Nach neuen US-Angriffen auf Iran gerät Diplomatie erneut ins Abseits
Nach den jüngsten Angriffen und Drohungen aus Washington ist eine politische Lösung im Konflikt mit dem Iran wieder deutlich unwahrscheinlicher geworden. Das US-Militär flog am Mittwoch zwei Angriffswellen gegen Ziele im Iran und setzte zudem ein Schiff außer Gefecht, das nach US-Angaben gegen die Blockade iranischer Häfen verstoßen haben soll.
US-Präsident Donald Trump schlug dabei zunächst erneut einen harten Ton an und stellte Angriffe auf zivile Infrastruktur in Aussicht. Wenig später äußerte er sich versöhnlicher: Auf Truth Social erklärte Trump, der Iran habe einer Ende 2024 festgenommenen US-Bürgerin die Ausreise erlaubt. Washington werte dies als Zeichen des guten Willens. Weitere Angaben zur Identität der Frau machte Trump nicht; er teilte lediglich mit, sie habe das Land verlassen und sei in Sicherheit.
Zwei Angriffswellen an einem Tag
Nach Angaben des für die Region zuständigen US-Kommandos Centcom begann die jüngste Angriffswelle am Mittwoch um 15.00 Uhr Ortszeit an der US-Ostküste, also um 21.00 Uhr deutscher Zeit, und dauerte rund sechs Stunden. Ziel der Operationen seien Kommandozentren, Flugabwehrstellungen und weitere militärische Einrichtungen gewesen. Nach Darstellung des US-Militärs sollte damit Irans Fähigkeit geschwächt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Genaue Einzelheiten zu allen attackierten Zielen nannten die US-Streitkräfte zunächst nicht. Sie sprachen jedoch von zahlreichen Angriffspunkten und erwähnten ausdrücklich Bandar Abbas sowie die größere der beiden Tunb-Inseln.
Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Weitere Angriffe habe es demnach in Rask im äußersten Südosten, im Raum Bandar Abbas am Persischen Golf sowie in Ahwas im Südwesten gegeben. Die staatliche Agentur Irna berichtete unter Berufung auf einen örtlichen Vertreter, dass vier Orte am Rand von Ahwas getroffen worden seien.
Alarm in Bahrain und Kuwait
Kurz nach Beginn der neuen US-Angriffe wurden in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain erneut Sirenen und Explosionen gemeldet. Kuwaits Militär erklärte auf X, die Luftabwehr sei wegen Drohnenangriffen aktiviert worden. In Bahrain wurden die Einwohner aufgefordert, Schutz zu suchen. Genauere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Beide Staaten waren in den vergangenen Tagen wiederholt Ziel iranischer Gegenangriffe.
Kuwait teilte zudem mit, bereits im Verlauf des Mittwochs vier Marschflugkörper und 21 Drohnen abgefangen zu haben, die in den Luftraum des Landes eingedrungen seien. In Kuwait, Bahrain und weiteren arabischen Staaten der Region unterhalten die USA Militärstützpunkte.
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich angesichts der anhaltenden Eskalation tief besorgt. Er forderte alle Seiten auf, umgehend Schritte zur Deeskalation einzuleiten und zu Gesprächen sowie Diplomatie zurückzukehren. Sollte der Konflikt wieder in voller Intensität aufflammen, drohten nach seinen Worten katastrophale Folgen. Zudem verlangte Guterres erneut, dass die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus gewährleistet bleibt.
USA setzen Seeblockade wieder konsequent durch
Zusätzliche Spannungen entstehen durch die von den USA erneut durchgesetzte Blockade iranischer Häfen. Nach einer zwischenzeitlichen Unterbrechung wird diese seit Dienstag wieder aktiv umgesetzt. Laut US-Angaben wurden in den ersten 24 Stunden zwei Handelsschiffe umgeleitet, die versucht hätten, die Sperre zu missachten.
Centcom teilte außerdem mit, das US-Militär habe am Mittwoch einen unbeladenen Öltanker angegriffen, der einen iranischen Hafen im Persischen Golf anlaufen wollte. Die Besatzung habe mehrere Warnungen ignoriert und versucht, die Blockade zu durchbrechen. Das unter der Flagge Curaçaos fahrende Schiff sei in internationalen Gewässern in Richtung der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg unterwegs gewesen. Nach US-Angaben wurde der Schornstein des Tankers mit Raketen beschossen, wodurch das Schiff manövrierunfähig wurde.
Bereits ab Mitte April hatten die Vereinigten Staaten im Zuge des Iran-Kriegs eine Seeblockade gegen Schiffe durchgesetzt, die iranische Häfen oder Küstengebiete anliefen oder von dort kamen. Mitte Juni war diese Regelung im Zusammenhang mit einem Rahmenabkommen mit Teheran aufgehoben worden. Während der früheren Blockade hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun weitere außer Gefecht gesetzt, weil deren Besatzungen nicht kooperiert hätten.
Die an der Georgetown University lehrende US-Journalistin Tara Kangarlou bezweifelt allerdings, dass die Seeblockade die iranische Wirtschaft entscheidend treffen wird. Dem Sender Al Jazeera sagte sie, Teheran habe längst Wege gefunden, weiter Öl zu exportieren. Als mögliche Ausweichrouten nannte sie unter anderem das Kaspische Meer sowie Verbindungen über Pakistan, Afghanistan, den Irak und die Türkei.
Welche Schritte plant Trump?
Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Trump neige dazu, das militärische Vorgehen gegen den Iran auszuweiten. Eine endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen sei aber noch nicht gefallen. Demnach stehen mehrere Optionen im Raum: zusätzliche Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen zur Einnahme iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus sowie ein Angriff auf eine iranische Atomanlage, die unter dem Namen „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Trump hatte zuletzt bereits mit einem Schlag gegen den Komplex gedroht, der sich im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans befindet.
Zugleich verschärfte der US-Präsident seine Rhetorik gegenüber ziviler Infrastruktur. Auf die Frage, ob er dem Iran ein Ultimatum setze, bevor Bombardierungen von Brücken beginnen könnten, sagte Trump am Mittwoch, er halte nichts davon, Fristen zu setzen.
Trump fordert Verhandlungen – oder ein hartes Ende
Bereits am Dienstag hatte Trump im Interview mit dem Sender Fox News erklärt, in der kommenden Woche würden Kraftwerke und Brücken zerstört, falls der Iran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre. Zugleich kündigte er heftige Angriffe auch für die nächsten Nächte an.
Am Mittwoch bekräftigte Trump dann erneut seine Darstellung, Teheran wolle „unbedingt“ eine Einigung zur Beendigung der Kämpfe erzielen. Dem Iran gefalle nicht, was die USA derzeit täten, und man wolle die Lage beilegen, erklärte er. Ob es zu einer Verständigung komme oder ob die Vereinigten Staaten die Angelegenheit „zu Ende bringen“, werde sich zeigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber