Amazon erhöht Investitionen in KI-Infrastruktur deutlich
Amazon plant, im laufenden Jahr weitere 20 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner Infrastruktur für Künstliche Intelligenz zu investieren. Grund dafür sind vor allem stark gestiegene Preise für Speicherchips. Konzernchef Andy Jassy hob die Prognose für die Kapitalausgaben daher von 200 auf 220 Milliarden Dollar an, was derzeit etwa 191 Milliarden Euro entspricht. Dennoch werde die verfügbare Kapazität weiterhin nicht ausreichen, um die Kundennachfrage nach Rechenleistung vollständig zu decken, sagte Jassy in einer Analystenkonferenz. Nach seiner Einschätzung dürfte sich daran auch im Jahr 2027 wenig ändern.
Vom anhaltenden KI-Boom profitiert Amazon derzeit vor allem über seine Cloud-Tochter AWS, die als weltweit größter Anbieter von Rechenkapazität aus dem Netz gilt. Im jüngsten Quartal legte der AWS-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar zu. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt nur mit rund 40,5 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
Jassy betonte zudem, dass sich bereits für 2028 eine außergewöhnlich starke Nachfrage abzeichne. Amazon halte es inzwischen für möglich, dass AWS beim Jahresumsatz langfristig sogar die Marke von einer Billion Dollar überschreiten könne. An der Börse kamen sowohl die Geschäftszahlen als auch dieser optimistische Ausblick gut an: Im nachbörslichen Handel gewann die Amazon-Aktie zeitweise rund zehn Prozent. Bei Meta hatten Anleger die ehrgeizigen KI-Pläne von Gründer und Chef Mark Zuckerberg hingegen zuletzt mit Kursverlusten von etwa acht Prozent beantwortet.
Gewinnsprung auch dank Anthropic-Beteiligung
Der Gesamtumsatz von Amazon stieg im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn kletterte dabei von 18,1 Milliarden Dollar im Vorjahr auf knapp 62,65 Milliarden Dollar. In diesem Ergebnis enthalten sind allerdings auch erhebliche Buchgewinne, unter anderem aus der Neubewertung der Beteiligung an dem KI-Unternehmen Anthropic. Diese beliefen sich vor Steuern auf 53,4 Milliarden Dollar.
Jassy verwies außerdem darauf, dass die aktuellen Infrastrukturkosten auch deshalb besonders hoch seien, weil Amazon neue Rechenzentren komplett von Grund auf errichte. Sobald diese Anlagen fertiggestellt seien, könnten die Gebäude mehr als 30 Jahre genutzt werden. Die darin verbaute Computertechnik müsse dagegen nur etwa alle fünf bis sechs Jahre erneuert werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber