Fußball

Wie ein Slowene den WM-Milliardenplan sprengt

Mehr Geld, mehr USA-Macht, mehr Infantino: Der FIFA-Plan wirkt genial – doch ein Slowene könnte alles zum Einsturz bringen.

31.07.2026, 06:01 Uhr

Ceferin formt Europas Widerstand gegen FIFA-Investorenplan

Aleksander Ceferin hat kurz vor dem Ende seiner mehr als zehnjährigen Zeit als UEFA-Präsident wohl eine seiner prägendsten Aktionen geliefert – vermutlich gegen seinen eigenen Wunsch. Innerhalb von nur zwei Tagen organisierte der Slowene den geschlossenen Widerstand Europas gegen den milliardenschweren Investorenplan für die WM, mit dem Gianni Infantino und die FIFA in dieser Woche für großes Aufsehen sorgten.

Empörung, Hohn und offener Konflikt

Die UEFA ging in drei Schritten gegen das Vorgehen des Weltverbands vor. Zunächst kam die scharfe Kritik: Mit dem Plan werde eine Grenze überschritten, die Fußball-Institutionen niemals verletzen dürften. Danach folgte offener Spott über das angebliche Ultimatum bis zum 19. September – aus Sicht der UEFA bereits Beleg genug für die Fragwürdigkeit des Vorhabens.

Am Donnerstag eskalierte die Lage dann vollständig. Ceferin stellte sämtliche 55 UEFA-Mitgliedsverbände hinter sich – darunter den DFB, Weltmeister Spanien und auch Tschechien, das zunächst ausgeschert war. Die Botschaft an die FIFA war unmissverständlich: Europa droht mit einem Boykott aller FIFA-Wettbewerbe, und zwar mit sofortiger Wirkung, solange die Pläne nicht zurückgezogen werden.

Kein UEFA-Team bei FIFA-Turnieren?

In einer Erklärung machte die UEFA deutlich, dass keine europäische Nationalmannschaft mehr an FIFA-Wettbewerben teilnehmen werde, solange die Vorschläge auf dem Tisch lägen. Eine Rückkehr sei nur denkbar, wenn das Modell komplett aufgegeben werde und es verbindliche Garantien gebe, dass die FIFA ihre Führung oder ihre Wettbewerbe niemals privaten Eigentümern öffnet. Viel Raum für Deutung bleibt dabei nicht.

Vergabe der EM der Fußballerinnen 2029
Ceferin (l.) ist in Europa unumstritten. (Archivbild) Quelle: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

Ceferin wird in der Mitteilung zwar nicht namentlich genannt, doch erneut führt der 58-Jährige den Widerstand an. Ähnlich war es bereits 2018 bei Infantinos gescheiterten Milliardenideen und 2021 beim Kampf gegen die Super League, die Ceferin und die UEFA letztlich stoppten.

Gegenpol zu Infantino

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte Ceferin einst ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen – sowohl mit Blick auf dessen Handeln als auch auf seine Person. Seit 2016 führt der Slowene die UEFA, im kommenden Jahr will er nicht noch einmal kandidieren.

In vielerlei Hinsicht gilt Ceferin als Gegenentwurf zu Infantino. Während der FIFA-Boss die Öffentlichkeit gerne sucht, verzichtet Ceferin sogar auf eigene Social-Media-Auftritte.

Beispiellose Einigkeit in Europa

Mit der harten Drohung gegen die FIFA könnte Ceferin nicht nur das Investorenprojekt zu Fall bringen, das mehr Geld, mehr US-Einfluss und wohl auch eine dauerhafte Machtposition für Infantino schaffen sollte. Der Konflikt könnte zudem dazu führen, dass Infantino über das eigene Vorhaben stolpert und seine Stellung früher verliert als erwartet.

Der frühere Karateka und ausgebildete Jurist hat gemeinsam mit der UEFA die Tür für private Investoren bei der FIFA nicht nur geschlossen, sondern praktisch verriegelt. Dass alle 55 europäischen Verbände in so kurzer Zeit gemeinsame, verbindliche Zusagen fordern, die FIFA dürfe sich nie wieder privaten Eigentümern öffnen, ist ein außergewöhnliches Signal der Geschlossenheit – und offenbar das Ergebnis von Ceferins Führung.

Verhältnis zu Infantino seit Langem belastet

Zwischen Ceferin und Infantino herrscht schon länger Spannung. Beim WM-Finale vor knapp zwei Wochen in East Rutherford nahe New York fehlte Ceferin im Stadion, obwohl mit Spanien ein UEFA-Vertreter gegen Argentinien spielte.

Seine Abwesenheit konnte als weiteres Zeichen im Zusammenhang mit dem Wirbel um Folarin Balogun verstanden werden. Der US-Angreifer war bei der WM für das Achtelfinale trotz Rotsperre begnadigt worden, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino interveniert haben soll. Bereits damals hatte die UEFA erklärt, eine rote Linie sei überschritten und die Integrität des Wettbewerbs stehe infrage.

Schon im Herbst droht Chaos

Während des laufenden Turniers zog die UEFA damals noch keine konkreten Konsequenzen. Jetzt ist die Lage anders. Im September steht die U20-WM der Frauen in Polen an, im Oktober folgen die Playoffs für die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Sollte die FIFA den Investorenplan nicht bis zum Ablauf der Frist am 19. September kassieren, könnte die Boykottdrohung sehr schnell praktische Folgen haben – mit chaotischen Auswirkungen für den Weltfußball.

Ceferin kann sich nach dem geschlossenen Signal aus Europa zunächst zurücklehnen und beobachten, wie die FIFA reagiert. Sollte Infantino an dem offenen Konflikt mit den Europäern scheitern, wäre aus Sicht vieler nur ein Name als Nachfolger naheliegend: Aleksander Ceferin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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