Ukraine

Panik vor Strahlung? Ukrainische Warnsysteme gehackt

Panik per Push? Ukrainische Warn-App wohl gehackt – falsche Alarmmeldungen versetzten viele Menschen unnötig in Angst.

02.11.2026, 00:22 Uhr

Die ukrainische Notfall-App „Air Alert“, die unter anderem vor Luftangriffen auf Smartphones warnt, ist nach Angaben offizieller Stellen offenbar gehackt worden. Dabei wurde am späten Sonntagabend auch eine falsche Warnung über angebliche radioaktive Strahlung in Kiew verbreitet – obwohl es nach Behördenangaben keinerlei entsprechende Gefahr gab.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte auf Telegram, die Anwendung könnte vom Feind kompromittiert worden sein. Eine Bedrohung durch Strahlung bestehe nicht. Medienberichten zufolge heulten in einigen Regionen zudem Warnsirenen. Über die App seien außerdem irreführende Hinweise auf mögliche Angriffe mit Chemiewaffen verbreitet worden.

Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, keine Links innerhalb der Warn-App anzuklicken.

In der Nacht zum Montag meldete dann auch Russland einen massiven Cyberangriff auf seine offizielle Warn-App. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Zivilschutzministerium gelang es den Angreifern, Falschinformationen an die Bevölkerung zu verschicken. Wen Moskau hinter dem Angriff vermutet, wurde demnach zunächst nicht mitgeteilt. Die Website des russischen Warnministeriums war in der Nacht zeitweise nicht erreichbar.

Die zeitliche Nähe der beiden Vorfälle nährte Spekulationen, es könnte sich nach der Attacke auf das ukrainische System um einen ukrainischen Gegenangriff auf die russische Warn-Infrastruktur handeln. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang jedoch nicht.

Seit dem russischen Angriffskrieg gehören Luftangriffe und regionale Warnmeldungen für viele Menschen in der Ukraine längst zum Alltag. Bei größeren Attacken auf Kiew suchen viele Einwohner Schutz in den Stationen der U-Bahn. Das Land verteidigt sich mit Unterstützung aus dem Westen, unter anderem durch Militär- und Finanzhilfen.

Unterdessen hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an Angriffen auf Ziele tief in Russland fest, darunter auch Ölraffinerien. Im Gespräch mit dem US-Sender Fox News verteidigte er diese Strategie mit Verweis auf russische Attacken gegen die ukrainische Energieinfrastruktur und auf Tote in der Ukraine.

Selenskyj sagte sinngemäß, wenn Kiew für einen Monat auf Angriffe gegen russische Öl-Anlagen verzichten solle, dann müsse die Ukraine im gleichen Zeitraum ausreichend Patriot-Abwehrraketen erhalten, um sich gegen russische Angriffe verteidigen zu können. Nach seinen Angaben fehlt es dem ukrainischen Militär zunehmend an Munition für moderne Luftabwehrsysteme, vor allem gegen ballistische Raketen.

Der Präsident fordert die westlichen Partner deshalb erneut auf, die ukrainische Luftverteidigung stärker zu unterstützen. Besonders dringend seien weitere Abfangraketen für Patriot-Systeme. Diese gelten inzwischen jedoch als knappes Gut, auch wegen der Belastung anderer Konflikte und der begrenzten Produktionskapazitäten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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