Fußball

Atem-Trick & Familie: Was Tah bei der WM droht

Warum Jonathan Tah nach Abidjan flog und mit einem Atemcoach trainiert – vor dem emotionalen WM-Kracher.

17.06.2026, 09:13 Uhr

Jonathan Tah vor Duell mit der Elfenbeinküste im Fokus

Wer Anja Tah zuhört, könnte kaum glauben, dass ihr Sohn Jonathan einmal zu einem der prägenden Defensivspieler der deutschen Nationalmannschaft werden würde. Im persönlichen Nominierungsvideo zur Fußball-WM beschreibt sie ihn als früheren „chaotischen Wirbelwind“. Heute sehe sie in ihm einen positiven, einfühlsamen und starken Charakter.

Auch wenn mütterliche Einschätzungen naturgemäß nicht völlig neutral sind, passt dieses Bild zu dem Eindruck, den Tah inzwischen auf und neben dem Platz hinterlässt. Der Innenverteidiger hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert weiterentwickelt. Vor dem zweiten Gruppenspiel der DFB-Auswahl am Samstagabend in Toronto richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf seine sportliche Rolle, sondern auch auf seine familiären Wurzeln. Über seinen Vater Aquila Tah hätte der 30-Jährige schließlich ebenso für die Elfenbeinküste auflaufen können.

Enge Verbindung zu den familiären Wurzeln

Im Teamquartier in Winston-Salem sprach Tah offen über seine Beziehung zu dem westafrikanischen Land. Ruhig und reflektiert schilderte er, wie sehr ihn beide Seiten seiner Herkunft geprägt haben. Er sei in Deutschland aufgewachsen und fühle sich selbstverständlich als Deutscher, sagte Tah. Zugleich habe er durch seinen Vater viel von der ivorischen Kultur mitbekommen und empfinde daher eine enge Verbundenheit zur Elfenbeinküste.

Eine Karriere im Nationalteam des afrikanischen Landes sei für ihn dennoch nie wirklich ein Thema gewesen, obwohl es bereits 2014 entsprechende Anfragen gegeben habe.

Merz spricht per Videocall mit Spielern der Nationalmannschaft
Beim Handy-Talk mit dem Kanzler wird der Stellenwert Tahs im DFB-Team deutlich. (Archivbild) Quelle: Max Galys/DFB/dpa

Vor Kurzem reiste Tah nach Abidjan, wo seine Großmutter lebt. Gemeinsam mit seiner Frau sowie Verwandten aus Hamburg wollte er das Land seiner väterlichen Familie intensiver erleben. Besonders Musik, Essen und die Kultur vor Ort hätten ihn interessiert. Eindrücklich in Erinnerung geblieben sei ihm unter anderem ein Marktbesuch, der für Besucher von außen durchaus gewöhnungsbedürftig gewesen sei.

Vom Verteidiger zum Führungsspieler

Diese persönliche Reife zeigt sich auch sportlich. Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht in Tah längst eine prägende Figur in der deutschen Viererkette. Im DFB-Nominierungsvideo lobte er, Tah gehe sowohl als Persönlichkeit als auch als Spieler voran. Für Nagelsmann ist er ein klarer Anführer der Abwehr und aus seiner Sicht sogar in der Lage, ein herausragendes WM-Turnier zu spielen.

Mit Begriffen wie „Abwehrchef“ kann Tah selbst allerdings wenig anfangen. Er betont lieber das Zusammenspiel der gesamten Defensive. Sein Innenverteidiger-Partner Nico Schlotterbeck sieht das pragmatischer und sagt offen, dass Tah auf dem Platz die Kommandos gibt. Gemeinsam bilde man ein Duo auf höchstem Niveau. Dass Tah inzwischen sogar den langjährigen Abwehrleader Antonio Rüdiger verdrängt hat, unterstreicht seinen gewachsenen Stellenwert zusätzlich.

Wie hoch sein Ansehen im Team mittlerweile ist, zeigte sich auch abseits des Rasens: Beim Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz gehörte Tah neben Kapitän Joshua Kimmich und Vize-Kapitän Kai Havertz zu den drei ausgewählten Nationalspielern.

Ständige Suche nach Weiterentwicklung

Tah gilt als jemand, der gezielt in seine Entwicklung investiert. So absolvierte er unter anderem einen Workshop bei einem Atemtrainer aus Neuseeland. Der gläubige Christ setzt bewusst darauf, seinen Horizont zu erweitern und neue Impulse aufzunehmen.

Ein wichtiger Schritt in seiner Karriere war die Double-Saison mit Bayer Leverkusen vor zwei Jahren. Zwar standen damals häufig Granit Xhaka als Führungsspieler und Florian Wirtz mit seiner Kreativität stärker im Rampenlicht, doch Tahs Fortschritte waren klar erkennbar. Das Bild des früher mitunter etwas ungelenk wirkenden Verteidigers verschwand dabei immer mehr.

Auch in München weiter gereift

Besonders beeindruckt zeigte sich Nagelsmann von Tahs erster Saison beim FC Bayern. Gerade im anspruchsvollen Münchner Umfeld sei dessen Entwicklung alles andere als selbstverständlich gewesen, betonte der Bundestrainer.

Ob Tah damit aktuell die beste Version seiner selbst ist, möchte der Abwehrspieler so nicht stehen lassen. Solche Aussagen gefallen ihm nicht, weil sie aus seiner Sicht so wirken, als sei das Ende der Entwicklung bereits erreicht. Genau das will er vermeiden. Für Tah ist klar: Wer besser werden will, darf sich selbst keine Grenzen setzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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