Ukraine

Wieder schwere russische Angriffe auf Kiew

Neue Raketenangriffe auf Kiew: Explosionen, Alarm in mehreren Regionen – Selenskyj hatte genau davor gewarnt.

02.06.2026, 02:15 Uhr

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew und weitere Teile des Landes erneut massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen. Nach Behördenangaben kamen landesweit mehr als 20 Menschen ums Leben, mehr als 100 weitere wurden verletzt.

In Kiew waren in der Nacht im Zentrum der Millionenstadt heftige Explosionen zu hören. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden dort mindestens sechs Menschen getötet und 66 weitere verletzt. Unter den Verletzten seien auch drei Kinder. Mehrere Gebäude wurden beschädigt und gerieten in Brand.

Viele Einwohner suchten Schutz in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Zeitweise fiel der Strom aus, außerdem gab es Probleme bei der Wasserversorgung. Die Aufräumarbeiten in der Hauptstadt dauern an.

Menschen unter Trümmern befürchtet

Besonders dramatisch war die Lage im Kiewer Bezirk Podil. Dort stürzte nach Angaben von Bürgermeister Klitschko ein mehrstöckiges Wohnhaus infolge des Angriffs ein. Es wird befürchtet, dass Menschen unter den Trümmern eingeschlossen oder verschüttet sind.

An anderer Stelle wurden die oberen Stockwerke eines 15-stöckigen Wohnhauses beschädigt. Zudem gab es mehrere Brandherde im Stadtgebiet.

Dnipro besonders schwer getroffen

Auch andere Städte wurden in der Nacht angegriffen. In Dnipro wurden nach Behördenangaben 16 Menschen getötet und 42 weitere verletzt. Unter den Verletzten seien vier Kinder, teilte der Militärgouverneur der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, nach Abschluss der Such- und Rettungsarbeiten mit. Insgesamt seien bei dem Angriff mindestens drei Kinder getötet worden.

Schäden in Charkiw und Saporischschja

In der ostukrainischen Stadt Charkiw meldeten die Behörden mindestens zehn Verletzte. Im Gebiet Charkiw wurde nach Angaben des staatlichen Gaskonzerns Naftogaz ein Schlüsselobjekt des Unternehmens zunächst mit Drohnen und anschließend mit Raketen angegriffen. Zu Schäden machte Naftogaz keine näheren Angaben, teilte aber mit, dass es dort keine Opfer gegeben habe.

Zusätzlich wurde in Charkiw eine Lokomotive von einer Drohne getroffen. Nach Angaben der Bahn wurde dabei ein Eisenbahnarbeiter verletzt.

Auch Saporischschja wurde attackiert. Dort wurden mehrere Wohnhäuser beschädigt. Angaben zu möglichen Opfern lagen zunächst nicht vor.

In vielen Regionen waren Stromausfälle eine Folge der Angriffe. Um das Stromnetz zu entlasten, rief der Versorger Ukrenergo dazu auf, stromintensive Geräte möglichst in der Zeit zwischen 11.00 und 15.00 Uhr zu nutzen, wenn viel Solarstrom verfügbar ist.

Luftwaffe meldet Raketen, Drohnen und Hyperschallwaffen

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland neben Drohnen auch ballistische Raketen, Marschflugkörper und die Hyperschallwaffe Zirkon ein. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zu den Angriffen und den Opferzahlen zunächst nicht.

Im westlichen Nachbarland Polen versetzte das Militär seine Luftabwehr wegen der russischen Angriffe in Alarmbereitschaft. Auch die polnische Luftwaffe stieg auf.

Moskau spricht von Angriffen auf militärische Ziele

Das russische Verteidigungsministerium stellte die Attacken als Vergeltung für ukrainische Angriffe dar. Kremlchef Wladimir Putin hatte Kiew am Vorabend mit Blick auf einen Drohnenangriff Ende Mai auf ein Wohnheim im von Russland besetzten Gebiet Luhansk „Verbrechen gegen Kinder und Jugendliche“ vorgeworfen. Bei dieser Attacke sollen 21 junge Menschen, vor allem Berufsschülerinnen, getötet worden sein. Putin behauptete, Kiew habe dem Krieg damit eine „neue Qualität“ gegeben.

Auch diesmal erklärte Moskau, die Angriffe hätten mit „Hochpräzisionswaffen“ ausschließlich militärischen Zielen gegolten. Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums richteten sich Schläge mit Hyperschallwaffen, ballistischen Raketen und Drohnen gegen Unternehmen der Rüstungsindustrie in Kiew, Saporischschja, Charkiw und Dnipro, gegen Ziele in den Gebieten Poltawa, Chmelnyzkyj und Sumy sowie gegen Treibstoff- und Verkehrsinfrastruktur, die den ukrainischen Streitkräften dienen solle.

Ähnlich äußerte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow. Er sprach von systematischen Schlägen gegen militärische Infrastruktur und forderte, Präsident Wolodymyr Selenskyj müsse seine Streitkräfte aus russisch beanspruchten Regionen abziehen. Russland hat die ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja annektiert, ohne sie vollständig zu kontrollieren.

Angriff folgt auf deutliche Warnungen Selenskyjs

Bereits vor knapp zehn Tagen hatte Russland Kiew massiv mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte seit Ende vergangener Woche mehrfach vor einem weiteren schweren Luftangriff. Dabei räumte er auch ein, dass fehlende Munition für die ukrainische Flugabwehr Probleme bereite.

Nach der neuen Attacke rief Selenskyj den Westen erneut zur Lieferung von Flugabwehrraketen auf. Der Mangel an solcher Munition sei für Russland geradezu ein Signal, kombinierte Angriffe mit Drohnen und Raketen fortzusetzen, schrieb er bei Telegram.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Unterstützung gegen die russische Invasion.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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