Die Ukraine hat in der Nacht mit Drohnen eine Industrieanlage in Russland angegriffen. Nach russischen Angaben wurden dabei die Anlage selbst sowie mehrere Wohngebäude in der Region Samara im Südosten des Landes beschädigt. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete unter Berufung auf Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew, dass es keine Todesopfer gegeben habe. Demnach wurden rund 40 Drohnen abgeschossen. Ukrainischen Berichten zufolge handelte es sich bei dem getroffenen Industrieobjekt um eine Ölraffinerie.
Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, Russland und die Ukraine wollten auf Angriffe gegen die Energieanlagen der jeweils anderen Seite verzichten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete dies auf X jedoch lediglich als einen „starken Vorschlag“ der USA. Wenn ein Verzicht auf Attacken gegen kritische Infrastruktur ein erster Schritt zur Deeskalation sei, dann sei die Ukraine dazu bereit. Eine Reaktion aus Moskau blieb zunächst aus.
Zusätzlich griff die Ukraine in der Nacht nach russischen Angaben mit Raketen Lagerhallen des Onlinehändlers Ozon in der Stadt Taganrog an. Laut Rostows Gouverneur Juri Sljussar gab es auch dort keine Opfer. Beschädigt worden seien außerdem Lager von Agrarbetrieben, Wohngebäude und eine Bildungseinrichtung.
Ukraine: Reaktionen auf russische Angriffe
Selenskyj bestätigte unterdessen Angriffe im russischen Hinterland. Russland stelle seine Attacken auf den ukrainischen Energiesektor, auf Logistik und andere kritische Infrastruktur nicht ein, schrieb er in sozialen Medien. Die Reaktionen Kiews darauf seien spürbar.
Dabei nannte Selenskyj auch konkrete Ziele: Demnach wurde die Ölraffinerie Sysran in der Region Samara getroffen. Für Taganrog sprach der ukrainische Präsident von einem Treffer gegen einen Drohnenhersteller. Das weicht von russischen Angaben ab, nach denen dort Ozon-Lagerhallen attackiert wurden.
In den vergangenen Monaten hatte die Ukraine wiederholt schwere Schläge gegen die russische Erdölindustrie geführt. Zeitweise kam es dadurch in Russland zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung. Moskau reagierte seinerseits mit gezielten Angriffen auf ukrainische Anlagen und nahm dabei auch einzelne Tankstellen ins Visier.
Auch russische Angriffe auf die Ukraine
Unterdessen meldete Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko in der Nacht über Telegram russische Drohnenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt. Zunächst hieß es, eine Tankstelle sei getroffen worden, später sprach Klitschko von einem weiteren Angriff auf eine zweite Tankstelle. Einer der Verletzten sei im Krankenhaus gestorben, teilte er mit. Zuvor hatte er von sieben Verletzten in Kiew berichtet.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Unterstützung seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die großangelegte russische Invasion. Im Zuge ihres Abwehrkampfes greift sie immer wieder auch Ziele tief im russischen Hinterland an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber