Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant will in Sachsen eine größere Fertigung für weitreichende Marschflugkörper aufbauen. Nach Angaben von Firmenchefin Abigail Denburg soll die Produktion des hauseigenen Systems Anthem im kommenden Jahr im Raum Leipzig anlaufen.
Im ersten Produktionsjahr sind demnach rund 1.000 Exemplare geplant. Perspektivisch soll die Jahreskapazität auf 5.000 Stück steigen. Covenant betreibt nach eigenen Angaben außerdem ein Werk in Dallas im US-Bundesstaat Texas, das die amerikanischen Streitkräfte versorgen soll.
Waffe für Präzisionsangriffe tief im Zielgebiet
Der Marschflugkörper Anthem kann laut Unternehmen einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Zu Berichten über eine mögliche Reichweite von 1.500 Kilometern äußert sich Covenant nicht. Das System wird von der Firma als Mittel für Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet beschrieben.
Covenant wirbt zudem mit einem deutlich niedrigeren Preis als bei vergleichbaren Systemen. Anthem solle im sechsstelligen Dollarbereich kosten, also unter einer Million US-Dollar. Andere Waffen dieser Kategorie lägen üblicherweise bei mehreren Millionen Dollar pro Stück.
Massenproduktion soll der Abschreckung dienen
Nach Darstellung des Unternehmens hat die geplante Großserie vor allem militärstrategische Gründe. Umfangreiche Bestände sollten potenzielle Gegner stärker abschrecken und die Einsatzfähigkeit der Kunden über längere Zeit sichern. Denburg betonte, Abschreckung verändere sich, wenn ein Staat nicht nur einzelne Schläge ausführen könne, sondern über ein größeres Arsenal verfüge.
Gespräche mit Deutschland nicht bestätigt
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Covenant bereits Gespräche mit der Bundeswehr und der zuständigen Beschaffungsbehörde führen. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Denburg sagte jedoch ohne direkten Deutschland-Bezug, es gebe bereits einen Produktionsvertrag für Lieferungen aus Deutschland ab dem ersten Quartal 2027. Welcher europäische Kunde dahintersteht, ließ sie offen.
Junges Unternehmen mit prominenten Investoren
Covenant wurde erst 2024 gegründet und hat seinen Sitz in Washington. Nach eigenen Angaben sammelte das Unternehmen in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Millionen US-Dollar ein.
Zu den Geldgebern zählt demnach auch ein Fonds aus dem Umfeld von Peter Thiel. Der Investor ist für seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump sowie für libertäre und rechtskonservative Positionen bekannt. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte in der Vergangenheit öffentlich erklärt, er teile Bedenken gegenüber Thiel ausdrücklich. In der Debatte geht es unter anderem um mögliche neue Abhängigkeiten – aber auch um die Frage, ob Europa ohne zusätzliche Produktion im Krisenfall mit zu leeren Munitionslagern dastehen könnte.
Ex-General Marlow berät Covenant in Deutschland
In Deutschland wird Covenant nach eigenen Angaben von Generalleutnant a.D. Andreas Marlow beraten. Er war bis 2025 Stellvertreter des Heeresinspekteurs und leitete seit 2022 auch die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Marlow wird mit der Einschätzung zitiert, ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper sei ein fehlendes Puzzlestück der Abschreckungsarchitektur.
Debatte über europäische Langstreckenwaffen
Deutschland und andere europäische Nato-Staaten arbeiten derzeit daran, weitreichende Waffensysteme als Antwort auf die russische Bedrohung zu beschaffen oder selbst zu entwickeln. Beim Nato-Gipfel in Ankara hatte sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern verständigt.
Anfang September absolvierte die Deutsche Marine zudem erfolgreich einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Systems Lora, einer ballistischen Rakete. Mit dem Taurus verfügt Deutschland bereits über einen eigenen Marschflugkörper, von einer Massenproduktion ist das Land aber weit entfernt.
Eigene Mittelstreckenwaffen besitzen die europäischen Nato-Staaten bislang nicht. Mehrere Verbündete wollen mittelfristig gemeinsam ein System für weitreichende Präzisionsangriffe auf hochwertige Ziele entwickeln. Dafür wurde 2024 beim Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa (European Long-Range Strike Approach) auf den Weg gebracht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber