Ariana Grande zwischen Bühnen-Comeback und Filmkarriere
Ariana Grande steht wieder auf der Bühne – obwohl ihr neues Album „petal“ erst jetzt erschienen ist. Bei ihren aktuellen Konzerten dominieren deshalb vor allem Songs aus „Eternal Sunshine“, das bereits 2024 veröffentlicht wurde. Dass zwischen Album und passender Tour so viel Zeit liegt, ist für einen Popstar eher ungewöhnlich. Bei Grande hat das jedoch einen klaren Grund – und zeigt zugleich, wie sehr sich ihr Verhältnis zu Karriere, Ruhm und Öffentlichkeit verändert hat.
Die heute 33-Jährige, bekannt durch Hits wie „No Tears Left to Cry“ und „One Last Time“, war in den vergangenen zwei Jahren vor allem als Glinda im zweiteiligen Musicalfilm „Wicked“ präsent. Die Rolle der guten Hexe galt als Traumrolle für sie, für ihre Leistung erhielt sie sogar eine Oscar-Nominierung. Vor allem aber banden die aufwendigen Dreharbeiten sowie die große Promo-Tour mit Co-Star Cynthia Erivo viel Zeit.
Später Tourstart wegen „Wicked“
Auch deshalb geht Grande erst jetzt mit „Eternal Sunshine“ auf Tour. Parallel dazu veröffentlicht sie mit „petal“ ihr achtes Studioalbum – eine Platte, die ihrem Stil treu bleibt, klanglich aber zugleich stimmungsvoller und stellenweise experimenteller wirkt als frühere Arbeiten.
Grande gehört zu den Künstlerinnen, die seit ihrer Jugend im Rampenlicht stehen. Nicht nur ihre Musik, sondern auch ihr Privatleben wird seit Jahren öffentlich kommentiert. Unter dieser Form von Aufmerksamkeit habe sie gelitten, sagte sie 2025 der „New York Times“. Nichts bereite einen wirklich auf das vor, was mit Ruhm einhergehe. Lange sei es für sie schwer gewesen, damit umzugehen – und das habe ihr viel Freude genommen.
Öffentliche Debatten über Beziehungen und Aussehen
Wie bei vielen prominenten Frauen beschäftigen sich Boulevardmedien regelmäßig mit Grandes Liebesleben. Zuletzt sorgten Berichte über eine Trennung von ihrem „Wicked“-Kollegen Ethan Slater sowie Gerüchte über ein mögliches Liebes-Comeback mit Ex-Freund Ricky Alvarez für Schlagzeilen.
Hinzu kommen immer wieder Diskussionen über ihren Körper. Neue Fotos und Konzertvideos lösten erneut Debatten über ihr Aussehen aus, insbesondere über einen auffälligen Gewichtsverlust, über den viele Fans spekulierten.
Bereits 2023 appellierte Grande in einem TikTok-Video an ihre Follower, sensibler mit dem Äußeren anderer Menschen umzugehen. Man wisse nie, was jemand gerade durchmache, sagte sie damals – deshalb sollten selbst gut gemeinte Kommentare mit Zurückhaltung geäußert werden.
Schwere Erfahrungen prägten ihre Karriere
Die Sängerin, die einst durch Serien und Filme auf Nickelodeon bekannt wurde, musste in ihrem Leben mehrere schwere Schicksalsschläge verkraften. Beim Terroranschlag auf ihr Konzert in Manchester im Jahr 2017 kamen 22 Menschen ums Leben. 2018 wurde ihr früherer Partner, der Rapper Mac Miller, tot in seinem Haus gefunden.
Trotz dieser belastenden Zeit veröffentlichte Grande weiter Musik und ging 2019 mit dem viel gelobten Album „Sweetener“ noch einmal auf Tour.
Eine bewusst kleinere Rückkehr auf die Bühne
Heute wirkt es, als wolle Grande die Bedingungen ihres Popstar-Daseins neu festlegen. Mit den „Eternal Sunshine“-Konzerten absolviert sie ihre erste Tour seit „Sweetener“ vor sieben Jahren. Zwar blieb sie der Kunst treu, zog sich aber aus dem Livegeschäft weitgehend zurück und konzentrierte sich unter anderem auf Filmprojekte wie „Wicked“.
Ihre jetzige Bühnenrückkehr fällt deutlich kontrollierter aus. Im Gespräch mit Nicole Kidman für das Magazin „Interview“ erzählte Grande, dass sie nur etwa halb so viele Konzerte spiele wie auf früheren Tourneen. In den vergangenen Jahren habe sie ihr Verhältnis zur Musik und zum Touren regelrecht „geheilt“.
„Ich muss das, was ich liebe, nicht aufgeben“
Grande sagte, sie habe sich viel Zeit genommen, um ihre Beziehung zum Musikmachen neu zu ordnen. Die Jahre ohne Tourneen hätten ihr geholfen, sich bestimmte Aspekte ihrer Kunst zurückzuholen. Außerdem habe sie es geschafft, belastende Gefühle rund um Ruhm und Künstlerdasein von der Musik selbst zu trennen.
Sie müsse das, was sie liebe, nicht aufgeben, erklärte sie. Stattdessen könne sie negative Begleiterscheinungen beiseitelegen, ohne ihre Begabung aus den Augen zu verlieren. Auch die Schauspielerei und ihre Zeit als Glinda hätten ihr dabei geholfen, neue Kraft zu schöpfen. Musik und Tourneen seien für sie lange mit traumatischen Erfahrungen verbunden gewesen – inzwischen spüre sie, dass diese Last langsam nachlasse.
Kino bleibt wichtig – und „petal“ zeigt neue Facetten
Sicher ist: Auch auf der Leinwand wird Grande vorerst präsent bleiben. In der Fortsetzung der Komödie „Meine Frau, unsere Schwiegertochter und ich“ soll sie Ende des Jahres gemeinsam mit Robert De Niro und Ben Stiller zu sehen sein. Auch das rund fünfminütige Musikvideo zu „hate that i made you love me“, der ersten Auskopplung aus „petal“, ist wie ein Kurzfilm inszeniert.
Über das Album selbst war im Vorfeld nur wenig bekannt. In einem Instagram-Video beschrieb Grande „petal“ – auf Deutsch „Blütenblatt“ – als etwas „Ungezähmtes“. Es gehe um etwas Lebendiges, das sich durch die Risse von etwas Kaltem, Harten und Herausfordernden kämpfe. Das Projekt komme aus einem inneren Ort, den sie früher vielleicht aus Schüchternheit oder Höflichkeit gemieden hätte. Heute, so ihr Eindruck, fühle es sich eher an wie: „Scheiß drauf.“
So klingt das neue Album
Tatsächlich zeigt Grande auf den zwölf neuen Songs eine reifere Seite. Ihre Stimme wirkt zart und stellenweise zurückhaltender, als man es von den großen, kraftvollen Popmomenten früherer Hits kennt. Gleichzeitig wagt sie sich klanglich an experimentellere Nuancen heran – etwa im Opener „kiss me“ oder in „bad thing (bunny hop)“, das stellenweise sogar leicht nach Indie-Pop klingt.
Zu den eingängigsten und energiegeladensten Stücken des Albums zählen „like i do“ und „never get over me“. Insgesamt bleibt „petal“ deutlich im Grande-Kosmos verankert, öffnet ihn aber spürbar für neue Stimmungen und feinere Zwischentöne.
Liebe, toxische Beziehungen und Kritik am Rampenlicht
Inhaltlich kreist das Album um Liebe, komplizierte oder auch toxische Beziehungen – aber ebenso um das Leben im Rampenlicht. Gerade in „hate that i made you love me“ klingt an, wie sehr Grande sich mit Projektionen von außen auseinandersetzt. Dort singt sie sinngemäß davon, fremde Erwartungen und Unsicherheiten ausgehalten zu haben, und stellt die Frage, ob sie wirklich schuld daran sei, dass andere ihr freiwillig ihr Herz geschenkt hätten.
Das lässt sich durchaus als Seitenhieb auf mediale Zuschreibungen und die permanente öffentliche Bewertung lesen. So wirkt „petal“ nicht nur persönlicher, sondern auch selbstbewusster – als Album einer Künstlerin, die ihren Platz im Pop neu bestimmt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber