Neuer deutet Schalker Pfiffe als besondere Form der Anerkennung
Manuel Neuer hat die lautstarken Reaktionen der Schalke-Anhänger bei seinem vermutlich letzten Spiel in Gelsenkirchen gelassen aufgenommen. Nach dem 0:0 des FC Bayern sagte der 40-jährige Keeper, die Pfiffe bei nahezu jeder Ballaktion seien für ihn eher als Anerkennung zu verstehen. Für ihn seien sie gewissermaßen sogar ein Zeichen von Verbundenheit gewesen.
Schon beim Aufwärmen war der frühere Publikumsliebling von den Fans der Königsblauen mit Buhrufen und Schmähgesängen empfangen worden. Trotzdem zeigte sich Neuer bewegt. Er habe mehr als zwei Jahrzehnte in Gelsenkirchen verbracht, deshalb sei es für ihn ein hochemotionaler und besonderer Tag gewesen. Aus sportlicher Sicht habe er sich allerdings gewünscht, mit einem Sieg abzureisen. Vor den Augen von Familie und Freunden kamen die Münchner gegen leidenschaftlich verteidigende Aufsteiger jedoch nicht über ein torloses Remis hinaus.
Schalke belohnt sich für kämpferischen Auftritt
Die Gastgeber warfen sich in der Arena in jeden Zweikampf und sicherten sich mit großem Einsatz einen unerwarteten Punkt. Trainer Miron Muslic betonte nach der Begegnung, seine Mannschaft habe versucht, das Stadion mit genau diesen Tugenden hinter sich zu bringen. Am Ende sei der Zähler womöglich glücklich gewesen, aber seine Spieler hätten sich für Schalke komplett aufgeopfert.
Karius wird zum Bayern-Problem
Die Richtung für den Abend hatten die Fans bereits vor dem Anpfiff vorgegeben. In der Nordkurve war auf einer großen Choreografie zu lesen, dass nicht der Bessere gewinnen solle, sondern immer Schalke. Dass die Bayern trotz spielerischer Vorteile nicht als Sieger vom Platz gingen, lag neben der hitzigen Atmosphäre und dem leidenschaftlichen Auftritt der Hausherren vor allem an Loris Karius.

Der Schalker Torhüter glänzte mit mehreren starken Paraden, unter anderem gegen Nathaniel Brown, Michael Olise und Harry Kane, und wurde anschließend zum Spieler des Spiels gewählt. Auch Neuer zollte ihm Respekt. Der Ex-Schalker erklärte, Karius sei die verdiente Wahl gewesen, weil er die drei klaren Chancen der Bayern entschärft habe. Genau das sei letztlich spielentscheidend gewesen.
Musiala gibt Comeback, Bayern bleibt gelassen
Auch Jamal Musiala fand keinen Weg an Karius vorbei. Der Offensivspieler feierte 18 Tage nach seinem zweiten Zusammenbruch im Test gegen den 1. FC Heidenheim beim ersten Auswärtsspiel der Münchner in dieser Saison seine Rückkehr. Für die letzten 30 Minuten wurde der 23-Jährige eingewechselt, konnte dem Angriffsspiel des Rekordmeisters aber noch nicht entscheidend seinen Stempel aufdrücken.
Trotz des Punktverlusts bewerteten die Bayern-Verantwortlichen das Ergebnis mit Ruhe. Angesichts der starken Leistung von Karius und des engagierten Schalke-Auftritts ordnete Sportvorstand Max Eberl das Remis nüchtern ein. Wenn eine Partie wie diese zehnmal gespielt werde, gewinne Bayern sie seiner Ansicht nach in neun Fällen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich Schalke den Punkt mit seinem enormen Einsatz durchaus verdient habe.
Wichtige Wochen für beide Teams
Für Schalke könnte genau diese kompromisslose Spielweise im Kampf um den Klassenerhalt in den kommenden Monaten entscheidend werden. Zunächst wartet am Freitag allerdings die nächste schwere Aufgabe: Auswärts bei Union Berlin trifft das Team von Miron Muslic auf einen möglichen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Danach kommt die SV Elversberg in die Veltins-Arena.
Der FC Bayern richtet den Blick derweil auf die Champions League. Am Donnerstag starten die Münchner in der Allianz Arena gegen Bodö/Glimt aus Norwegen in die neue Königsklassen-Saison.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber