Kulturstaatsminister Wolfram Weimer warnt vor einer Erosion der grundlegenden Werte der Aufklärung. Bei der Jahrestagung des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste sagte er, extremistische und autoritäre Strömungen in Deutschland und weltweit richteten sich nicht nur gegen politische Positionen, sondern gegen ein noch tiefer liegendes Fundament: die Aufklärung selbst.
Weimer beklagte ein zunehmend vergiftetes gesellschaftliches Klima. Im Land seien destruktive Streitformen, ritualisierte Empörung und gezielte Diffamierung zu beobachten. Diese Entwicklung gehe längst nicht mehr von wenigen aus, sondern erfasse immer mehr Menschen und nehme an Schärfe zu.
Plädoyer für Kant statt „Dark Enlightenment“
Als Beispiele nannte Weimer unter anderem Angriffe der AfD in Sachsen-Anhalt auf das Bauhaus, das zum Weltkulturerbe gehört. Auch Überlegungen innerhalb der Partei, christliche Feiertage wie Weihnachten durch germanisch geprägte Bräuche wie das Julfest zu ersetzen, zeigten aus seiner Sicht, in welchen grundlegenden Denkmustern dort agiert werde.
Zugleich verwies der Kulturstaatsminister auf Debatten in den USA, in denen die sogenannte „Dark Enlightenment“, also eine „dunkle Aufklärung“, inzwischen ernsthaft vertreten werde. Dahinter stecke mehr als bloßer rechter Protest oder nationalistisches Gedankengut, sagte Weimer. Vielmehr handle es sich um ein ideologisches Grundsatzprogramm. Dem setzte er die Forderung entgegen, sich stärker an Immanuel Kant zu orientieren und die Werte der klassischen Aufklärung entschiedener zu verteidigen.
Traditionsreicher Orden mit renommierten Mitgliedern
Der Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste vereint rund 80 herausragende Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland, darunter zahlreiche Nobelpreisträger. Ins Leben gerufen wurde er im 19. Jahrhundert von Preußens König Friedrich Wilhelm IV. Schirmherr des Ordens ist heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Am Sonntagnachmittag sollen in Berlin acht neue Mitglieder offiziell begrüßt werden. Dazu gehören der Liedermacher Wolf Biermann, die Meeresforscherin Antje Boetius, der französische Philosoph Georges Didi-Huberman, der Schweizer Chemiker Michael Grätzel, der Theologe Christoph Markschies, der ungarische Schriftsteller Péter Nádas, die israelische Arabistin Sarah Stroumsa sowie der Mediziner Uğur Şahin.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion