Die Pläne der Deutschen Bahn, das Regionalzugangebot zwischen Augsburg und München ab 2028 spürbar zu verringern, stoßen auf wachsende Kritik. Kommunalpolitiker, der Freistaat Bayern und viele Pendler wenden sich gegen das Vorhaben. Die Bahn betont bislang, dass das Verfahren noch laufe und noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei.
Hintergrund ist die Einschätzung der DB-Infrastrukturtochter, wonach der Bahnknoten München und mehrere Zufahrtsstrecken als überlastet gelten. Dazu zählt auch der Abschnitt zwischen München und Olching, der Teil der Verbindung nach Augsburg ist. Aus einem von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Papier geht hervor, dass künftig je Richtung nur noch zwei Regionalzüge pro Stunde fahren könnten. Derzeit sind es zu Spitzenzeiten bis zu vier. Schon jetzt sind viele dieser Züge stark ausgelastet, sodass Reisende oft keinen Sitzplatz mehr bekommen.
Mehr ICE-Verkehr, weniger Regionalzüge
Nach den Überlegungen der Bahn soll die knappe Streckenkapazität künftig stärker dem Fernverkehr zugutekommen. Vor allem ICE-Züge sollen bevorzugt werden. Berechnungen zufolge würden dadurch zwischen Augsburg und München zwölf Regionalverbindungen wegfallen.
Dagegen haben sich nun drei Landräte aus Schwaben sowie Augsburgs Oberbürgermeister Florian Freund (SPD) gemeinsam positioniert. Sie fordern die DB-Tochter auf, die Pläne zurückzunehmen. Der Augsburger Landrat Martin Sailer (CSU) erklärte, wer mehr Menschen für die Bahn gewinnen wolle, dürfe ausgerechnet auf einer der wichtigsten Pendelstrecken Bayerns das Angebot nicht kürzen. Angesichts der bereits heute hohen Auslastung könne die Antwort auf steigende Fahrgastzahlen nicht ein geringerer Regionalverkehr sein.
Die Kommunalpolitiker warnen davor, dass Pendler entlang der Strecke die Folgen tragen müssten, wenn zusätzliche ICE-Züge auf Kosten der Regionalbahnen eingesetzt würden. Mehr Fernverkehr sei zwar grundsätzlich positiv, dürfe aber nicht zulasten jener gehen, die täglich auf den Nahverkehr angewiesen seien.
Petition findet rasch große Unterstützung
Auch online formiert sich Protest gegen die möglichen Kürzungen. Eine Petition gegen die Streichung von Regionalzügen zwischen Augsburg und München hat binnen zwei Wochen bereits mehr als 2.500 Unterschriften gesammelt. Ursprünglich hatte die Initiatorin mit 1.500 Unterstützern gerechnet. In dem Aufruf wird betont, dass ein Ausbau des Fernverkehrs grundsätzlich sinnvoll sei. Regional- und Fernverkehr dürften jedoch nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) macht deutlich, dass der Freistaat Kürzungen nicht akzeptieren will. Nach Angaben der staatlichen Gesellschaft wird gefordert, den bisherigen Umfang des Angebots zu erhalten und damit mehr Züge fahren zu lassen, als in den vorgestellten Plänen vorgesehen ist. Besonders betroffen wäre das Unternehmen Arverio Bayern, das im Auftrag der BEG den Regionalverkehr von München nach Schwaben betreibt.
Die Deutsche Bahn äußert sich zu möglichen Streichungen bisher nur allgemein. Eine Sprecherin erklärte, der Konzern arbeite gemäß den gesetzlichen Vorgaben an einem Konzept zur Erhöhung der Streckenkapazität. Dieses umfasse sowohl langfristige Ausbaumaßnahmen an der Infrastruktur als auch kurzfristige Anpassungen im Fahrplan. Im laufenden Verfahren könne die Bundesnetzagentur zudem noch Änderungen verlangen oder vornehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber