Politik

Warum irreguläre EU-Grenzübertritte stark einbrechen

Weniger illegale Einreisen – doch Ceuta zeigt, wie schnell Europas Außengrenzen kippen können. Warum Frontex jetzt warnt.

10.09.2026, 16:57 Uhr

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres deutlich weniger unerlaubte Grenzübertritte an den Außengrenzen der Europäischen Union registriert. Nach Angaben der Behörde in Warschau wurden mehr als 74.000 illegale Einreisen gezählt. Das entspricht einem Rückgang um 35 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Frontex führt diese Entwicklung vor allem auf die anhaltende Zusammenarbeit mit Partnerstaaten sowie auf vorbeugende Maßnahmen in wichtigen Herkunftsländern zurück.

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner wertete die Zahlen als Beleg für einen Kurswechsel in der europäischen Migrationspolitik. Seit 14 Monaten gehe die Zahl der irregulären Grenzübertritte kontinuierlich zurück, sagte er. Nun komme es darauf an, die Außengrenzen weiter zu sichern und die bisherigen Erfolge dauerhaft abzusichern.

Ceuta-Situation in den Zahlen nicht vollständig erfasst

Gleichzeitig weist Frontex darauf hin, dass die Statistik die umfangreiche Migrationsbewegung von Marokko in die spanische Exklave Ceuta Ende Juli nicht vollständig abbilde. Eine verlässliche Gesamtzahl sei wohl kaum festzustellen, da viele Menschen nach Marokko zurückkehrten, bevor sie offiziell registriert werden konnten.

Nach spanischen Regierungsangaben gelangten damals zeitweise rund 80.000 Menschen nach Ceuta. Marokko sprach hingegen von etwa 40.000 Ankünften. Beim Versuch, die Exklave zu erreichen, kamen 83 Menschen ums Leben. Das Ereignis entfachte erneut eine Diskussion über den Schutz der EU-Außengrenzen und über die Verantwortung Spaniens.

Aus dem Umfeld von Frontex hieß es, die Lage an den europäischen Außengrenzen sei im Sommer insgesamt ruhig gewesen. Ceuta habe jedoch gezeigt, wie schnell sich eine zunächst stabile Situation verändern könne. Schleusernetzwerke verschwänden nicht allein deshalb, weil die Zahlen sinken. Stattdessen warteten sie auf günstige Gelegenheiten, um diese gezielt auszunutzen. Für genau solche Momente müsse Frontex einsatzbereit sein.

Mittelmeer bleibt wichtigste Fluchtroute

Den Frontex-Daten zufolge verlaufen die bedeutendsten Migrationswege weiterhin über das Mittelmeer. Besonders die Route über das östliche Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland sowie die zentrale Mittelmeerroute von Libyen und Tunesien in Richtung Italien und Malta machten zusammen fast 60 Prozent aller registrierten irregulären Einreisen aus.

Auf beiden Strecken verzeichnete die Behörde einen klaren Rückgang. Anders sieht es jedoch auf der Route über das westliche Mittelmeer nach Spanien aus: Dort stieg die Zahl der Ankünfte laut Frontex um 34 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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