Politik

USA locken Kubaner mit neuer Nähe

Paukenschlag aus Washington: Rubio umgeht Havannas Führung und wirbt direkt um Kubas Bürger. Beginnt jetzt ein neues Kapitel?

20.05.2026, 16:03 Uhr

Nach jahrzehntelangem Streit stellt die US-Regierung Kuba eine neue Form der Zusammenarbeit in Aussicht. In einer auf Spanisch veröffentlichten Videobotschaft erklärte US-Außenminister Marco Rubio, die Vereinigten Staaten seien bereit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen beiden Ländern und ihren Bevölkerungen zu beginnen. Rubio, dessen Eltern aus Kuba in die USA eingewandert waren, betonte jedoch, dass sich dieses Angebot direkt an die Menschen auf der Insel richte – und nicht an die kommunistische Führung in Havanna.

Vor dem Hintergrund der schweren Versorgungskrise auf Kuba stellte Rubio Hilfen im Umfang von 100 Millionen US-Dollar in Aussicht. Lebensmittel und Medikamente sollten nach seinen Vorstellungen allerdings nicht über die militärnahe Holding Gaesa verteilt werden, die große Teile der kubanischen Wirtschaft beherrscht. Stattdessen sollten die Lieferungen über die katholische Kirche oder unabhängige Hilfsorganisationen an die Bevölkerung gelangen.

Washington wirbt für ein „neues Kuba“

Rubio sagte weiter, Präsident Donald Trump eröffne einen neuen Weg für die Beziehungen zwischen den USA und einem veränderten Kuba. Er zeichnete das Bild eines Landes, in dem gewöhnliche Bürger selbst Unternehmen wie Tankstellen, Bekleidungsgeschäfte oder Restaurants besitzen könnten – und nicht nur Gaesa. Ebenso sprach er von einem Kuba, in dem Medien wie Fernsehsender oder Zeitungen nicht allein unter Kontrolle der Kommunistischen Partei stünden.

Botschaft zum kubanischen Unabhängigkeitstag

Der Außenminister veröffentlichte seine Videobotschaft am kubanischen Unabhängigkeitstag. Am 20. Mai 1902 war nach vier Jahren unter US-Besatzung die Republik Kuba ausgerufen worden. Die heutige kommunistische Führung lehnt diese Epoche und die damalige, an Washington orientierte Regierung ab. Nach dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 wurde ein sozialistisches System etabliert.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel reagierte auf der Plattform X mit scharfer Kritik. Der 20. Mai stehe in der Geschichte des Landes für Intervention, Einmischung, Ausplünderung und Enttäuschung, schrieb er. Zugleich erklärte er, dieser Tag habe in der kubanischen Bevölkerung ein antiimperialistisches Bewusstsein verankert, das durch fortdauernde Drohungen gegen Unabhängigkeit und Souveränität des Landes weiter wachse.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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