Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei seiner letzten Militärparade zum Nationalfeiertag in Paris ein deutliches Signal der Unterstützung für die Ukraine gesetzt. Lange Kolonnen von Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Militärflugzeuge prägten das Defilee auf den Champs-Élysées. Über der Parade zog die Kunstflugstaffel Patrouille de France Kondensstreifen in Blau, Weiß und Rot in den Himmel.
An der Spitze des Zuges marschierten 500 Soldaten aus Staaten der sogenannten „Koalition der Willigen“, darunter auch Truppen aus Deutschland. Zudem liefen 25 ukrainische Soldaten mit. Begleitet wurde die Kunstflugstaffel von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung. Frankreich hatte Maschinen dieses Typs an die Ukraine geliefert.
Macron wollte mit der Parade nach eigenen Angaben sowohl die strategische Aufrüstung Frankreichs als auch das strategische Erwachen Europas hervorheben. Nach Angaben des Élysée-Palasts war die Parade mit fast 6.800 beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie deutlich mehr Fahrzeugen als üblich die größte ihrer Art bislang. Damit sollte auch sichtbar werden, dass Frankreich seine Verteidigungsausgaben seit Macrons Amtsantritt 2017 verdoppelt hat.
Auf der Ehrentribüne verfolgte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Parade gemeinsam mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs der Koalition sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zu den Ehrengästen gehörte auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Zuletzt hatte 2019 mit Angela Merkel eine deutsche Kanzlerin an der Parade in Paris teilgenommen.
Selenskyj sprach nach der Parade von einer großen Ehre. Macrons Einladung an die ukrainischen Verteidiger sei ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung für die Stärke der Ukraine, ihres Volkes und ihrer Streitkräfte. Zugleich dankte er Frankreich und allen Partnern, die Kiew unterstützten.
Koalition der Willigen bekräftigt Hilfe für Kiew
Bereits am Vorabend hatte die von Frankreich und Großbritannien angeführte „Koalition der Willigen“ bei einem Treffen in Paris ihre weitere militärische Unterstützung für die Ukraine bekräftigt. Neben zusätzlichen Waffenlieferungen und einer engeren Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr kündigte Macron überraschend auch erste gemeinsame Manöver der geplanten multinationalen Schutztruppe an. Diese soll im Fall eines Waffenstillstands oder Friedensschlusses zur Absicherung der Ukraine beitragen.
Die ersten Militärübungen der Koalition sollen nach Angaben des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk im Herbst in Polen stattfinden. Beteiligt seien Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Die Manöver sollten die Gruppe auf konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die gesamte Region vorbereiten, sagte Tusk.
Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte zudem, sein Land sei auch zu einer dauerhaften Stationierung französischer und britischer Truppen bereit. Wenn Polen mehr Verantwortung an der Nato-Ostflanke trage, müssten auch weiter westlich gelegene Partner stärker präsent sein, sagte er.
Deutschland bei möglicher Schutztruppe weiter zurückhaltend
Deutschland bleibt bei einer möglichen Beteiligung an einer solchen multinationalen Truppe bislang zurückhaltend. Bundeskanzler Merz ließ den deutschen Beitrag weiter offen und ging auf die angekündigten Manöver in Paris nicht konkret ein. Er betonte lediglich, die „Koalition der Willigen“ könne bei Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand in enger Abstimmung mit den USA eine wichtige Rolle spielen. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es zudem, Deutschland werde sich an den ersten Manövern nicht beteiligen.
Europäischer Akzent und deutsches Signal
Auch Deutschland setzte bei der Parade einen sichtbaren Akzent: Neben 21 Soldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt, das der Deutsch-Französischen Brigade unterstellt ist, beteiligte sich die Bundeswehr mit vier Flugzeugen. Dass so viele europäische Truppen am französischen Nationalfeiertag über die Champs-Élysées marschieren, ist ungewöhnlich und unterstrich den europäischen Charakter der Veranstaltung.
Im französischen Fernsehen wurden die deutschen Soldaten beim Vorbeimarsch an der Ehrentribüne mit derselben Wertschätzung angekündigt wie die übrigen ausländischen Truppen. Mit der deutschen Beteiligung wurde auch an ein historisches Signal erinnert: Am 14. Juli 1994 waren erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder deutsche Soldaten an einer Militärparade auf französischem Boden beteiligt. Der damalige Präsident François Mitterrand wollte damit ein Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung setzen.
Frankreich erinnert am Nationalfeiertag an den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, der als symbolischer Beginn der Französischen Revolution gilt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber