Fußball

Eigentor-Elfer! Österreich zittert sich gegen Jordanien

Österreich wankt gegen Jordanien überraschend heftig – doch am Ende jubelt Rangnicks Team trotzdem über den Auftaktsieg.

17.06.2026, 08:09 Uhr

Österreich holt drei Punkte, spielerisch bleibt vieles Stückwerk

Österreich ist mit einem 3:1 (1:0) gegen WM-Neuling Jordanien in seine erste Weltmeisterschaft seit 28 Jahren gestartet und hat zugleich den ersten WM-Sieg seit 1990 eingefahren. Für das Team von Ralf Rangnick zählte am Ende vor allem das Ergebnis – spielerisch blieb Rot-Weiß-Rot im Stadion in der San Francisco Bay Area aber deutlich unter den eigenen Möglichkeiten.

Immerhin: Durch die drei Punkte ist der Druck vor dem zweiten Gruppenspiel nicht ganz so groß, wie er es nach einem Fehlstart gewesen wäre. Denn gegen den kommenden Gegner Argentinien wird eine klare Leistungssteigerung nötig sein.

Romano Schmid brachte Österreich in der 20. Minute mit einem sehenswerten Distanzschuss in Führung. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ali Olwan (50.) sorgte ein Eigentor von Yazan Al-Arab in der 77. Minute für die erneute Führung. In der langen Nachspielzeit stellte der eingewechselte Marko Arnautovic per Handelfmeter den 3:1-Endstand her (90.+12).

Trotz des Sieges hatte Österreich große Probleme mit der disziplinierten, zweikampfstarken und mutigen Spielweise der Jordanier. Alexander Schlager und auch die Latte verhinderten mehrfach, dass der Außenseiter zumindest einen Punkt mitnahm. Rangnick sprach daher von einem „enorm wichtigen“ Erfolg: „Es war enorm wichtig, ein ganz, ganz wichtiger Schritt, dass wir dieses Spiel noch gezogen haben.“

Jordanien beginnt mutig, Schmid trifft traumhaft

Jordanien versteckte sich von Beginn an nicht und setzte Österreich mit aggressivem Pressing und guter Ordnung früh unter Druck. Kapitän Ihsan Haddad verfehlte das Tor zunächst knapp, später musste Schlager gegen Odeh Al-Fakhouri stark eingreifen.

Österreich tat sich gegen die kompakte Defensive lange schwer und brauchte eine Einzelaktion, um gefährlich zu werden. Die lieferte Schmid: Der 26-Jährige von Werder Bremen zirkelte den Ball aus rund 20 Metern präzise in den Winkel und erzielte damit das erste österreichische WM-Tor seit 1998.

Jordanien gleicht verdient aus

Wer nach dem Rückstand einen Einbruch der Jordanier erwartet hatte, sah sich getäuscht. Ali Olwan kam zunächst per Kopf zu einer großen Chance, doch die Latte rettete für Österreich. Kurz darauf scheiterte er erneut an Schlager.

Auch nach dem 1:0 brachte Österreich offensiv nur wenig zustande und ließ dem Gegner vor allem bei Umschaltsituationen zu viel Raum. Nach einem Ballverlust wurde Olwan nicht entscheidend gestört und traf mithilfe des Pfostens zum verdienten 1:1. Der Treffer wurde von den zahlreichen jordanischen Fans im Stadion lautstark gefeiert.

Rangnicks Idee, Konrad Laimer lange in einer spielgestaltenden Rolle einzusetzen, brachte nur wenig Ertrag. Erst in der Schlussphase steigerte sich Österreich etwas.

Eigentor und Elfmeter entscheiden die Partie

Arnautovic hatte zunächst das vermeintliche 2:1 erzielt, doch nach Videostudium wurde der Treffer wegen eines Handspiels von Stefan Posch aberkannt. Wenig später fiel die Führung dennoch: Arnautovic setzte einen jordanischen Verteidiger unter Druck, woraufhin Yazan Al-Arab den Ball ins eigene Tor lenkte.

In der Schlussphase griff der Videoassistent erneut ein. Nach Überprüfung gab es noch einen Handelfmeter für Österreich, den Arnautovic sicher verwandelte.

Nach dem Zittersieg rückt sofort Messi in den Fokus

Der am häufigsten genannte Name nach dem Schlusspfiff war weder ein österreichischer noch ein jordanischer, sondern ein argentinischer: Lionel Messi. Das bevorstehende Duell mit dem Titelverteidiger rückte unmittelbar nach dem mühsamen Auftaktsieg in den Mittelpunkt.

Argentinien gewann sein erstes Spiel gegen Algerien mit 3:0 – alle drei Tore erzielte Messi. Entsprechend groß war der Respekt im österreichischen Lager vor dem nächsten Gegner.

Kapitän David Alaba zeigte sich beeindruckt vom Auftritt des 38-Jährigen: „Unglaublich. Dass Messi in so ein Turnier gleich wieder mit einem Hattrick startet, ist Wahnsinn.“ Mit Blick auf das direkte Duell am Montag ergänzte er: „Gott sei Dank hat er das heute gemacht und – hoffen wir – nicht nächste Woche.“

Auch Torschütze Schmid erwartet eine enorme Herausforderung: „Jeder weiß, was auf uns zukommt: eine Weltklasse-Mannschaft, vielleicht die beste Mannschaft, gegen die ich jemals gespielt habe. Messi ist der beste Spieler, den es je gab für mich persönlich.“

Torhüter Schlager hob vor allem die Ausstrahlung des achtmaligen Weltfußballers hervor. „Er hat eine unglaubliche Präsenz und man merkt das auch bei ihnen im Team, was das ausmacht, wenn er auf dem Platz steht und welche Aura er mitbringt“, sagte er. Mit einem Lächeln schob Schlager nach: „Prinzipiell bin ich eher der Ronaldo-Typ. Aber das ist ein Spieler, der über so, so viele Jahre so gute Leistungen gebracht hat. Das wäre vermessen, irgendwas dagegen zu sagen.“

Klar ist: Gegen Messi und Co. wird sich Österreich deutlich steigern müssen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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