Ukraine

Stubb und Støre im Putin-Talk: Kommt jetzt der Ukraine-Deal?

Nach Trump greift auch Europa zum Hörer: Ein geheimer Anruf bei Putin könnte Bewegung in den Ukraine-Krieg bringen.

27.10.2026, 11:06 Uhr

Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben in einem unter Europas Partnern nicht abgestimmten Telefonat erstmals direkt mit Russlands Präsident Wladimir Putin über den Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Das Gespräch war vorab von keiner Seite öffentlich angekündigt worden.

Nach Angaben von Stubb und Støre sollte Putin dabei direkt mit Botschaften zu möglichen künftigen Verhandlungen konfrontiert werden, die zu einem Ende des Krieges beitragen könnten. Der Kreml bestätigte den Kontakt später.

Støre sagte nach dem rund 90-minütigen Gespräch, man habe ausschließlich für Finnland und Norwegen gesprochen. Zugleich erklärte er laut NTB, der Europäischen Union habe es in den vergangenen vier Jahren an einer einheitlichen Botschaft und einem gemeinsamen Vorgehen gefehlt. Partner und Verbündete seien jedoch vorab informiert und anschließend ausführlich unterrichtet worden.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sich Stubb und Støre in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie dem US-Vermittler Steve Witkoff getroffen. Witkoff sprach danach auch mit Putin. Dabei wurde vereinbart, Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA wieder aufzunehmen.

Europäer wollen bei Ukraine-Verhandlungen mitreden

Die unter amerikanischer Vermittlung geplanten Verhandlungen sollen in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden. Nach Darstellung des Kremls soll es dort um Sicherheitsfragen Russlands und der Ukraine nach einer vollständigen Beendigung der Kampfhandlungen gehen.

Moskau hatte bereits signalisiert, dass auch eine Einbindung Europas grundsätzlich möglich sei. Die europäischen Staaten unterstützen die Ukraine seit Beginn des Krieges mit Waffenlieferungen und milliardenschweren Finanzhilfen.

Putin pocht auf russische Interessen

Putin machte nach dem Gespräch deutlich, dass aus seiner Sicht für einen Frieden auch russische Interessen berücksichtigt werden müssten. Laut Kreml verwies er erneut auf eine aus Moskauer Sicht konfrontative Politik der EU- und Nato-Staaten, die zu einer Verlängerung der Kämpfe beitrage.

Nach Kremlangaben informierte Putin die beiden Politiker außerdem über eine in der Nacht begonnene lokale Feuerpause rund um die von russischen Truppen besetzte Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson. Dort sei ein humanitärer Korridor geplant, um Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen und ihnen die Flucht zu ermöglichen. Zudem hätten alle drei Seiten vereinbart, telefonisch weiter direkt in Kontakt zu bleiben.

Stubb: Offene Diskussion mit Putin

Finnland und Norwegen betonen als Nachbarstaaten Russlands, dass sie sich für ein Ende des seit gut viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine einsetzen. Støre sagte dem Sender NRK, gerade Nachbarländer müssten die Möglichkeit haben, Russland direkt Botschaften zu übermitteln. Es könne in einer Lage wie der jetzigen nicht sein, dass nur die US-Regierung einen direkten Kanal zur russischen Führung habe.

Stubb sprach nach dem Telefonat von einer offenen und inhaltlich fundierten Diskussion. Der Ausgang des Krieges werde unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit Finnlands und ganz Europas haben, erklärte er. Um den Krieg zu beenden, seien direkte Gespräche notwendig.

Auch Støre unterstrich die Dringlichkeit einer Deeskalation. Das Leid und die Zerstörung würden sich auf ganze Generationen auswirken, sagte der norwegische Regierungschef.

Nach Angaben beider Politiker ergriffen Stubb und Støre selbst die Initiative zu dem Gespräch, um sich für Frieden und Stabilität in Europa einzusetzen. Zugleich stellten sie klar, dass sie bei dem Telefonat nicht für Europa insgesamt gesprochen hätten. Beide Länder stünden als Unterstützer der Ukraine klar an der Seite Kiews. In ihrer gemeinsamen Linie verwiesen sie zudem auf das Interesse ihrer Staaten an mehr Berechenbarkeit in der Ostseeregion.

Selenskyj dankt – Kritik aus Dänemark

Stubb und Støre informierten nach eigenen Angaben auch Selenskyj über ihr Gespräch mit Putin. Der ukrainische Präsident zeigte sich dankbar und erklärte, sie hätten Putin unmissverständlich klargemacht, dass konkrete Schritte zur Deeskalation mit Blick auf die Energieversorgung und die Infrastruktur der Ukraine nötig seien.

Russland greift die Energieanlagen des Landes vor dem fünften Kriegswinter massiv mit Raketen und Drohnen an.

Kritik kam hingegen aus Dänemark. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte dem Rundfunk DR, sie sehe das Telefonat mit Putin sehr skeptisch. Anders als Støre später erklärte sie zudem, die Initiative sei nicht mit anderen Partnern abgestimmt worden. Sie sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden mit Europa wolle. Statt im Alleingang zu handeln, müsse Europa zusammenhalten.

Italien fordert gemeinsame Stimme Europas

Auch aus Italien kamen mahnende Töne. Aus Regierungskreisen hieß es, das Telefonat zeige, dass Europa bislang nicht entschieden habe, wer seine Interessen in möglichen Friedensverhandlungen vertreten solle. Rom drängt demnach darauf, rasch eine oder mehrere Persönlichkeiten mit klarem Mandat zu bestimmen, die im Namen Europas sprechen können.

Europa dürfe nicht weiter unkoordiniert vorgehen, hieß es weiter. Andernfalls drohe ein fortschreitender Bedeutungsverlust bei den Verhandlungen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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