Tote und Verletzte nach Drohnenangriffen in Tatarstan und Krasnodar
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Teilrepublik Tatarstan sind nach Behördenangaben zwei Menschen ums Leben gekommen. Der Bürgermeister von Nischnekamsk, Radmir Beljajew, teilte bei Telegram mit, eine Drohne sei in einen Baum gestürzt und habe dabei ein Auto mit vier Insassen beschädigt. Zwei Menschen starben demnach, zwei weitere wurden schwer verletzt.
Nach Beljajews Angaben wurden außerdem vier weitere Personen verletzt, als eine Drohne in ein Wohngebäude einschlug. Betroffen waren demnach sowohl Industrieanlagen als auch zivile Einrichtungen. In einem nicht näher benannten Unternehmen brach zudem ein Feuer aus, das nach Behördenangaben schnell gelöscht werden konnte.
Der Generalstab in Kiew bestätigte unter anderem einen Angriff auf Nischnekamsk. Getroffen worden sei demnach die Raffinerie Taneko; außerdem sei ein brennender Tank festgestellt worden. Nischnekamsk war bereits früher Ziel ukrainischer Angriffe, darunter auch auf die dortige Ölraffinerie.
Militärgeheimdienst meldet weiteren Schlag gegen Raffinerie in Krasnodar
Nach ukrainischen Angaben wurde zudem die Raffinerie Slawjansk Eko in der russischen Region Krasnodar attackiert. Der Militärgeheimdienst HUR erklärte, eine Ölverarbeitungsanlage und ein Tanklager in Slawjansk-na-Kubani seien getroffen worden. Dabei sei ein großflächiges Feuer ausgebrochen. Aus Kiew hieß es zur Begründung, die Anlage diene dem russischen Angriffskrieg.
Der Zivilschutzstab der Region Krasnodar bestätigte lediglich ein Feuer auf dem Gelände eines nicht näher bezeichneten Unternehmens. Außerdem hätten herabfallende Drohnentrümmer in einem Wohngebiet von Slawjansk-na-Kubani eine Gasleitung beschädigt. Auch diese Raffinerie war bereits früher Ziel von Angriffen; im Sommer hatte sie nach einer Attacke mehrere Tage gebrannt.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Unterstützung seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Im Rahmen ihres Abwehrkampfes greift sie auch Ziele weit hinter der Front auf russischem Staatsgebiet an.
Trump fordert von Selenskyj Stopp weiterer Angriffe auf Raffinerien
US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Bei einem Auftritt in seinem Resort im irischen Doonbeg machte Trump Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit mitverantwortlich. Er sagte, die Ukraine müsse aufhören, die russische Dieselversorgung lahmzulegen, und verwies darauf, dass Washington das Thema bereits mit Selenskyj besprochen habe.
Trump erklärte weiter, es gebe genügend andere militärische Ziele. Angriffe auf Dieselanlagen schadeten aus seiner Sicht der ganzen Welt. Den Nahen Osten nannte er dabei ausdrücklich nicht als Hauptursache der aktuellen Engpässe und führte stattdessen die Entwicklungen in Russland und der Ukraine an.
Ukrainische Angriffe treffen russische Ölindustrie spürbar
In den vergangenen Monaten hat die Ukraine ihre Schläge gegen Objekte der russischen Ölindustrie verstärkt. Die Auswirkungen sind in Russland inzwischen deutlich zu spüren: Die Ölverarbeitung ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen. Zahlreiche Tankstellen sind leer, andere geben Treibstoff nur noch begrenzt aus. Autofahrer müssen teils lange warten, um überhaupt tanken zu können.
Auch der Krieg mit Iran belastet den Ölmarkt
Trumps Darstellung greift jedoch zu kurz. Auf den globalen Ölmarkt wirkt sich derzeit auch der Krieg zwischen den USA und dem Iran massiv aus. Besonders stark betroffen ist die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Öltransport. Vor dem Krieg lief dort rund ein Fünftel der globalen Öllieferungen durch.
Die Unsicherheit über den Schiffsverkehr und mögliche Lieferausfälle treibt den Rohölpreis nach oben. Dadurch verteuern sich auch Diesel und Benzin auf den internationalen Märkten.
Hohe Spritpreise werden in den USA zum Wahlkampfthema
Für Trump sind die steigenden Kraftstoffpreise auch innenpolitisch heikel. Mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA hatte er im Wahlkampf sinkende Energiepreise versprochen. Stattdessen zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit so viel für Benzin und Diesel wie seit Jahren nicht mehr.
Besonders stark trifft das ländliche Regionen, die zu Trumps wichtiger Wählerschaft zählen. Nach Angaben des US-Automobilverbands AAA stieg der landesweite Durchschnittspreis für Diesel am Freitag erstmals über 6 US-Dollar pro Gallone, also pro 3,785 Liter.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber