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Historisch in Mexiko: Antonelli ist jüngster Weltmeister

Crash, Rote Flaggen, 40 Minuten Zittern: Antonelli bleibt eiskalt – und schreibt mit 20 als jüngster F1-Weltmeister Geschichte.

01.11.2026, 23:24 Uhr

Kimi Antonelli hat sich in einem chaotischen und emotionalen Grand Prix in Mexiko-Stadt vorzeitig zum Formel-1-Weltmeister gekrönt. In einem Rennen mit Unfällen, Unterbrechungen, Restart und Safety-Car-Phasen reichte dem Italiener vier Läufe vor Saisonende Rang drei im ausverkauften Autódromo Hermanos Rodríguez, um sich schon im zweiten Jahr in der Königsklasse den Titel zu sichern.

Mit 20 Jahren und 68 Tagen ist Antonelli nun der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte in 76 Jahren der Serie. Er löst damit Sebastian Vettel ab, der bei seinem ersten Titelgewinn 2010 bereits 23 Jahre alt war. Für Antonelli ist es ein historischer Erfolg: Er ist der 36. Champion der Formel 1 und zugleich der erste italienische Weltmeister seit Alberto Ascari 1953. Mercedes darf sich zudem über den ersten Fahrertitel seit Lewis Hamiltons Triumph 2020 freuen.

Verstappen siegt, Antonelli holt den Titel

Den Sieg in der Höhenluft von Mexiko-Stadt sicherte sich Max Verstappen im Red Bull. Hamilton wurde im Ferrari Zweiter, Antonelli fuhr als Dritter ins Ziel. Für den Titel hätte dem Mercedes-Piloten sogar Rang neun genügt, rechnerisch ist er nun nicht mehr einzuholen.

Schon auf den letzten Kilometern konnte Antonelli vor Tränen kaum noch klar sehen. Nach dem Ziel brachen endgültig alle Dämme. Zunächst saß er weinend im Cockpit und brachte kaum ein Wort heraus. Renningenieur Peter Bonnington funkte ihm zu: „Weltmeister“, Teamchef Toto Wolff legte nach: „Kimi, du hast es geschafft, Weltmeister.“ Kurz darauf kletterte Antonelli auf seinen Mercedes und ließ sich unter grün-weiß-rotem Rauch von den Fans feiern.

Später wurde es auf dem riesigen Podium erneut emotional. Als im Stadionrund des Foro Sol die Opernarie „Nessun dorma“ erklang, erinnerte sich Antonelli an seinen Großvater, der dieses Stück besonders geliebt hatte. „Er wäre stolz auf mich“, sagte der neue Champion mit stockender Stimme. Dann lächelte er kurz und meinte: „Ich heule heute zu viel.“

Historisches Podium und große Anerkennung

Das Podium lieferte ein außergewöhnliches Bild: Sieger Verstappen, der 29 Jahre alte viermalige Weltmeister, Rekordchampion Hamilton mit 41 Jahren und der neue Titelträger Antonelli vereinten drei Generationen der Formel 1. Gemeinsam bringen die drei Champions nun 12 WM-Titel in 20 Saisons auf die Waage. Hamilton und Verstappen trugen den Italiener nach dem Rennen sogar auf den Schultern – ein Bild mit Seltenheitswert.

„Jüngster Weltmeister zu sein, ist ziemlich phänomenal“, sagte Hamilton und betonte, er sei dankbar, das miterlebt zu haben. Das gemeinsame Foto wolle er sich sogar einrahmen und aufhängen. Verstappen sagte über Antonellis Saison: „Es ist einfach unglaublich, was für eine Saison er hingelegt hat. Das schon in so einem jungen Alter hinzubekommen, ist beeindruckend.“

Auch aus der Formel-1-Welt und aus Italien kam viel Anerkennung. Sebastian Vettel gratulierte in einer Videobotschaft mit den Worten: „Campione del mondo. Wow. Das schaffen nur sehr wenige von uns, und niemand hat es in so jungen Jahren geschafft wie du.“ Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali sprach von einem großen Moment für ganz Italien und sagte, das Land habe 73 Jahre auf diesen Augenblick gewartet. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte den Titelgewinn einen Grund für nationalen Stolz. Italiens Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ feierte Antonelli als „Bambino-Champion“, der die Formel 1 verzaubert habe, weil er sich selbst treu geblieben sei.

Familie im Mittelpunkt

Im ohrenbetäubend lauten Foro Sol, dem ehemaligen Baseballstadion der Strecke, wartete Antonellis Familie auf den neuen Weltmeister. Vater Marco, Mutter Veronica und Schwester Maggie erlebten den historischen Moment hautnah mit. Es gab Umarmungen, Küsschen und viele Tränen.

Vater Marco sagte nach dem Titelgewinn: „Wir haben großes Glück, und das ist das größte Geschenk, das man meinem Sohn machen kann: die Beziehung, die wir haben.“ Diese Nähe war auch im Fahrerlager zu spüren – Antonelli ist längst mehr als nur das nächste große Talent, er gilt vielen als Weltmeister der Herzen.

Schwieriger Auftakt und Ärger bei Ferrari

Vor dem wichtigsten Rennen seiner bisherigen Karriere zeigte sich Antonelli auffallend ruhig, auch wenn er später einräumte, dass die Anspannung an diesem Wochenende größer gewesen sei als sonst. Nach einem letzten Handschlag mit seinem Renningenieur Bonnington, der bei Mercedes bereits mit Michael Schumacher und Lewis Hamilton gearbeitet hatte, nahm er im Silberpfeil Platz.

Die Vorgabe für den Start war klar: kein Risiko, kein Unfall. Antonelli ging von Startplatz vier ins Rennen. Die Pole Position hatte sich Hamilton gesichert – es war die 105. seiner Karriere. Zwar behauptete er zunächst die Spitze, geriet dann aber schnell in ein hartes Duell mit Teamkollege Charles Leclerc. Hamilton beschwerte sich anschließend heftig per Funk und warf Leclerc vor, einen möglichen Ferrari-Doppelerfolg gekostet zu haben.

Statt weiter vorne zu bleiben, fiel Hamilton auf Rang drei zurück. Leclerc führte vor Verstappen, dahinter folgte Antonelli. George Russell, Antonellis Teamkollege, verlor ebenfalls Positionen und rutschte nach einem Zwischenfall zurück. Da Antonelli bei einem Ausfall nur dann noch hätte vertröstet werden können, wenn Russell oder Hamilton gewinnen, blieb die Titelentscheidung dennoch in Reichweite.

Nach einiger Verzögerung entschieden die Rennkommissare: fünf Sekunden Strafe für Leclerc, zehn Sekunden für Russell. Hamilton reagierte erneut fassungslos und machte seinem Ärger über Funk Luft.

Heftige Crashs, lange Unterbrechung und kühler Kopf

Antonelli übernahm zwischenzeitlich sogar kurz die Führung, ehe er zum Reifenwechsel an die Box kam. Der Stopp verlief nicht perfekt, doch der Mercedes-Pilot vermied diesmal jedes unnötige Risiko – zu viel stand auf dem Spiel. Angesichts seiner starken Saison mit bereits neun Siegen in 19 Rennen war der Titel ohnehin nur noch Formsache.

Bonnington meldete sich mit Lob: „Wir sind super happy mit dem Speed – mach so weiter.“ Kurz darauf wurde das Rennen durch einen heftigen Unfall unterbrochen. Valtteri Bottas schlug nach einem Defekt an der Radaufhängung auf der Geraden mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung ein. Der Finne wirkte benommen, als er aus seinem Cadillac stieg. Die Rennleitung zeigte die Rote Flagge.

Während die Autos in der Boxengasse standen, blieb Antonelli bemerkenswert ruhig. Er setzte sein Headset auf, sprach mit Bonnington und wartete auf einem Klappstuhl auf den Neustart. Die Unterbrechung dauerte insgesamt mehr als 40 Minuten. Später sorgte auch ein weiterer Crash noch einmal für eine Safety-Car-Phase. Ob rote Flagge, Restart oder Safety Car – Antonelli blieb Herr der Lage.

Souverän durch Restart und Schlussphase

Nach dem stehenden Restart bestand Antonelli auch diese letzte große Prüfung. Er hielt sich zunächst aus allen Duellen heraus und schlug dann im entscheidenden Moment zu: Mit einem starken Manöver zog er an Leclerc vorbei und schob sich auf Platz drei nach vorne. Damit war auch das sportliche Minimalziel – ein Podestplatz – erreicht.

In der dünnen Luft auf mehr als 2200 Metern über dem Meeresspiegel brachte Antonelli seinen Mercedes anschließend mit kühlem Kopf ins Ziel. Vorne lieferten sich Verstappen und Hamilton den Kampf um den Sieg, dahinter kontrollierte der Italiener die letzten Runden. Rang drei reichte locker zur WM-Krönung – und passte zu seinem Anspruch, den Titel nicht nur rechnerisch, sondern auch stilvoll perfekt zu machen.

Ein Team, ein enges Duo und viel italienische Emotion

Bonnington, im Fahrerlager nur „Bono“ genannt, genoss den Moment ebenso sichtbar. „Ich schwebe auf Wolke sieben“, sagte der Mercedes-Ingenieur nach dem Rennen. An mehr als der Hälfte der 20 WM-Titel, die auf dem Podium vertreten waren, war er beteiligt – mit Schumacher, Hamilton und nun Antonelli.

Zwischen Bonnington und Antonelli ist in nur zwei Jahren ein enges Verhältnis entstanden. Im Team gilt der junge Italiener als ständiger Gute-Laune-Faktor, der seinen Renningenieur auch gern mit kleinen Streichen aufzieht. Wolff sagte, Antonelli bringe ein ganz neues Element in die Mannschaft: Er sei fast immer gut drauf und sorge mit seinen Scherzen für lockere Stimmung.

Der Teamchef beschrieb die Atmosphäre bei Mercedes als „Familiengefühl“. Plötzlich würden sogar die sonst eher reservierten britischen Mechaniker und Ingenieure umarmt und geküsst, wenn Antonellis Familie auftauche. Wolff ließ sich im Überschwang sogar zu einem kleinen Tänzchen hinreißen.

Historischer Titel mit Ansage

Für Antonelli begann nach dem Rennen eine mexikanische Feier mit offenem Ende. Wolff witzelte, sein Schützling trinke eigentlich keinen Alkohol, „aber hier muss er noch ein bisschen erwachsen werden – es ist Zeit für den ersten Tequila.“ Verstappen hatte genau das bereits eine Woche zuvor angekündigt.

Im stimmungsvollen Foro Sol wurde Antonelli von den Fans gefeiert. Mit der italienischen Fahne stand er ergriffen bei den Klängen von „Nessun dorma“ auf dem Weltmeister-Podium. Bereits 2017 und 2018 hatte Hamilton zwei seiner WM-Titel in Mexiko-Stadt perfekt gemacht – nun schrieb Antonelli dort seine eigene Geschichte.

Mit dem Fahrertitel ist die Saison für Antonelli aber noch nicht abgeschlossen. Mercedes kämpft weiter um die Konstrukteurs-WM, und schon am kommenden Wochenende steht der Große Preis von Brasilien an – dann erstmals mit Kimi Antonelli als amtierendem Formel-1-Weltmeister.

Seine Startnummer 12 will er auch im kommenden Jahr behalten. Zum einen sei er sehr abergläubisch und die 1 nie seine Glückszahl gewesen. Zum anderen versteht er die 12 als Hommage an Ayrton Senna. In São Paulo wird Antonelli deshalb zudem mit einer besonderen Helmlackierung zu Ehren des Brasilianers antreten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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