Russischer Staatsbürger in Polen wegen mutmaßlicher Spionage an Bahnstrecken festgenommen
In Polen ist ein 55-jähriger Russe festgenommen worden, dem vorgeworfen wird, für einen fremden Geheimdienst Eisenbahnanlagen ausgespäht zu haben. Nach Angaben der Polizei fiel der Mann im schlesischen Swidnica auf, als er im Stadtgebiet vorbeifahrende Züge und die dortige Bahninfrastruktur fotografierte.
Bei der Auswertung der auf seinen Speichergeräten gesicherten Daten stellten die Ermittler demnach Hunderttausende Dateien sicher. Darunter sollen sich zahlreiche Fotos wichtiger Verkehrseinrichtungen befunden haben. Gegen den Verdächtigen wurde Untersuchungshaft für zunächst drei Monate angeordnet.
Regierung spricht von Festnahme mit Seltenheitswert
Tomasz Siemoniak, Sprecher des Koordinators für die Geheimdienste, bezeichnete den Fall als eher selten. Es komme nur ungewöhnlich selten vor, dass ein russischer Staatsbürger direkt festgenommen werde. Nach seinen Worten hätten russische Geheimdienste bislang meist vermieden, eigene Landsleute in vorderster Reihe einzusetzen, und stattdessen eher sogenannte „Wegwerf-Agenten“ aus anderen Ländern angeworben.
Polen zählt innerhalb von EU und Nato zu den wichtigsten politischen und militärischen Unterstützern der Ukraine, die sich gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Zudem hat das Land nach Regierungsangaben knapp eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Die Regierung in Warschau wirft den Geheimdiensten Russlands und seines Verbündeten Belarus seit Längerem vor, zahlreiche Agenten nach Polen zu schicken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber