Berichte über Anfeindungen gegen Ukrainer in Polen nehmen zu
Im Zuge der politischen Spannungen zwischen Polen und der Ukraine häufen sich in Polen Meldungen über Übergriffe auf ukrainische Staatsangehörige. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall in Bielsko-Biała im Südwesten des Landes: In einem Bus beleidigte ein Mann mehrere ukrainische Mädchen und forderte sie auf, in ihre Heimat zurückzukehren.
Auch aus anderen Städten werden ähnliche Fälle bekannt. In Sosnowiec wurde laut Medienberichten ein Mann festgenommen, der innerhalb weniger Wochen dreimal Ukrainer attackiert haben soll. In Łódź wurde zudem ein Pole verletzt, weil ihn ein Angreifer irrtümlich für einen Ukrainer hielt. Nach Angaben der Polizei erlitt das Opfer dabei Verletzungen am Kopf, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete.
Innenminister kündigt hartes Vorgehen an
Innenminister Marcin Kierwiński machte rechte politische Kräfte für die aufgeheizte Stimmung mitverantwortlich. Auf der Plattform X erklärte er, dass sowohl Polen als auch Ausländer Opfer solcher Taten würden. Die Polizei werde in jedem Fall entschieden einschreiten, betonte er, und kündigte "null Toleranz" an.
Die linksliberale Zeitung Gazeta Wyborcza sprach sogar von einer regelrechten Hetzkampagne. Ukrainische Migranten würden dabei zu Sündenböcken gemacht und für zahlreiche gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht.
Historischer Streit belastet Verhältnis beider Länder
Auslöser der aktuellen Spannungen ist ein historisch sensibles Thema aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In der Ukraine gelten Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee UPA vielfach als Freiheitskämpfer. In Polen wird jedoch daran erinnert, dass die UPA zwischen 1943 und 1945 Massaker an Zehntausenden Polen verübte.
Der seit Mai anhaltende Konflikt beschränkt sich inzwischen nicht mehr nur auf Fragen der Erinnerungspolitik. Beobachter warnen, dass er sich auch negativ auf die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten auswirken könnte.
Wandel der Stimmung gegenüber Ukrainern
Bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine lebten viele Ukrainer in Polen. Nach Kriegsbeginn nahm das Land zahlreiche Flüchtlinge auf und unterstützte ihre Integration. Inzwischen scheint sich die öffentliche Stimmung jedoch spürbar verändert zu haben.
Der PiS-Abgeordnete Janusz Kowalski stellte auf X die Frage, ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Dafür erhielt er nach eigenen Angaben viel Zustimmung. Der konservative Publizist Łukasz Warzecha wiederum erklärte, die aktuellen Vorfälle seien eher Einzelfälle und würden überbewertet. Seiner Ansicht nach fühle sich die Mehrheit der Ukrainer in Polen sicher und werde nicht schikaniert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber