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Ansah jagt die 100-Meter-Medaille – und will mehr

Bronze trotz Sperren-Drama: Owen Ansah trotzt dem Druck bei der EM – und hat schon das nächste Podium im Visier.

12.08.2026, 07:50 Uhr

Ansah jubelt über EM-Bronze – und blickt schon auf die 200 Meter

Owen Ansah verzichtete zwar auf eine Ehrenrunde, seine Bronzemedaille von den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham möchte der deutsche Rekordhalter über 100 Meter aber so schnell nicht mehr aus der Hand geben. Für den 25 Jahre alten Sprinter vom Hamburger SV soll der Podestplatz vom Dienstagabend zudem noch nicht das Ende gewesen sein.

Schon kurz nach dem Rennen richtete Ansah den Blick nach vorn: Am Donnerstag stehen für ihn die 200 Meter an. Noch in eine Deutschlandfahne gehüllt sprach er nach Rang drei über seinen Lauf und auch darüber, wie er mit den Schlagzeilen rund um eine mögliche Sperre wegen einer angeblich verweigerten Dopingprobe umgeht.

Ansah sieht keinen Einfluss auf das laufende Verfahren

Sorge, die Medaille nachträglich wieder zu verlieren, habe er nicht. Im Alexander Stadium betonte Ansah erneut, dass er ein starkes Team hinter sich habe, das ihm Rückhalt gebe. Alles rund um das Verfahren könne er nicht beeinflussen, sagte er sinngemäß – nur seine Leistung auf der Bahn. Genau das habe er an diesem Abend gezeigt.

Bronze als historischer Erfolg

Von der Belastung durch den Antrag der Nationalen Anti Doping Agentur auf eine vierjährige Sperre war Ansah nach dem Finale kaum etwas anzumerken. Stattdessen zeigte er sich ausgesprochen gelöst und redselig. Seinen Start bewertete er selbst als nicht ganz so stark wie bei früheren Rennen in dieser Saison.

Bei seinem deutschen Rekord in Regensburg war Ansah in diesem Jahr 9,98 Sekunden gelaufen. In Birmingham reichten ihm 10,19 Sekunden für Bronze hinter den Briten Romell Glave und Jeremiah Azu. Damit gewann erstmals seit 1986 wieder ein deutscher Sprinter eine EM-Medaille über 100 Meter. Damals hatte Steffen Bringmann in Stuttgart für die DDR Silber geholt.

Ansah zeigte sich entsprechend glücklich. Er sei mit dem Ziel angereist, das 100-Meter-Finale mit einer Medaille zu beenden, und freue sich nun riesig über Platz drei. Auch über 200 Meter traut er sich nun eine ähnlich starke Platzierung zu. In dieser Disziplin liegt er in Europa in dieser Saison ebenfalls auf Rang drei.

Sein erklärtes Ziel, den deutschen Sprint wieder stärker ins Rampenlicht zu rücken, hat er damit bereits teilweise erreicht. Ein weiterer Schritt soll folgen. Einsätze in den Staffeln sind für ihn bei dieser EM allerdings nicht mehr geplant. Sollte es später zu einer Disqualifikation kommen, würde das daher nur ihn persönlich betreffen.

Ansah: Diese Medaille gehört nicht nur mir

Ansah weist den Vorwurf zurück, am Nachmittag des 9. Juli eine Dopingkontrolle verweigert zu haben. Nach seiner Darstellung kam es nicht zur Probenabgabe, weil er vor der Abreise zum Diamond-League-Meeting nach Monaco unter Zeitdruck gestanden habe. Außerdem habe er kurz vor dem Besuch des Kontrolleurs bereits die Toilette aufgesucht und deshalb nicht sofort eine Probe abgeben können.

Zugleich unterstrich er, wie viel Unterstützung er aus Deutschland erhalte. Diese Rückenstärkung sei für ihn ein wichtiger Faktor gewesen. Am Morgen nach seinem Medaillengewinn schrieb Ansah bei Instagram, diese Medaille gehöre nicht nur ihm, sondern allen, die ihn auf diesem Weg begleitet hätten. Dabei dankte er ausdrücklich seinem Trainer, seinem Management und seinem Anwalt für Rückhalt und Vertrauen.

Lob aus dem Team für starke Nerven

Hammerwerfer Merlin Hummel, der kurz vor Ansahs Rennen selbst EM-Silber gewonnen hatte, zeigte großen Respekt für die mentale Stärke seines Teamkollegen. Unter einem solchen Druck so eine Leistung abzurufen, sei außergewöhnlich, sagte Hummel und zog symbolisch den Hut vor Ansah.

Auch Teamkapitänin Gina Lückenkemper lobte den Umgang des Sprinters mit der Situation. Aus ihrer Sicht konzentriert sich der in Mannheim trainierende Ansah genau richtig auf sich selbst und den Wettkampf, während er alles andere so gut wie möglich ausblendet. Die offenen Fragen rund um das Verfahren lägen derzeit ohnehin außerhalb seines Einflusses – und auch außerhalb des Einflusses des Teams.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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