Bayern

Pflege-Schock in Bayern: 2050 droht 1 Million Betroffene

Bayerns stille Pflege-Krise wächst: Ein neuer Kabinettsbericht nennt eine alarmierende Zahl – und sie hat es in sich.

27.10.2026, 16:01 Uhr

In Bayern dürfte die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen. Laut einem Bericht des Gesundheitsministeriums werden bis zum Jahr 2050 voraussichtlich rund 980.000 Menschen im Freistaat auf Pflege angewiesen sein. Zum Jahresende 2023 lag diese Zahl noch bei 631.000.

Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU) erklärte nach einer Kabinettssitzung, die Staatsregierung sehe sich bei den Vorbereitungen auf diese Entwicklung auf einem guten Weg. Ziel sei es, belastbare und moderne Pflegestrukturen für die Zukunft aufzubauen. Zwischen 2020 und 2025 seien durch ein Förderprogramm knapp 8.900 Pflegeplätze neu geschaffen oder modernisiert worden. Dazu zählen mehr als 1.900 Plätze in der Tagespflege, etwa 620 Plätze in ambulant betreuten Wohngemeinschaften sowie 320 Kurzzeitpflegeplätze. Insgesamt seien dafür 410 Millionen Euro bereitgestellt worden. Zusätzlich unterstütze der Freistaat seit 2023 mit einem Programm im Umfang von 18,7 Millionen Euro die häusliche Pflege und pflegende Angehörige.

Mehr Nachwuchs in der Pflege

Auch bei der Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften sieht die Staatsregierung eine positive Entwicklung. Sowohl in der generalistischen Pflegeausbildung als auch im entsprechenden Studium steigen die Zahlen. In diesem Jahr sei die Zahl der Auszubildenden in der generalistischen Pflegeausbildung in Bayern um rund zehn Prozent gestiegen. In der Ausbildung zur Pflegefachhilfe habe das Plus bei 13 Prozent gelegen. Außerdem sei mit einer sogenannten „Fast Lane“ das Anerkennungsverfahren für Pflegekräfte und Pflegefachhelfer aus dem Ausland deutlich beschleunigt worden.

Gleichzeitig erhöht Bayern den Druck auf den Bund, zügig ein Konzept für eine umfassende Pflegereform vorzulegen. Nach Ansicht der Staatsregierung muss die Pflegeversicherung langfristig tragfähig und fair zwischen den Generationen ausgestaltet werden. Gerlach betonte, dass eine gerechtere Finanzierung notwendig sei. Die Pflegeversicherung müsse dauerhaft gesichert werden, ohne Beitrags- und Steuerzahler zu überlasten und ohne Pflegebedürftige sowie ihre Familien im Stich zu lassen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission solle deshalb rasch Vorschläge für eine Struktur- und Finanzreform präsentieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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