Menschen, die aus der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky in Sicherheit gebracht wurden, sind nach Angaben des russischen Militärs aus der Schwarzmeerstadt Anapa ausgeflogen worden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Morgen, sie würden zusammen mit dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez in Militärflugzeugen nach Gomel in Belarus gebracht. Von dort sollen sie weiter in die Ukraine reisen.
Wie viele Personen am Vortag aus Oleschky evakuiert wurden, blieb weiterhin unklar. Berichten zufolge verließen mehr als 200 Menschen die Stadt im von Russland annektierten Gebiet Cherson in Richtung Ukraine. Andere, darunter mehrere Dutzend, entschieden sich demnach für eine Ausreise in von Russland kontrollierte Gebiete.
Nach russischen und ukrainischen Angaben konnten die Betroffenen selbst wählen, ob sie Oleschky verlassen oder in der weitgehend zerstörten Stadt bleiben wollten. Vor der Weiterreise wurden Dutzende Geflüchtete vorübergehend in Simferopol auf der von Russland annektierten Krim untergebracht.
Waffenruhe läuft am Sonntag aus
Schätzungen zufolge könnten noch mehr als 1.000 Menschen in der weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt ausharren. Vor Beginn des Krieges lebten in Oleschky rund 24.000 Einwohner. Die Region gilt wegen zahlreicher Minen und Panzersperren als hochgefährlich und ist vom russischen Militär abgeriegelt. Zusätzlich erschweren ukrainische Drohnenangriffe die Lage.
Der ukrainische Ombudsmann Lubinez und seine russische Amtskollegin Jana Lantratowa begleiteten die Evakuierung am Freitag persönlich. Beide dankten US-First-Lady Melania Trump für ihre Vermittlung bei einer mehrtägigen Feuerpause. Zugleich stellten sie weitere humanitäre Einsätze für notleidende Menschen in anderen Frontorten in Aussicht. Die Waffenruhe im teils von Russland, teils von der Ukraine kontrollierten Gebiet Cherson endet am Sonntagabend.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber