Ukraine

Attacke auf Kiew-Warschau-Zug: Polen schlägt Alarm

Russische Drohne trifft Zug nahe Polens Grenze – niemand verletzt. Doch Tusks Warnung lässt aufhorchen: Die Eskalation ist da.

13.09.2026, 18:23 Uhr

Polen wirft Russland nach Angriff nahe der Grenze weitere Eskalation vor

Nach einem russischen Drohnenangriff auf einen Personenzug in der westukrainischen Grenzregion zu Polen hat Warschau Moskau eine neue Zuspitzung des Krieges vorgeworfen. Ministerpräsident Donald Tusk sagte in einer Sitzung des Krisenstabs, die russische Eskalation sei nun deutlich sichtbar und rücke bedrohlich nahe an Polens Grenze heran. Die Bahnverbindung zwischen Polen und der Ukraine gilt als besonders wichtig, weil der ukrainische Luftraum gesperrt ist und auch westliche Politiker für Reisen nach Kiew auf diese Route angewiesen sind.

Nach Angaben der ukrainischen Bahn wurde am Sonntag die Lokomotive eines regulären Passagierzugs von Kiew nach Warschau am Grenzbahnhof Jahodyn von einer Kampfdrohne getroffen. Die Reisenden konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, Verletzte gab es demnach nicht. Die polnische Bahngesellschaft PKP teilte später mit, der Zug habe Warschau mit rund sechs Stunden Verspätung erreicht.

Ukrainische Bahn bringt möglichen Zusammenhang mit Diplomatenzug ins Spiel

Am Abend sorgte die ukrainische Bahngesellschaft mit dem Hinweis für Aufsehen, dass sich kurz vor dem Angriff ein weiterer Zug mit Diplomaten am Bahnhof Jahodyn aufgehalten habe. An Bord seien unter anderem Sicherheitsberater mehrerer EU-Staaten sowie frühere europäische Spitzenpolitiker gewesen, darunter der frühere britische Premierminister Boris Johnson. Die Gruppe hatte demnach am Vortag an einer Konferenz in Kiew teilgenommen.

Nach Angaben der Bahn hielt sich außerdem der frühere CIA-Direktor David Petraeus in einem anderen Zug auf, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs ebenfalls am Bahnhof befand. Das Unternehmen erklärte, es sei durchaus denkbar, dass eigentlich der Diplomatenzug Ziel der russischen Drohne gewesen sein könnte. Dieser habe den Bahnhof wegen kurzfristiger Fahrplananpassungen infolge der ständigen Angriffsgefahr früher als geplant verlassen.

Johnson schrieb auf X, er wisse nicht, welche "krude Logik" Wladimir Putin dazu gebracht habe, nahe der polnischen Grenze eine stehende ukrainische Lokomotive anzugreifen. Das sei genau die Art von willkürlichem und sinnlosem Angriff, dem die Menschen in der Ukraine täglich ausgesetzt seien.

Grenzübergänge in Polen zeitweise geräumt

Wegen möglicher Luftangriffe wurde der Betrieb an zwei polnischen Grenzübergängen vorübergehend eingestellt. Der Chef des Grenzschutzes berichtete in Warschau, in den frühen Morgenstunden habe es etwa zwei Kilometer vom Übergang Dorohusk entfernt einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle gegeben. Rund 280 Reisende seien daraufhin evakuiert worden, Grenzschützer und Zollbeamte hätten Schutzräume aufgesucht.

Später näherte sich nach seinen Angaben eine weitere Drohne dem Grenzübergang Hrebenne. Dort wurden mehr als 300 Menschen in Sicherheit gebracht. Zu einem Einschlag in der Nähe kam es schließlich jedoch nicht. Am Nachmittag normalisierte sich die Lage an der Grenze wieder.

Tusk rechnet mit weiteren russischen Störversuchen

Tusk verwies darauf, dass Russland schon früher versucht habe, Grenzübergänge in Moldau zu blockieren. Verbündete hätten Polen im Vorfeld darüber informiert, dass Moskaus Pläne auch darauf abzielen könnten, ukrainische Grenzübergänge zu stören, zu desorganisieren oder sogar zu zerstören. Davon könne auch Polen betroffen sein.

Für die kommenden Wochen und Monate müsse man mit verstärkten russischen Aktionen rechnen, sagte Tusk. Es sei nicht auszuschließen, dass die Eskalation auch polnisches Staatsgebiet erreiche.

Kiew fordert schärfere Reaktionen des Westens

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die russischen Angriffe hätten in der Region Wolyn nahe der Grenze zu Polen eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt.

Außenminister Andrij Sybiha verlangte deutlich härtere Konsequenzen für Moskau. Auf X schrieb er, die Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien mehr als nur eine Fortsetzung der Attacken auf ukrainisches Territorium. Es handle sich um Putins Terror, der direkt an die Türen von EU und Nato klopfe.

Moskau bestätigt Schläge auf Bahn-Infrastruktur

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese dienten dem Transport militärischer Güter aus europäischen Staaten, hieß es aus Moskau. Nach russischer Darstellung wurden die Angriffe im Tagesverlauf fortgesetzt.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Unterstützung seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Russische Angriffe verursachen dabei immer wieder Todesopfer sowie Schäden an Zügen, Bahnhöfen und Strecken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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