Ukraine

Ukraine schockt Russland mit neuer Drohnen-Welle

Schon wieder Drohnenalarm in St. Petersburg: Während des Wirtschaftsforums trifft es erneut die Millionenstadt – und weitere Regionen.

06.06.2026, 08:45 Uhr

Am letzten Tag des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg ist die russische Millionenstadt nach Behördenangaben erneut Ziel eines groß angelegten ukrainischen Drohnenangriffs geworden. Gouverneur Alexander Beglow und der Zivilschutz warnten die Bevölkerung vor einem „großangelegten Angriff durch militärische Drohnen“ und teilten mit, dass die Flugabwehr im Einsatz sei.

Bereits zum Auftakt des Forums am Mittwoch hatte ein Angriff auf eine Ölraffinerie für Aufsehen gesorgt. Über der historischen Innenstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, waren damals dunkle Rauchwolken zu sehen. Das Wirtschaftsforum lief dennoch mit Tausenden Teilnehmern weiter.

Beglow rief die Menschen über Telegram dazu auf, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen. Zudem warnte er vor möglichen Unterbrechungen des mobilen Internets. Der Zivilschutz verschickte zusätzlich per SMS einen Drohnenalarm. Auch am Flughafen Pulkowo kam es am frühen Morgen wegen der Gefahrenlage vorübergehend zu Einschränkungen: Starts und Landungen wurden zeitweise ausgesetzt.

Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht

Auch im Leningrader Gebiet rund um St. Petersburg wurde Drohnenalarm ausgelöst. Nach Angaben von Gouverneur Alexander Drosdenko schoss die Flugabwehr dort 141 Drohnen ab. Zudem wurden Wohnhäuser nahe eines Militärobjekts vorsorglich evakuiert, nachdem dort infolge eines Drohnenangriffs ein Feuer ausgebrochen war. Drosdenko sprach von einer vorübergehenden Sicherheitsmaßnahme und äußerte die Hoffnung, dass die Bewohner bald in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Medien in St. Petersburg berichteten, dass im Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Demnach wurde ein Verletzter ins Krankenhaus gebracht.

Brand in Kronstadt – SBU meldet Treffer auf Marineziele

Auch aus Kronstadt, dem von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen, wurden Angriffe gemeldet. Dort soll es zu einem Brand gekommen sein. Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte in Kiew, getroffen worden seien Arsenale für Raketen und Munition sowie Stützpunkte der baltischen Flotte. Solche Operationen schwächten die Flotte, erschwerten die Logistik der russischen Streitkräfte und verringerten deren Einsatzbereitschaft, hieß es.

Aus der südrussischen Region Krasnodar meldete der SBU zudem einen Angriff auf ein Öllager in Ust-Labinsk, rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Dabei handle es sich um ein wichtiges Treibstofflager für die russischen Streitkräfte.

Schläge und Schäden auch in anderen Regionen

Weitere Berichte über Drohnenschläge kamen aus anderen Teilen des Landes, darunter auch aus dem Gebiet um Moskau. Ebenfalls betroffen gewesen sein soll der Hafen von Mariupol im von Moskau annektierten Gebiet Donezk. Medien berichteten nach Explosionen von Bränden in Öldepots. In sozialen Netzwerken kursierten zudem Videos, die große Feuer und dichte Rauchwolken zeigen sollen; eine unabhängige Bestätigung lag dafür zunächst nicht vor.

Die ukrainischen Angriffe auf russische Öl- und Militärinfrastruktur waren mehrfach Thema auf dem Wirtschaftsforum, das nun zu Ende geht. Kiew bezeichnet diese Operationen als Gegenangriffe im Abwehrkampf gegen den seit gut vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg.

Präsident Wladimir Putin räumte am Freitagabend ein, dass die Attacken der Wirtschaft einen „gewissen Schaden“ zufügten. „Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem“, sagte er. Zugleich erklärte er, ein Ausbau der Luftverteidigung sei wichtig. Größere Risiken für die russische Wirtschaft sehe er jedoch nicht. Ein von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagenes Treffen zu direkten Friedensgesprächen wies Putin zurück.

Selenskyj fordert ein Ende des Krieges

Selenskyj lobte unterdessen die gemeinsame Operation von Streitkräften und Geheimdiensten sowie deren Zielgenauigkeit. Russland müsse seinen Krieg beenden und die Angriffe auf Menschen einstellen, schrieb er bei Telegram. Zugleich erklärte er, der russische Präsident wolle weiterkämpfen. Dazu veröffentlichte er ein Video, auf dem Rauchschwaden und eine Drohne zu sehen sein sollen.

Nach seinen Angaben setzt die Ukraine ihre Angriffe mit Drohnen großer Reichweite fort. Bis nach St. Petersburg hätten diese etwa 1.000 Kilometer zurückgelegt. Die Ukraine hat ihre Drohnenfähigkeiten in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und hofft nach eigenen Angaben, Russland mit den Gegenschlägen stärker unter Druck zu setzen. Putin wiederum hatte zuletzt mehrfach betont, Russland werde trotz westlicher Militärhilfe für die Ukraine und trotz Sanktionen seine Kriegsziele erreichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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