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Hitze-Alarm: Streit um unser Wasser eskaliert

Blumen gießen verboten? In immer mehr Teilen Europas wird Wasser knapp – und jetzt spitzt sich auch die Lage in Deutschland zu.

16.07.2026, 04:12 Uhr

Wasserknappheit in Europa: Minister warnt vor Konflikten – auch Irland verhängt Beschränkungen

Der Wassermangel in Teilen Europas verschärft sich weiter. Bundesumweltminister Carsten Schneider warnt davor, die Entwicklung zu unterschätzen. Dem Spiegel sagte der SPD-Politiker, künftig werde es ernsthafte Konflikte um Wasser geben – auch in Deutschland. Deutschland sei bislang ein wasserreiches Land gewesen, doch das ändere sich gerade.

Schneider verweist dabei auch auf mögliche wirtschaftliche Folgen. Als Beispiel nannte er den Halbleiterkonzern Infineon in Dresden. Der Standort habe auch mit der Elbe zu tun, denn gerade die Halbleiterproduktion benötige große Mengen Wasser. Zugleich sei die Sorge vor fehlendem Wasser eine Urangst vieler Menschen – schließlich gehe es um eine zentrale Existenzgrundlage.

Auch in Deutschland verschärft sich die Lage. Nach Angaben des Deutschen Städtetags sehen sich inzwischen rund 80 Kommunen in heißen Sommern gezwungen, per Allgemeinverfügung den Umgang mit Wasser einzuschränken. Dabei geht es etwa um die Nutzung von Trink- und Grundwasser oder um zeitweise Verbote, Wasser aus Flüssen und Seen zu entnehmen.

Auch Irland greift zum „Gartenschlauchverbot“

Die anhaltende Hitze führt inzwischen selbst im sonst regenreichen Irland zu Einschränkungen beim Wasserverbrauch. Seit Donnerstag gilt in Dublin und Teilen des Ostens des Landes für sechs Wochen eine „Water Conservation Order“, im Alltag auch als Gartenschlauchverbot bekannt. Vergleichbare Maßnahmen bestehen bereits in Teilen Bayerns sowie in Frankreich, Italien und der Schweiz.

Der staatliche irische Versorger Uisce Éireann begründet den Schritt mit sinkenden Pegeln in Flüssen und Speichern. Landesweit liegt der private Wasserverbrauch demnach etwa 20 Prozent über dem üblichen Wert. Im Großraum Dublin wurden zuletzt täglich bis zu 693 Millionen Liter verbraucht – rund 50 Millionen Liter mehr als im Durchschnitt.

Untersagt ist nun unter anderem, Gärten mit dem Schlauch zu bewässern, Autos zu waschen oder größere Pools zu füllen. Auch Springbrunnen und Zierteiche dürfen nicht mit Leitungswasser gespeist werden. Fischteiche sind von der Regel ausgenommen. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen rechnen.

Verbände drängen auf sparsameren Umgang

Der Deutsche Städtetag fordert angesichts solcher Entwicklungen ein Umdenken. Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Wasser sei in Deutschland lange als praktisch unbegrenzt angesehen worden – diese Vorstellung sei inzwischen überholt. Zwar sei die Versorgung derzeit weiter gesichert, dennoch müssten Bund und Länder einheitliche Regeln für Entnahmeentgelte schaffen.

Diese sollten sich ausdrücklich auf die kommerzielle Nutzung beziehen, nicht auf private Haushalte. Vor allem Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft sollten stärkere Anreize zum Sparen erhalten.

Auch die Grünen verlangen mehr Verantwortung von Unternehmen mit hohem Wasserverbrauch. Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann betonte gegenüber den Funke-Zeitungen, Betriebe, die große Mengen Wasser entnehmen, müssten dafür auch Verantwortung übernehmen. Zudem sprach sie sich für bundesweit einheitliche Vorschriften aus. Trinkwasser für die Bevölkerung müsse stets Vorrang haben und dürfe nicht wie irgendein gewöhnliches Handelsgut behandelt werden.

Der Deutsche Landkreistag stellte sich hinter kommunale Auflagen. Präsident Achim Brötel verwies darauf, dass Hitze- und Trockenphasen in vielen Regionen häufiger würden. In solchen Zeiten müsse auch privater Komfortverbrauch – etwa das Füllen von Pools – kritisch betrachtet werden. Vorrangig setze man jedoch auf Einsicht und verantwortungsvolles Verhalten der Bürgerinnen und Bürger.

München, Frankreich und Italien mit strengen Regeln

Zuletzt hatte die Stadt München umfangreiche Maßnahmen beschlossen. Dort ist es inzwischen verboten, private Schwimmbecken zu befüllen, den Rasen zu sprengen oder Wasser aus Seen und Flüssen abzupumpen. Bei Verstößen können Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

Oberbürgermeister Dominik Krause erklärte, nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling seien die Reserven der Münchner Wasserversorgung derzeit äußerst strapaziert.

In Frankreich hat sich die Trockenheit nach der dritten Hitzewelle über weite Landesteile ausgebreitet. Beschränkungen gelten nicht nur im Süden, sondern auch im grenznahen Département Moselle, wo Auflagen bis Ende August angeordnet wurden.

In Italien wiederum ist es in Regionen wie der Toskana und Latium verboten, Leitungswasser für private Gärten, Pools oder das Abspritzen von Höfen und Autos zu verwenden.

Schweiz setzt auf ungewöhnliche Regeln

Auch in der Schweiz ist die Lage angespannt. Die Gemeinde Coldrerio im Kanton Tessin sprach bereits von einer kritischen Situation und Anzeichen einer neuen Wasserkrise. Um den Verbrauch zu steuern, wurde dort ein ungewöhnliches System eingeführt: Bewohner mit geraden Hausnummern dürfen ihre Blumenbeete nur montags, mittwochs und freitags gießen, diejenigen mit ungeraden Nummern an den übrigen drei Tagen. Ausgenommen sind Topfpflanzen und kleine Hausgärten.

Im Emmental im Kanton Bern ist zudem etwa das Bett des Fankhusbachs bereits ausgetrocknet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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