Dirk Nowitzki sprach von einem möglichen „Sommermärchen“, doch zur goldenen Krönung kommt es für die deutschen Basketballerinnen bei der WM in Berlin nicht. Das Team um Leonie Fiebich verlor sein Halbfinale gegen die starken Französinnen mit 64:86 (38:45) und verpasste damit den Einzug ins Endspiel.
Nach dem viel beachteten Coup gegen Europameister Belgien blieb die nächste Überraschung aus. Der Traum von einer Medaille lebt aber weiter: Im Spiel um Platz drei trifft Deutschland am Sonntag um 16.30 Uhr auf Spanien, das sein Halbfinale mit 66:76 gegen Topfavorit USA verlor.
Williams führt Frankreich zum Sieg
Beste deutsche Werferinnen waren Nyara Sabally und Marie Gülich mit jeweils zwölf Punkten. Vor 12.650 Fans in der ausverkauften Arena, unter ihnen auch Dirk Nowitzki, zeigte Frankreich jedoch einmal mehr seine Klasse. Vor allem Gaby Williams prägte die Partie mit 22 Punkten.
Ausschlaggebend war auch die hohe Zahl deutscher Fehler. Mehr als 20 Ballverluste machten es dem Team von Bundestrainer Olaf Lange zusätzlich schwer. „Es seien zu viele Ballverluste gewesen“, haderte Lange nach der Partie. Vor allem die Art der Turnover sei unnötig gewesen und auf diesem Niveau gegen ein Team wie Frankreich kaum zu kompensieren.
Lange glaubt weiter an den Medaillen-Coup
Trotz der Niederlage kann Deutschland das Heimturnier noch mit Edelmetall beenden. Mit einem Sieg im letzten Spiel wäre Bronze möglich. Gegen Spanien bietet sich nun neun Tage nach dem deutlichen 53:83 zum Turnierauftakt die Chance auf Revanche.
„Natürlich haben wir eine Chance auf eine Medaille. Das ist völlig klar. Da hat auch keiner irgendwelche Zweifel“, sagte Lange bei MagentaSport. Vor vier Jahren hatten die deutschen Männer um Dennis Schröder in Berlin EM-Bronze gewonnen, ehe sie 2023 Welt- und 2025 Europameister wurden.
Nowitzki lobt Team und Stimmung in der Halle
Schon der Halbfinaleinzug war für die Gastgeberinnen ein großer Erfolg. Damit spielte Deutschland beim Finalwochenende in Berlin plötzlich mit den besten Teams der Welt um die Medaillen. Nowitzki freute sich sichtbar über den Auftritt des Teams und die Atmosphäre in der Halle.
„Ich freue mich riesig für die Mädels. Die Stimmung ist unglaublich. Wir haben uns tragen lassen von der Stimmung. Die Halle wird bombastisch werden“, sagte die Basketball-Ikone bei ProSieben MAXX. Neben ihm saß auch Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder mit seiner Frau Ellen und seinem Sohn in der ersten Reihe.
Deutschland hält lange ordentlich dagegen
Vor dem Spiel hatte Olaf Lange betont, sein Team sehe die Partie eher als Chance denn als Belastung. Der Druck liege auf Frankreich als einem der besten Teams der Welt. Entsprechend mutig startete Deutschland.
Ein Dreier von Leonie Fiebich sorgte früh für Begeisterung auf den Rängen. Auch Alexandra Wilke traf von außen und brachte die Arena zum Jubeln – ehe sie ab kommender Woche wieder in ihren Beruf als Lehrerin zurückkehrt. Gegen den bis dahin klar dominierenden Favoriten hielt Deutschland zunächst gut mit und lag Ende des ersten Viertels sogar für exakt elf Sekunden vorn.
Doch Frankreich fand immer wieder die passenden Antworten. Angeführt von Williams und Marine Johannès trat der Olympia-Zweite offensiv deutlich variabler auf als Belgien im Viertelfinale. Zudem hatte Frankreich bis zum Halbfinale alle vier WM-Partien mit mindestens 26 Punkten Differenz gewonnen.
Fehlstart nach der Pause entscheidet das Halbfinale
Unter dem Korb mussten Nyara Sabally und Kapitänin Marie Gülich gegen sehr physische Gegenspielerinnen Schwerstarbeit leisten. Einige Nachlässigkeiten im Angriff ließen den Rückstand zwischenzeitlich auf neun Punkte anwachsen. Gegen die aggressive französische Verteidigung leistete sich Deutschland mehrere Fehlpässe, Schrittfehler und sogar ein Doppeldribbling.
Die entscheidende Phase folgte direkt nach dem Seitenwechsel. Frankreich startete mit einem 9:0-Lauf in die zweite Halbzeit und profitierte dabei erneut von deutschen Ballverlusten. Zwar arbeitete sich die Mannschaft von Chefcoach Lange noch einmal etwas heran, wirklich spannend wurde es aber nicht mehr.
Auch deshalb, weil Frieda Bühner, bislang eine der auffälligsten deutschen Werferinnen im Turnier, zu spät ihren Rhythmus fand. So blieb am Ende eine klare Niederlage gegen ein in diesem Turnier bisher herausragendes französisches Team.
Deutschland hat nun aber weiter die Chance, das starke Heimturnier mit einer Medaille zu beenden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber