Fans der bayerischen Provinzkrimi-Komödien kennen den Rhythmus: Wenn der Sommer kommt, steht meist auch ein neuer Eberhofer an. Seit der ersten Kinoadaption von Rita Falks Bestsellerreihe im Jahr 2013 erscheint beinahe jährlich ein neuer Fall aus Niederkaltenkirchen.
Am 13. August startet mit „Steckerlfischfiasko“ der zehnte Film der erfolgreichen Reihe im Kino. Zum Jubiläum setzt die Produktion erneut auf Vertrautes – bei Figuren, Humor und Konflikten.
Bewährte Besetzung
Sebastian Bezzel übernimmt wieder die Rolle des gemütlichen, sturen Dorfpolizisten Franz Eberhofer. Für Bewegung in seinem eher trägen Alltag sorgt erneut seine lebenslustige Partnerin Susi, gespielt von Lisa Maria Potthoff.
Zum bekannten Ensemble gehören außerdem Simon Schwarz als Rudi Birkenberger, Stephan Zinner als Simmerl, Eisi Gulp als exzentrischer Vater von Franz sowie Gerhard Wittmann als Bruder Leopold. Enzi Fuchs ist wieder als Oma Eberhofer zu sehen. Neu im engeren Blickfeld ist Lara Mandoki als geheimnisvolle Julika, die auf dem Hof den Haushalt übernimmt, solange die Oma zur Kur ist.
Mord im Golfclub
Diesmal trifft es den Steckerlfischkönig von Niederkaltenkirchen: Paulus Senior wird tot im Wellnessbereich eines Golfclubs gefunden. Gemeinsam mit Rudi beginnt Eberhofer zu ermitteln und gerät dabei schnell auf die Spur der Dottingers, eines einflussreichen Clans, der sich seit Langem mit der Familie Paulus um die Vormachtstellung auf dem Volksfest streitet.
Auch Tessa, die Tochter des Opfers, gespielt von Ruby O. Fee, scheint in dem Fall keine unwichtige Rolle zu spielen.

Auch privat unter Druck
Nicht nur beruflich hat Franz alle Hände voll zu tun. Zuhause wächst der Druck ebenfalls: Susi kandidiert für das Bürgermeisteramt und erwartet von ihm tatkräftige Unterstützung im Wahlkampf. Gleichzeitig wünscht sich Sohn Paul, dass sein Vater bei der nächsten Aufführung mit ihm auf die Bühne geht – ausgerechnet als tanzender Baum.
Viel Bekanntes, wenig Überraschung
Wer das Eberhofer-Universum mag, dürfte auch beim zehnten Teil auf seine Kosten kommen. Der Film bietet erneut die vertrauten Gesichter, die altbekannten Streitereien und den typischen Humor, der die Reihe seit Jahren prägt. Die Darsteller spielen ihre Rollen routiniert und mit sichtbarer Spielfreude.
Allerdings wirken manche Figuren inzwischen etwas aus der Zeit gefallen. Das gilt etwa für Flötzinger, der weiterhin mit zweifelhaftem Charme Frauen nachstellt. Seine Auftritte erinnern an jene Onkel auf Familienfeiern, deren anzügliche Sprüche nur noch verlegenes Lächeln hervorrufen. Im Film versucht er, Golferinnen zu beeindrucken, und trägt dabei selbstbewusst ein Polohemd mit dem Logo seiner Sanitärfirma – für ihn die ideale Verbindung von Werbeeffekt und vermeintlichem Sex-Appeal.
Alte Konflikte im Hause Eberhofer
Auch in Franz’ Privatleben wiederholt sich einiges. Susi verzweifelt einmal mehr an seiner Gleichgültigkeit und setzt ihn erneut vor die Tür. Statt im neuen Familienhaus landet er wieder im umfunktionierten Schweinestall.
Sebastian Bezzel beschreibt seine Figur als einen eher traurigen und melancholischen Menschen mit dunkleren Seiten. Seiner Filmfigur würde er vor allem mehr Eigeninitiative wünschen. Franz müsse begreifen, dass das Leben kein festgeschriebener Zustand sei, sondern ständig in Bewegung bleibe.
Humorvolle Dialoge, schwächerer Krimifall
Knapp 100 Minuten lang lädt der Film erneut in das vertraute niederbayerische Mikrokosmos ein. Schwächen zeigt allerdings die Krimihandlung: Der Mordfall wirkt stellenweise etwas dünn konstruiert und baut nur begrenzt Spannung auf.
Dafür liefern Regisseur Ed Herzog und Co-Autor Stefan Betz wieder einige gelungene Dialoge. Ein Beispiel: Susi verbietet Franz, in der brandneuen Küche ein Spiegelei zu braten, weil er dabei alles verschmutzen würde. Seine Antwort fällt so unerquicklich wie entwaffnend aus: Eine Küche sei schließlich ein Gebrauchsgegenstand – ähnlich wie eine Unterhose, die irgendwann eben nicht mehr richtig sauber werde.
Der Reiz des Unveränderten
Vielleicht liegt gerade darin der Trost dieser Filmreihe: Ihre Figuren bleiben im Kern, wie sie sind. Wer es sich einmal in seinem Lebensentwurf bequem gemacht hat, verändert sich nicht so leicht. Im hektischen Alltag zwischen Beruf und Privatleben fehlt dafür oft die Kraft – bei einem Typen wie Eberhofer erst recht.
Mit etwas Abstand aus dem Kinosessel lässt sich über diese Eigenheiten bestens lachen. Der muffelige Partner, die temperamentvolle Freundin, der schmierige Kumpel oder der selbstverliebte Chef – all diese Typen wirken deshalb so vertraut, weil man ihnen auch im echten Leben begegnet.
Rudis radikaler Wandel
Die auffälligste Veränderung durchläuft ausgerechnet Rudi Birkenberger. Er erklärt seinen neuen Lebensstil mit „antikapitalistisch-spirituellen Gründen“. Statt in seiner Münchner Wohnung lebt er nun im Auto, verzichtet auf Konsum, spart Strom und Wasser – und offenbar auch an Körperpflege.
Das bleibt nicht ohne Folgen. Franz hält ihm entgegen, er rieche „wie ein Iltis“, und Pathologe Günther fragt trocken, ob Rudi versuche, Geier anzulocken.
Fazit
„Steckerlfischfiasko“ setzt zum zehnten Mal auf das Erfolgsrezept der Reihe: viel Lokalkolorit, eingespielte Figuren und derbe Pointen. Der Krimiplot gehört nicht zu den stärksten der Serie, doch Fans des Eberhofer-Kosmos bekommen genau das, was sie erwarten – und vermutlich auch sehen wollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber