Festbier zur Wiesn: Kräftiger, heller und jedes Jahr aufs Neue besonders
Goldene Farbe, ausgeprägte Malznote und etwa sechs Prozent Alkohol: Das speziell für das Oktoberfest gebraute Bier ist stärker als ein klassisches Helles. Mit der traditionellen Bierprobe kurz vor Beginn der Wiesn rücken die Besonderheiten der sechs Münchner Festbiere in den Mittelpunkt – und zugleich startet der Endspurt bis zum Anstich in einer Woche. Rund sieben Millionen Liter des besonderen Bieres werden jedes Jahr auf dem Oktoberfest ausgeschenkt.
Sechs Münchner Brauereien, sechs eigene Festbiere
Die Wiesn-Biere stammen von den sechs Münchner Traditionsbrauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Jede Brauerei produziert ihr eigenes Oktoberfestbier nach einem nicht veröffentlichten Rezept. Für alle gelten jedoch feste Vorgaben: gebraut werden muss in München, das Reinheitsgebot ist einzuhalten und die Stammwürze muss mindestens 13,6 Prozent betragen. Diese sorgt für mehr Fülle im Geschmack und einen höheren Alkoholgehalt.
Von hellgelb bis dunkler, von süßlich bis würzig
Trotz gemeinsamer Regeln setzen die Braumeister unterschiedliche Akzente. Die Biere werden mit Begriffen wie zart süß, erfrischend süffig, würzig-floral, malzbetont oder charakterstark beschrieben. Auch optisch zeigen sich Unterschiede: Die Farbpalette reicht von einem leuchtenden Gelbton bis zu einer etwas dunkleren Erscheinung.
Vielschichtig im Geschmack, leicht zu trinken
Nach Einschätzung von Andreas Maisberger, Geschäftsführer des Vereins Münchener Brauereien, haben alle sechs Biere auch in diesem Jahr ihren eigenen gelungenen Charakter. Die Herstellung sei wegen der höheren Stammwürze anspruchsvoll. Je nach Brauerei stünden eher karamellige, hopfige oder malzige Noten im Vordergrund. Dadurch entstehe eine Vielfalt, bei der praktisch jeder Geschmack bedient werde.

Die Unterschiede ergeben sich vor allem aus der Auswahl und Kombination von Malz, Hopfen und Hefe sowie aus Brau- und Lagerverfahren. Der Alkoholgehalt bewegt sich zwischen 5,3 und 6,6 Prozent. Laut Maisberger spielen auch die jeweiligen Erntebedingungen bei den Rezepturen eine Rolle.
Heller als früher – und nicht zu unterschätzen
Im Gegensatz zum früher auf dem Oktoberfest üblichen dunkleren Märzen ist das heutige Festbier deutlich heller und wirkt leichter zugänglich. Gerade in den warmen Festzelten lässt es sich schnell trinken. Wegen des höheren Alkoholgehalts kann das jedoch Folgen haben: Im vergangenen Jahr musste mehr als ein Drittel der Patienten der Wiesn-Sanitätswache wegen Alkoholintoxikation behandelt werden.
Maßpreis bleibt unter 16 Euro
In jedem Festzelt wird jeweils das eigene Festbier ausgeschenkt. Für eine Maß werden in diesem Jahr zwischen 14,80 und 15,90 Euro verlangt. Damit bleibt die häufig beachtete Grenze von 16 Euro knapp unterschritten. Nach Angaben der Stadt München liegen die Preise im Schnitt dennoch 2,38 Prozent über dem Vorjahr. 2025 kostete die Maß noch zwischen 14,50 und 15,80 Euro.
Auch im Ausland längst gefragt
Das Wiesnbier ist inzwischen nicht mehr nur auf dem Fest selbst zu bekommen. Flaschenversionen stehen längst auch in Supermärkten im In- und Ausland, noch bevor das Oktoberfest startet. Besonders gefragt ist das Bier unter anderem in Italien. Die Wiesn beginnt am kommenden Samstag und läuft bis zum 4. Oktober.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber