Politik

Warnschüsse im Ärmelkanal: Rentnerpaar trotzt Moskau

Warnschüsse im Ärmelkanal? Jetzt bricht die Crew der britischen Jacht ihr Schweigen – und widerspricht Moskaus Version.

17.06.2026, 09:25 Uhr

Der Zwischenfall im Ärmelkanal, bei dem eine russische Fregatte Warnschüsse abgab, wirft weiterhin Fragen auf. Ein britisches Ehepaar im Ruhestand, das mit seiner Jacht unterwegs war und sich im Zentrum des Vorfalls befand, widerspricht inzwischen der Darstellung aus Moskau.

Nach Angaben der beiden Segler reagierten sie umgehend auf Warnsignale der Fregatte, als sie sich dem Kriegsschiff bis auf rund 500 Meter genähert hatten. Gegenüber der BBC sagte Skipperin Jane Kelvey, die Warnungen per Schiffshorn seien rasch hintereinander erfolgt, kurz darauf seien Schüsse aus Handfeuerwaffen gefallen. Die 68-Jährige bezeichnete das Vorgehen als "völlig unnötig". Zudem betonte sie, die russische Seite stelle den Ablauf falsch dar: Aus ihrer Sicht habe die Crew der Jacht nichts falsch gemacht.

Britische Regierung stützt russische Version

Aus Russland hieß es dagegen, die Jacht habe auf mehrere Kontaktaufnahmen nicht reagiert und sei dem Kriegsschiff immer näher gekommen. Erst als der Abstand auf etwa 150 Meter geschrumpft sei, habe der Kommandant der Fregatte den Befehl zu Warnschüssen gegeben. Das zuständige Ministerium in Moskau erklärte, die Besatzung der "Admiral Grigorowitsch" habe sich strikt an internationale Regeln der Schifffahrt gehalten und alles unternommen, um eine Eskalation zu vermeiden.

Das britische Außenministerium wies unterdessen Vermutungen zurück, wonach es sich um eine Reaktion auf das jüngste Vorgehen gegen den Öltanker "Smyrtos" handeln könnte, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Die britische Marine hatte das Schiff erst vor wenigen Tagen gestoppt.

Auch aus dem britischen Verteidigungsministerium hieß es, die Schüsse seien nicht direkt auf die Jacht abgegeben worden. Vielmehr habe es sich um einen Versuch gehandelt, eine mögliche Kollision zu verhindern, berichtete die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf einen Sprecher. London geht demnach von einem Einzelfall aus und sieht keinen Zusammenhang mit dem Fall der "Smyrtos".

Trotzdem spekulieren britische Medien über eine gezielte Machtdemonstration aus Moskau. Nach Einschätzung von Experten könnte die Präsenz russischer Kriegsschiffe dazu dienen, westliche Maßnahmen gegen die sogenannte Schattenflotte abzuschrecken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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