Politik

Urteil da: NSU-Helferin Susann E. muss zwei Jahre in Haft

NSU-Helferin Susann E. kommt mit Bewährung davon – warum das Urteil jetzt für heftige Reaktionen sorgt

17.07.2026, 10:10 Uhr

Das Oberlandesgericht Dresden hat die NSU-Unterstützerin Susann E. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Die 45-Jährige wurde nach Gerichtsangaben der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen sowie der Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen in einem Fall schuldig gesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ausweis und Krankenkassenkarte an Zschäpe überlassen

Vor dem OLG musste sich Susann E. unter anderem dafür verantworten, dass sie der Rechtsterroristin Beate Zschäpe ihren Personalausweis und ihre Krankenkassenkarte überließ. Zudem warf die Bundesanwaltschaft ihr vor, bei der Anmietung eines Wohnmobils geholfen zu haben, das der NSU 2011 bei seinem letzten Raubüberfall nutzte.

Eine zentrale Frage im Prozess war, ob Susann E. von den rassistischen Morden des NSU wusste. Bei der Strafe blieben die Richter deutlich unter der Forderung der Bundesanwaltschaft, die vier Jahre Haft verlangt hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Susann E. selbst schwieg im Verfahren.

Susann E. ist mit André E. verheiratet, der 2018 als Unterstützer der Neonazi-Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Vor der Urteilsverkündung demonstrierten nach Angaben vor Ort etwa zwei Dutzend Menschen gegen rechte Gewalt und Rechtsextremismus.

NSU verübte zehn Morde in Deutschland

Die Neonazi-Terrorzelle NSU bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Das Trio verübte ab dem Jahr 2000 über Jahre hinweg unerkannt zehn Morde in Deutschland. Zu den Opfern zählten neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin.

Außerdem wurden bei zwei Bombenanschlägen in Köln Dutzende Menschen verletzt. Das Leben im Untergrund finanzierte die Gruppe durch Banküberfälle.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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