Politik

104. Katholikentag – was jetzt wirklich bleibt

Hat die Kirche noch Einfluss – oder ringt sie nur mit sich selbst? Was vom 104. Katholikentag wirklich bleibt.

17.05.2026, 04:00 Uhr

Was vom 104. Katholikentag in Würzburg bleibt

Die Gesänge sind verstummt, der Weihrauch verzogen, die Bühnen der Diskussionsrunden abgebaut. Auch prominente Besucher wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind längst wieder abgereist. Nach dem 104. Katholikentag in Würzburg stellt sich die Frage: Welche Impulse bleiben?

Hat die katholische Kirche noch öffentliches Gewicht?

Wenn ein Papst in Rom den Kriegskurs der USA kritisiert, findet das weltweit Beachtung. Doch wie stark wirkt die Stimme der Kirche in Deutschland, wenn sie soziale Kürzungen anprangert oder den Umgang mit Geflüchteten kritisiert? Rund um den Katholikentag hatten Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und weitere Unionspolitiker betont, die Kirche solle sich weniger in tagespolitische Debatten einmischen und stärker auf Spiritualität konzentrieren.

Gerade der Streit zwischen Papst Leo XIV. und US-Präsident Donald Trump könnte jedoch zeigen, dass kirchliche Stellungnahmen auch jenseits des politischen Klein-Klein wirksam sein können. Die Theologin Marianne Heimbach-Steins verwies darauf, dass der Papst immer wieder auf die Grundlinien des Evangeliums zurückkomme.

Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, ist genau das ohnehin hochpolitisch: Das Evangelium sei "Politik pur".

Zugleich steht die Kirche vor einem grundlegenden Problem: Wie bleibt sie bei anhaltend hohen Austrittszahlen gesellschaftlich relevant? In vielen Regionen sind katholische und evangelische Christen längst nicht mehr die Mehrheit. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht darin dennoch kein entscheidendes Hindernis: Entscheidend sei, dass die Menschen eine klare Haltung hören wollten – unabhängig von der Größe der Kirche.

104. Deutscher Katholikentag
Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Reformkräfte setzen weiter auf Veränderungen

Mit einer Menschenkette machten Reformgruppen in Würzburg erneut Druck für Veränderungen in der katholischen Kirche. Im Mittelpunkt stand vor allem die Forderung, Frauen den Zugang zu Weiheämtern zu ermöglichen. Für viele Reformbefürworter wäre eine katholische Bischöfin ein Meilenstein, für konservative Kreise dagegen kaum vorstellbar.

Schon beim deutlich weniger weitreichenden Projekt einer deutschen Synodalkonferenz ist allerdings Ausdauer gefragt. In diesem Gremium sollen Bischöfe und Laien künftig gemeinsam beraten und entscheiden. Doch nicht alle Bischöfe stehen hinter dem Vorhaben, und auch die Haltung des Vatikans ist weiterhin offen. Die Satzung liegt derzeit in Rom zur Prüfung.

Bischof Wilmer zeigte sich in Würzburg zwar optimistisch, mahnte aber Geduld an. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), machte zugleich deutlich, wie ernst die Lage wäre: Ein Nein aus dem Vatikan wäre aus ihrer Sicht verheerend.

Wer gehofft hatte, vom Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, konkrete Aussagen zu den deutschen Reformplänen zu hören, wurde indes enttäuscht. Seine Äußerungen blieben vage.

Missbrauch bleibt die offene Wunde

Schon vor Beginn des Katholikentags hatte Stetter-Karp davor gewarnt, beim Thema Missbrauch dürfe keine Gleichgültigkeit einziehen. Sie beklagte eine wachsende Müdigkeit – nicht nur in der Kirche, sondern auch in Medien und Gesellschaft. Immer häufiger höre sie die Frage, wann das Thema endlich abgeschlossen sei.

In Würzburg war der Missbrauchsskandal dennoch sichtbar präsent, sowohl in Diskussionsforen als auch in einer Kunstinstallation. Kritische Töne kamen auch aus der Politik. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, die Kirche habe nach dem Bekanntwerden des Skandals nur zögerlich reagiert.

Der Würzburger Bischof Franz Jung betonte seinerseits bei einer Podiumsdiskussion, er hätte sich mehr staatliches Engagement bei der Aufarbeitung gewünscht. Das hätte auch die Kirche entlasten können.

Klimaschutz rückte wieder ins Blickfeld

Vor einigen Jahren war Klimaschutz eines der großen dominierenden Themen, inzwischen steht es in vielen öffentlichen Debatten nicht mehr so stark im Vordergrund und wird von manchen politischen Kräften sogar offen zurückgewiesen. Beim Katholikentag spielte das Thema jedoch durchaus eine Rolle.

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer lobte ausdrücklich, dass Bundeskanzler Friedrich Merz in Würzburg einmal gezielt zur Klimapolitik befragt wurde. Das sei längst überfällig gewesen.

Auch ZdK-Präsidentin Stetter-Karp kritisierte, Nachhaltigkeit bekomme in der aktuellen Bundesregierung zu wenig Aufmerksamkeit. Gerade deshalb müsse weiter darüber gesprochen werden. Bischof Wilmer unterstrich in einem Fernsehinterview, die Kirche müsse Anwältin der Erde sein. Sie müsse den "Schrei der Schöpfung" wahrnehmen und dürfe nicht schweigen, wenn verantwortungslos mit der Umwelt umgegangen werde.

Rechte Extreme waren Thema – auch ohne Einladung

Vertreter und Amtsträger der AfD waren zum offiziellen Programm des Katholikentags nicht eingeladen. Dennoch war die Partei inhaltlich präsent. Bischof Wilmer erklärte, angesichts nationalistischer Aussagen der AfD, die an die dunkelsten Kapitel der Geschichte erinnerten, könne die Kirche nicht schweigen.

Auch Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) äußerte sich deutlich. Mit Blick auf das Programm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bezeichnete er die Partei als stark kirchenfeindlich.

Überhaupt zog sich die Sorge vor wachsender gesellschaftlicher Spaltung und dem Erstarken extremistischer Kräfte durch viele Debatten. Markus Söder erklärte, der Erfolg der AfD habe auch damit zu tun, dass viele Menschen Angst vor Veränderung und sozialem Abstieg hätten. Aus Angst entstehe oft Radikalität. Deshalb müssten alle gemeinsam daran arbeiten, die Demokratie zu schützen.

Söder forderte dabei mehr Bereitschaft zum Brückenbauen und zur Zusammenarbeit. Seine Einschätzung fiel drastisch aus: Die AfD sei, so sagte er, die schlimmste rechte Organisation in ganz Europa.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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