Ukraine

Krim und Moskau unter heftigem Drohnenfeuer

Nach Russlands Bombenhagel schlägt Kiew zurück: Drohnen über Krim und Moskau – in Sewastopol fällt teils der Strom aus.

17.05.2026, 04:24 Uhr

Bei einem massiven ukrainischen Gegenangriff mit mehr als 100 Drohnen sind nahe Moskau nach russischen Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, sprach zudem von fünf Verletzten. Zahlreiche Wohnhäuser seien beschädigt worden.

In Moskau selbst berichtete Bürgermeister Sergej Sobjanin von zwölf Verletzten bei einem Angriff im Umfeld einer Ölraffinerie. Getroffen worden seien vor allem Bauarbeiter nahe der Anlage. Das Werk selbst sei technisch weiter intakt geblieben. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Die Hauptstadtregion gilt eigentlich als besonders stark durch Flugabwehr geschützt. Russische Medien sprechen nun dennoch von einem der heftigsten ukrainischen Angriffe seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als vier Jahren und vom bislang größten Angriff dieses Jahres auf die Region.

Worobjow erklärte bei Telegram, allen Verletzten werde medizinisch geholfen. Auch die Familien der Toten und Verletzten sollten Unterstützung erhalten.

Selenskyj nennt Angriffe auf Moskau "völlig gerechtfertigt"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Drohnenschläge gegen Moskau und die umliegende Region als "völlig gerechtfertigt" bezeichnet. Es handle sich um eine Reaktion auf den fortgesetzten russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, schrieb er bei Telegram.

Zugleich veröffentlichte Selenskyj ein Video mit einer großen Rauchwolke in der Ferne, das die Folgen der Angriffe nahe Moskau zeigen soll. Er erklärte, die russische Luftabwehr sei im Raum Moskau besonders stark konzentriert, werde aber dennoch überwunden.

Nach seinen Angaben erreichten ukrainische Langstreckendrohnen Ziele in bis zu 500 Kilometern Entfernung von der ukrainischen Grenze. An Russland gerichtet sagte Selenskyj, der Staat müsse diesen Krieg beenden. Zudem dankte er dem ukrainischen Geheimdienst SBU und den Verteidigungskräften für ihre "Treffsicherheit".

Russland meldet Hunderte abgeschossene Drohnen

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien 586 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Auch diese Zahl ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Allein für den Großraum Moskau hatte Sobjanin von mehr als 120 abgefangenen Flugobjekten innerhalb von 24 Stunden gesprochen.

Die Angriffe beeinträchtigten auch den Luftverkehr erheblich. An den Moskauer Flughäfen saßen viele Reisende stundenlang fest, weil Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr zeitweise ausgesetzt wurden. Dutzende Flüge fielen aus, verspäteten sich oder wurden auf andere Flughäfen umgeleitet.

Aus der Grenzregion Belgorod berichteten örtliche Medien zudem vom Tod eines Mannes in einem Lastwagen, der von einer Drohne getroffen worden sein soll. Eine offizielle Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Die Angriffe auf russischem Gebiet gelten als Gegenschläge Kiews gegen den von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Krieg. Zugleich bleiben die Schäden und Opferzahlen in Russland deutlich hinter den weitaus größeren Zerstörungen und Verlusten in der Ukraine zurück.

Selenskyj nennt hohe Opferzahlen in der Ukraine

Selenskyj hatte nach den jüngsten russischen Angriffen erneut Vergeltung angekündigt. Nach seinen Angaben setzte Russland allein in der vergangenen Woche mehr als 3.170 Drohnen, über 1.300 Gleitbomben sowie 74 Raketen und Marschflugkörper gegen die Ukraine ein.

Dabei seien 52 Menschen getötet und 346 weitere verletzt worden, darunter 22 Kinder, teilte Selenskyj mit. Er forderte erneut mehr Unterstützung für die ukrainische Luftabwehr, insbesondere beim Schutz vor ballistischen Raketen.

Die ukrainische Flugabwehr meldete am Morgen zudem einen weiteren russischen Angriff mit fast 300 Drohnen. Davon seien 279 unschädlich gemacht worden.

Drohnenalarm in Lettland

Auch im Baltikum gab es erneut einen Zwischenfall. Die Streitkräfte des EU- und Nato-Mitglieds Lettland warnten im Osten des Landes vor einer möglichen Bedrohung durch eine Drohne. Nach Militärangaben drang das Flugobjekt am Morgen in den lettischen Luftraum ein, durchquerte ihn und verließ ihn später wieder.

Nato-Kampfjets wurden nach Angaben des Militärs aktiviert. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden zunächst nicht. Lettland verwies darauf, dass es während des andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine jederzeit erneut zu ähnlichen Vorfällen kommen könne. In der Vergangenheit hatte es dort bereits Explosionen im Zusammenhang mit Drohnenvorfällen gegeben.

Der Luftraum des Landes werde gemeinsam mit den Nato-Partnern fortlaufend überwacht, teilte das Militär mit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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