Kernmarke Nivea zurückgeführt wurde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber